Das kleine ABC der Integration

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Volle Deutschkurse und eine hohe Motivation von allen Seiten beim Imster ABC-Cafe

Mehr als 40 türkisch-stämmige Frauen aus Imst zeigten in den vergangenen Monaten, dass sie „keinen Vogel unter dem Kopftuch haben“, wie sie erfrischend zu Protokoll gaben. In Deutsch und Gesellschaftskunde wurden große Fortschritte erzielt.

IMST (pc). Standing Ovations von Bürgermeister Gebi Mantl und Stadträtin Gitti Flür ernteten mehr als 40 türkische Frauen, die seit April Deutschkurse und andere Weiterbildungs-möglichkeiten im so genannten ABC-Cafe genutzt haben und in der vergangenen Woche ihren erworbenen Wissensschatz stolz im Kindergarten Oberstadt präsentierten.

Viel Spaß beim Lernen
„Ich kann jetzt selbst zum Doktor gehen, auch beim Einkaufen fällt mir alles viel leichter“, erzählte eine der Teilnehmerinnen.

Eine andere erklärte selbstbewusst: „Wir wollen euch beweisen, dass wir keinen Vogel unter unserem Kopftuch versteckt halten“, was natürlich allgemeine Heiterkeit hervorrief. Alle Absolventinnen konnten von positiven Erfahrungen und einem echten Lernerfolg berichten, der in einem gemütlichen Umfeld, man möchte fast sagen in Kaffeehaus-Atmosphäre, stattfand.

Martina Schipflinger vom BFI freute sich über die hohe Teilnehmerzahl und deren Motivation: „In Imst wurde heuer mit diesem Pilotprojekt ein echter Erfolg gefeiert. Auch in Schwaz wurde ein großer Zulauf erzielt, aber in Imst zeigten die Frauen und Mädchen ganz besonders viel Engagement.“

Im Rahmen einer ungezwungenen Feierstunde gratulierten die Imster Stadtväter- und Mütter den Teilnehmerinnen, aber auch den „Geburtshelferinnen“ Martina Schipflinger und Sara Centurioni sowie den Sprachlehrerinnen Anja und Kirsten.

Gitti Flür erklärte: „Ein niederschwelliges Bildungsangebot für Frauen mit Migrationshintergrund ist, wie man sieht, unbedingt notwendig. Die Stadt Imst und das BFI haben heuer den Versuch gestartet, wir werden uns nach diesem Erfolg sicher um eine Fortsetzung bemühen. Es ist schön zu sehen, mit welchem Spaß und Erfolg die Frauen gelernt haben.“ Der Bogen der Themen spannte sich dabei von Fragen zum Schulsystem über Arbeitssuche bis hin zur Brustkrebsvorsorge und fremdenpolizeilichen Anliegen.

Die Teilnahme ist gratis
Insgesamt sechs Standorte wurden für den heurigen Versuch in ganz Tirol ausgewählt, im kommenden Jahr sollten es nach dem Willen schon wesentlich mehrere sein. Auch in Zams ist ein ABC-Cafe geplant.

Kofinanziert wird die Initiative vom Europäischen Integrationsfonds, dem Innenministerium und dem Land Tirol. Die Teilnahme ist übrigens kostenlos, das soll auch bei einer weiteren Auflage des ABC-Cafes so bleiben. Auch der Imster Stadtchef war vom Lernerfolg der türkischen Mitbürgerinnen sichtlich beeindruckt. Er gratulierte und versprach, sich ebenfalls für eine Weiterführung des Bildungstreffpunktes stark zu machen.

Auch kritische Untertöne
Bei aller Freude konnte sich Mantl aber doch eine kritische Anmerkung zum Thema nicht verkneifen. „Es ist nicht einzusehen, dass nur türkischstämmige Frauen ohne Staatsbürgerschaft hier weitergebildet werden können. Auch Zuwanderinnen, die schon im Besitz der Staatsbürgerschaft sind, haben Bedarf an Sprachkursen und Weiterbildung. Hier sollt man nachjustieren.“

Martina Schipflinger weiß um die Problematik, kann aber nur an die EU verweisen.
„Der europäische Integrationsfonds hat diese Bestimmungen erlassen, wir können dies lediglich im Rahmen der Vorgaben umsetzen“, meint sie.

Die ABC-Cafes im Tiroler Überblick
TIROL (pc). Landesweit wurden heuer sechs ABC-Cafes in Imst, Rum, Hall, Reutte, Schwaz und Wörgl durchgeführt. Im nächsten Jahr wird in Zams ein ABC-Cafe eröffnet.

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