24.11.2017, 16:01 Uhr

In Fiss steppt der Bär

Bürgermeister Markus Pale, Volkskunlerin Petra Streng und Obmann Christian Kofler (v.l.) mit Bär und Bärentreiber. (Foto: Czingulszki)

Der Bär ist heuer die Leitfigur des "Fisser Blochziehens", das als jahrhundertealter Brauch seit 2011 zum UNESCO Kulturerbe zählt.

FISS. Am 28. Jänner ist es wieder so weit. Die Masken und Kostüme werden aus den Kästen geholt und mit dem Ruf "Los geat's" startet einer der berühmtesten Fasnachtsbräuche – das "Fisser Blochziehen". Das Spektakel findet alle vier Jahre statt und auch heuer werden um die 10.000 Zuschauer erwartet, die bestaunen, wie der 35 Meter lange Zirbenstamm – der Bloch – durch das Dorf gezogen wird. Er symbolisiert einen Pflug, der die Felder zur Aussaat aufbricht und damit den Frühling einläutet.

Miasmann wird abgelöst

Am Tag des Festes laufen die Schallner, die Mohrelen und der Bajatzl durchs Dorf und kündigen den Beginn des Zuges an. Beim Fisser Kulturhaus treffen sich dann alle Fasnachter und werden vom Fuhrmann an ihre Positionen beim Bloch gewiesen – der Umzug kann starten. Die über 300 traditionellen Rollen wie Bajatzl, Miasmann, Hexen und Bärentreiber werden ausschließlich von Männern besetzt. Der Älteste ist heuer 78. Die Frauen würden aber in der Vorbereitungsphase, die bereits über ein Jahr dauert, eine enorm wichtige Rolle spielen, betont Obmann Christian Kofler. Heuer steht der Bär im Fokus, der den Miasmann als Leitfigur von 2014 ablöst. "Dafür wurden eigens eine neue Maske sowie ein Bärengewand aus Hirschfell angefertigt", erklärt der Obmann.


Eine lange Tradition

Dass dieser Brauch schon Jahrhunderte lang besteht sei klar, aber wann genau alles begann könne man laut Volkskundlerin Petra Streng nur schwer sagen: "Aufzeichnungen wurden früher nur gemacht, wenn etwas schiefgelaufen ist." Entstanden sei der Brauch aus dem Bedürfnis, sich vor der früher sehr streng gehandhabten Fastenzeit auszuleben und gegen Obrigkeiten aufzulehnen. Aber auch die soziale Komponente sei bei derartigen Brauchtümern nicht zu vernachlässigen: "Es gibt keinen Haushalt im Dorf, der nicht miteinbezogen wird und die Vorbereitungszeit schweißt den Ort enorm zusammen", so Streng. Bürgermeister Markus Pale freut sich, dass in Fiss eine der traditionellsten Tiroler Fasnachten stattfindet. Er wird den Bloch am Ende des Umzugs am Rathausplatz versteigern. Ein Teil des Erlöses wird gespendet, der Rest fließt wieder an den Verein zurück.
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