20.10.2014, 08:54 Uhr

"Lasst Kinder einfach spielen!"

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Kriegt mein Kind einen der Top-Jobs? Wird es genug Geld verdienen, um sich alle Annehmlichkeiten leisten zu können? Wie wird mein Mädchen Jahrgangsbeste? Soll mein Bub nicht schon in der B. QUINTGrundschule einen Chinesisch-Kurs absolvieren? Auch wenn sich diese Fragen für einige überspitzt anhören, Psychologen und Ärzte wissen: Viele Mütter und Väter plagen genau diese Gedankengänge. Sie wollen für ihren Nachwuchs nur das Beste und versuchen, ihn von Kindesbeinen an so gut es geht zu fördern.
"Schluss damit!", fordert jetzt die berühmte Erziehungsexpertin und Ärztin Shimi Kang in ihrem Buch "Das Delfin-Prinzip".
Sie erklärt: “Den Kindern fehlt heutzutage vor allem eins: Spaß.
Lasst die doch einfach nur einmal spielen!
Die Expertin bezieht sich in ihrer Argumentation auf aktuelle Forschungen, die besagen, dass mit einer Übererziehung ein erhöhtes Risiko für Angststörungen und Depressionen einhergeht.

Quelle: Kronen Zeitung


»Gibt es Alternativen für den Lern- und Entwicklungsstress, dem unsere Kinder zunehmend ausgesetzt sind? Ja, sagen der Kinderarzt Herbert Renz-Polster und Neurowissenschaftler Gerald Hüther. In »Wie Kinder heute wachsen« beschreiben sie die Quellen für eine gesunde Kindesentwicklung: Unmittelbarkeit in der Erfahrung, Freiheit im Tun, Widerständigkeit im Handeln und Bezogenheit auf andere. Diese finden Sie am besten in der Natur -- ihrem angestammten Entwicklungsraum!«


Wie Kinder heute wachsen - YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=TPi0VlUI8mI


Dr.Renz-Polster sagt in seinem gestrigen “Kleine Zeitung” – Interview u.a. folgendes:

HERBERT RENZ-POLSTER: Kinder brauchen unstrukturierte Erlebnisräume für freies Spiel. Heute werden sie immer stärker in ein pädagogisches Korsett eingeschnürt, sie haben schon im Kindergarten zielgerichtete Lernprozesse. Man erkennt nicht mehr, dass das Spielen ein Teil der Selbstförderung des Kindes ist. Da wird die Pädagogik auf den Kopf gestellt. Der Kern der heutigen Pädagogik ist eine Vorverlagerung, eine Pädagogik der Rückwärtskonstruktion. Die Wirtschaft wünscht sich Schwerpunkte in Mathematik, Informatik, in Naturwissenschaften, entsprechend sollen die Schulen sein und die Kindergärten ebenfalls, weil sie ja angeblich auf die Schulen vorbereiten. Aber das ist doch ein armseliges Bild von der Elementarpädagogik. Die ist doch keine Bonsai-Variante der Schulpädagogik.

Sie fürchten, dass Kindergärten aufgrund der vielen Zurufe von außen in ein pädagogisches Reservat verwandelt werden?

HERBERT RENZ-POLSTER: Wenn ich bedenke, wie stark die Kindergartenkinder auf Schritt und Tritt evaluiert werden, ihre Fortschritte kartiert und in Portfolios aufgearbeitet werden, kommt mir dieser Begriff in den Sinn. Wozu das alles? Das nimmt uns Zeit für echte Beziehungen. Wer auf Schritt und Tritt bewertet wird, wird zum Objekt, zum Förder-Objekt.

Gleichzeitig wird erklärt, dass Kinder bereits in Krippen bestens gefördert werden.

HERBERT RENZ-POLSTER: Alle Parteien sind sich einig, dass Kinder frühe Bildung brauchen. Dann müssen wir aber auch darüber reden, was frühe Bildung ist. Und da beginnt unsere Lebenslüge. Wir wissen einiges über Kinder und eines ganz sicher: dass Kinder für ihr frühkindliches Lernen einen funktionierenden Rahmen an verlässlichen Beziehungen brauchen. Emotional gestresste Kinder lernen nicht. Der Motor läuft nur, wenn Kinder sich in Beziehungen gut aufgehoben fühlen - mit Leuten, mit denen sie zusammen sein wollen und nicht müssen. Das ist aber nicht der Fokus der heutigen Pädagogik.

Da werden Ihnen Pädagogen widersprechen und darauf verweisen, dass das durchaus der Fokus von Kindergärtnerinnen ist.

HERBERT RENZ-POLSTER: Ich kenne aber keinen Experten, der nicht eine bessere Betreuungsqualität anmahnt.
In frühkindlichen Einrichtungen sind nicht genug Hände, Herzen, Augen vorhanden, damit Bildung stattfinden kann. Jede Familie mit Drillingen weiß, welches Chaos das bedeutet. In Krippen ist aber bereits ein Betreuungsschlüssel von 1 : 4 über dem Standard. Jeder weiß, dass es hier um ein glorifiziertes Verwalten geht. Und dann reden wir über frühe Bildung.

Wir machen einen Kompromiss auf Kosten des Kindes.


Das ganze Interview -
Erziehung: "Das Hamsterrad der Eltern wird auf die Kinder übertragen" > Kleine Zeitung
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/37...
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5.765
Rosmarie Kohlmann aus Jennersdorf | 20.10.2014 | 09:07   Melden
5.765
Rosmarie Kohlmann aus Jennersdorf | 24.10.2014 | 08:31   Melden
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