26.09.2014, 12:24 Uhr

Bibel und Koran sind wichtig!

10 Neo-Telfer neben ihren Papp-Ebenbildern mit Dr. Edith Hessenberger und GV Güven Tekçan.
Telfs: Noaflhaus |

Zehn alte neue Telfer werden derzeit im Noaflhaus ausgestellt. Die Ausstellungseröffnung war der Auftakt zu einer hochinteressanten Veranstaltungsreihe in Telfs: Endlich sind auch die Nachkommen der ersten „Gastarbeiter“ im Heimatmuseum angekommen.

„Ich lebe seit 1972 in Österreich. Es ist meine zweite Heimat“, so beginnt die Lebenserzählung von Siddik Tekçan auf der Rückseite einer von 10 lebensgroßen Pappfiguren, die derzeit im Telfer Heimatmusum ausgestellt sind. Der Zeitpunkt der von der Telfer Integrations-Beauftragen Dr. Edith Hessenberger zusammengestellten Ausstellung im Heimatmuseum Noaflhaus ist nicht zufällig: vor 50 Jahren, am 15. Mai 1964, unterzeichneten die Türkei und Österreich das Abkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte für Österreichs rasch wachsende Wirtschaft. Die ersten olympischen Winterspiele in Innsbruck standen vor der Tür und Arbeitskräfte wurden langsam knapp.

Vier Generationen

Siddiks Vater war zwar erst vier Jahre später, 1968 nach Telfs gekommen, aber er hat wie viele, tausende andere „Gastarbeiter“ mitgeholfen, Österreich zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Staat zu machen. 1971 holte er dann zuerst Siddiks Bruder nach, und dann Siddik, der später wiederum seine eigene Familie nachholte. Das Bemerkenswerte an diesem Abend war: Der offizielle Vertreter der Marktgemeinde Telfs bei der Ausstellungseröffnung war der Sohn Siddiks, Güven Tekçan. Er wurde bereits in Telfs geboren, arbeitet wie es schon sein Vater und sein Onkel getan hatten, bei der Firma Liebherr, und ist seit 2010 ÖVP-Gemeinderat von Telfs und nunmehr Gemeindevorstand und Leiter des Integrations-Ausschusses im Gemeinderat. Die vierte Generation, seine beiden Kinder waren ebenfalls anwesend und Töchterchen Tuba, eine Gymnasiastin, fotografierte stolz ihren Opa neben seinem Papp-Ebenbild.

Pappfiguren mit Gegenständen

In der Ausstellung werden 10 eingewanderte Personen von Telfs beispielhaft präsentiert. Siestammen aus den verschiedensten Ländern. Jede/r von ihnen ist lebensgroß mit einem Gegenstand präsent, der für sie oder ihn eine besondere Bedeutung hat: Bei Siddik ist es ein Buch:

„Ich lese viel in Büchern. Das hier sind Surenausschnitte aus dem Koran zum Thema Wahrheit. Das ist wichtig für die Menschen. … Es ist wichtig einen Glauben zu haben und auch den anderen Glauben zu respektieren. Wir sitzen alle in einem Boot. In Telfs gibt es 15.000 Einwohner, davon sind 3000 Gastarbeiter, wir müssen miteinander gut leben. Und deshalb sind die Bibel und der Koran so wichtig.“

Die Ausstellung ist nun 3 Wochen im Noaflhaus zu sehen, und danach im Inntalcenter. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung vom Telfer Integrationspreisträger Hozan Temburwan mit seinen beiden Saz-Instrumenten. Bei einem köstlichen Buffet konnten sich alte und neue Telfer noch lange unterhalten...
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