12.03.2017, 00:00 Uhr

Neue alte Kutschen aus Oberlaa

Kutschenbauer Florian Staudner mit seinem Mitarbeiter Matthias Fuhrmann in seiner Werkstatt in der Oberlaaer Straße.

Florian Staudner ist Wiens einziger Kutschenbauer und weit über die Grenzen hinaus für sein Handwerk bekannt. Tradition ist besonders wichtig für den Favoritner, Scheibenbremsen oder Hydrauliksysteme kommen keine in seine Gefährte.

FAVORITEN. In Florian Staudners Werkstatt in der Oberlaaer Straße taucht man ein in eine andere Welt aus längst vergangenen Tagen. Gemeinsam mit Matthias Fuhrmann repariert er hier alte Kutschen, Sänften oder Schlitten.

Die beiden bauen aber auch neue Gefährte nach alten Plänen. Aufträge dafür kommen sogar aus Amerika. "Es sind Fahrzeuge für ein Freilichtmuseum, sie werden täglich gefahren", erzählt Staudner, der eine Lehre als Drechsler absolvierte, bevor er sich intensiv mit dem Kutschanbau beschäftigte. "Für Kutschen habe ich mich schon als Kind interessiert. Mit meinem Onkel habe ich viele Kutschanfahrten unternommen", so Staudner.

Alte Lehr-Meister

In heutigen Zeiten ist es nicht ganz einfach, Kutschenbau zu erlernen. Doch Staudner wusste, was er wollte: "Am Anfang habe ich Kutschen gekauft und renoviert, aber ich wollte das Handwerk richtig lernen."

Nach intensiver Suche fand er einige Werkstätten, in der er in drei Jahren die Arbeit erlernen konnte. Seine Suche nach Ausbildung führte ihn auch nach Deutschland und in die Schweiz, wo er bei den letzten alten Meistern lernte. Den Rest holte er sich aus Büchern, wobei es nicht sehr viel Material gibt.

Werkstoff Holz

Inzwischen ist Staudner seit 35 Jahren als Kutschenbauer tätig und hat selbst jemanden angelernt: Matthias Fuhrmann. "Eigentlich habe ich ja einen Wagner gesucht, aber Fuhrmann geht auch", scherzt Staudner.

Auch Fuhrmann kam über einen Umweg zum Kutschenbau, obwohl er als Jugendlicher schon eine Schnupperlehre bei Staudner absolvierte. Danach lernte er Tischler. "Ich hab' mich schon immer für alles interessiert, was mit Holz zu tun hat", so der 27-Jährige.

Preis: Ein bis zwei Sportwagen

Staudners Kunden sind Liebhaber und Sammler von Kutschen sowie Museen. "Meine Kunden schätzen, dass ich sehr sorgsam und originalgetreu arbeite. Nicht jeder nimmt es mit der Tradition so genau", so der 60-Jährige. Apropos Tradition: Der Kutschenbauer nimmt sich keinen Gefährten an, die mit mit Scheibenbremsen, Hydrauliksystem oder Metallkorpus ausgestattet sind. Der Preis für eine neue alte Kutsche variiert: "Vom Kleinwagen bis zu zwei Ferrari."

In seiner Werkstatt in der Oberlaaer Straße 47 plant Staudner ein Kutschenmuseum. "Es wird aber kein öffentliches Museum sein, sondern nur für Kutschensammler und Menschen, die wirklich sehr begeistert sind", so Staudner. Außerdem bietet er jetzt schon diverse Seminare zu den Themen Traditionsfahren, Drechseln und Werkzeichnen an.

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