Licht aus, Film ab

Das Kirchdorfer Traditionskino (Foto: Macheiner)
13Bilder

Dick und Doof, James Dean, Jerry Lewis, Charly Chaplin, Marilyn Monroe und andere Filmgrößen lächeln in Schwarz-Weiß von der knallig-roten Außenfassade – man kann sich leicht vorstellen, wie die alten Filmklassiker früher viele Kino-Besucher für ein paar Stunden in andere Welten entführten und so manche Romanze hier bei einem Film und Cola anfing. Als die Filme noch knisterten und die Bilder rauschten. Die Zeitreise endet nicht an der Eingangstür: Beim Betreten des Foyers erwecken verblichene Dokumente einer vergangenen Zeit in Schaukästen nostalgische Gefühle, der Snackstand mit den typischen Kino-Naschereien und das Interieur versprühen den Charme der 1980-er Jahre. Nicht zuletzt laden der Duft von Popcorn und die 225 plüschigen Samtsessel zum Verweilen und Abschalten ein, wenn das Licht ausgeht und die Leinwand zum Mittelpunkt in der Bambergstraße in Kirchdorf wird.

Kirchdorf (mach): Dieses Wohlfühl-Gefühl auch dem heutigen Kinobesucher zu ermöglichen, hat sich Gerald Schmidlehner zum Ziel gesetzt, der das Kirchdorfer Traditionskino als Kulturgut sieht, das es so lange wie möglich zu erhalten gilt. Begonnen hat der gelernte Schlosser 1989 nebenberuflich als Filmvorführer. „Mich hat das Technische begeistert, das Einlegen der 35-Millimeter-Filme in den ratternden Projektor war damals noch ein Handwerk. Heute ist ja alles digitalisiert, ich brauche eigentlich nur auf „Start“ drücken“, erklärt der Kinobetreiber mit etwas Wehmut in der Stimme. Seit 1994 sorgt er hauptberuflich dafür, dass der Laden keinen „Filmriss“ hat. „Ich bin Geschäftsführer, Kassier, Buffet-Kraft, Putzfrau, Billeteur und Filmvorführer in einem“. Auf den Leinwänden der zwei Säle ist für jeden cineastischen Geschmack etwas dabei. „Es genügt heutzutage nicht nur einen Film abzuspielen“, sagt Schmidlehner, „Kino muss ein Erlebnis sein“. Deswegen veranstaltet er regelmäßig Regie-Gespräche, Sondervorstellungen, Kinofrühstücke und Thementage.

Totgesagte leben länger…

Das kleine Landkino hat viele Konkurrenten: „Patschenkino“, Multiplexe, Filmdownloads, Raubkopien und DVD’s. „Früher gab es auch in anderen Orten im Bezirk Kinos, heute betreibe ich das einzige“, sagt Gerald Schmidlehner, „bis 1996 waren 3-Saal-Kinos revolutionär, dann veränderte das Megaplex-Zeitalter die Kinolandschaft.“ Das Kirchdorfer Kino versprüht Charme und hebt sich mit Nostalgiefeeling vom sterilen, austauschbaren Flair der modernen Blockbusterkinos mit den XXL-Colas ab. Während man in den Multiplexen nicht einmal mehr einen persönlichen Ansprechpartner hat, herrscht in diesem Kleinod noch eine familiäre Atmosphäre. „Ich lege Wert auf ein individuelles Service und möchte ein traditionelles Kino führen, mit modernster Technik, aber der alte Geist soll weiteratmen.“ Die mit Herz geführten oberösterreichischen Landkinos haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen und suchen sich Nischen angesichts der zunehmenden Gleichförmigkeit und Austauschbarkeit der Großbetriebe. „Die goldenen Zeiten der kleinen Kinos sind dennoch vorbei“, bedauert der Kinobesitzer, „strenge Vorschriften der Filmverleiher und hohe Investitionskosten erfordern schon sehr viel Enthusiasmus“. Traditionskinos sind eine schützenswerte Institution, ihr Verschwinden würde eine Lücke in der städtischen und kulturellen Landschaft hinterlassen.

Ein Ort zum Träumen

Popcorn oder Nachos sind gekauft, die Platznummer ist gefunden, der Saal wird verdunkelt, die riesige Leinwand und die Dolby-Surround-Boxen erwachen zum Leben – wir lachen, weinen und fiebern mit, der Alltag hat für 2 Stunden Pause. Genau das macht die Faszination Kino aus!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen