10.03.2016, 16:59 Uhr

Exhumierung in Welten - zweiter Tag

14 Soldaten geborgen. Drei Handgranaten sorgten für Aufregung.

Die Exhumierung in Welten geht weiter. Heute konnte Landesarchäologe Franz Sauer mit seinem Team die sterblichen Überreste von 14 Soldaten bergen. Bei einigen wurden persönliche Gegenstände wie Jausenmesser, Spiegel oder Butterbrotdose gefunden. Alle Soldaten wurden in ihren Stiefeln begraben, die Uniformen hingegen, wurden ihnen aufgrund des guten Stoffes abgenommen, vermutet der Kriegsgräberforscher Kurator Peter Sixl. Auch der Anthropologe Karl Großschmidt ist heute in Welten eingetroffen. Jedes einzelne Skelett wird nun vermessen und zugeordnet. Das Alter der Soldaten liegt zwischen 20 bis 25 Jahren.

Namen sind bekannt

Nach umfangreichen Forschungen in russischen Archiven konnte Sixl die Namen aller Bestatteten eruieren. Dabei behilflich war dem Historiker Wladimir Wladimirowitsch Putin persönlich, den er im vergangenen Jahr in Wien getroffen hatte. Neben den sterblichen Überrestes wurden heute auch drei Handgranaten gefunden. Laut Wolfgang Wildberger vom ÖSK waren zwei davon „bezündet“, soll heißen - noch scharf. Die Gebeine wurden heute in kleine Särge - 40 mal 25 Zentimeter - gelegt und durch das Schwarze Kreuz zwischengelagert. In den nächsten Monaten sollen sie dann in allen Ehren ein zweites Mal bestattet werden. Möglichkeiten stünden laut Wildberger in Feldbach oder Oberwart zur Verfügung.

Vergessen

Die im Krieg hinter der Front nachrückenden Einheiten hatten den Auftrag, die Leichen zu sammeln und zentral zu begraben. Die 91-jährige Zeitzeugin steht mit zwei Krücken am Rande des Massengrabs. Erinnerungen an damals kommen hoch. Sie kann sich erinnern, dass die Toten mit einem Pferdefuhrwerk auf einem Leiterwagen angekarrt und die Männer in der Familie dazu angehalten wurden, die Grube auszuheben und die Rotarmisten einzugraben. Die Mutter hatte für die Verpflegung zu sorgen. Während der Besatzungszeit seien noch Blumen niedergelegt worden, dann geriet die Grabstätte in Vergessenheit. Nur wenige Leute wussten, was sich in dem idyllischen Obstgarten verbarg. Solche Begräbnisstätten wurden meist eingefriedet und mit einem Obelisk versehen. "Das ist hier nicht erfolgt und daher ist das Grab in Vergessenheit geraten", erklärt Wolfgang Wildberger. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden für die Gefallenen der Roten Armee sogenannte Ehrenfriedhöfe angelegt - unter anderem in Oberwart, Oberpullendorf und in Eisenstadt-Oberberg.

Morgen geht es weiter

Morgen, Freitag, soll der erste Abschnitt des Grabes wieder zugeschüttet werden. Laut Wildberger werden die Arbeiten in den nächsten Wochen fortgesetzt.
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