Josef Marketz
Ein Bischof auch im Auftrag der Kultur

Josef Marketz auf seinem Arbeitsplatz im Bischofshaus in Klagenfurt | Foto: Diözesan-Pressestelle Daniel Gollner
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Bischof Josef Marketz bekennt sich im Gespräch mit der WOCHE Kärnten zur bildenden Kunst. Ihn bewegt das Schicksal der Straßburg.

VON ILSE GERHARDT

KÄRNTEN. Seit wenigen Wochen geweihter Bischof der Diözese Gurk zählt Josef Marketz auf den liebevollen Zusammenhalt der Kärntner Katholiken, auf das beseelte Miteinander aller Christen und den respektvollen Umgang mit anderen Gläubigen. Ungezwungen und uneitel begegnet der katholische Oberhirte den Menschen dieses Landes, spricht vom Wert der Liebe, der Gesundheit und vom Glauben an das ewige Leben. „Das sind die Dominanten dieser Zeit“, erzählt er im Gespräch mit der WOCHE Kärnten.

Ursprung als Hauskirche

Er rät den Menschen vieles, das sonst im Namen der Kirche geschieht, in Eigenregie zu unternehmen. „Die Kirche ist ja als Hauskirche entstanden und groß geworden. So kann es als Chance gewertet werden, wenn sich die heutigen Christen in das, was ihnen wertvoll erscheint, vertiefen“, schildert Marketz. Er fügt hinzu: „Man kann viele Lebensfragen mit dem Intellekt beantworten, aber man stößt immer an Grenzen. Mit gefühlvoller Zuwendung kommt man den Menschen viel näher.“

Leid, Armut und Elend

Diese Zuwendung spürt man im Gespräch mit Bischof Marketz unmittelbar. Auch seine Herzlichkeit, auch seine gelebte Barmherzigkeit. Immerhin war er Diakon in Ecuador und seit dem Jahr 2014 bis zu seiner Bischofsernennung Kärntner Caritas-Direktor und hatte demnach viel mit Leid, Armut und Elend zu tun. Marketz: „Wir sind ja ein sogenanntes Grenzland mit Randgruppen. Bei den Obdachlosen habe ich gespürt, wie menschlich und gut sie eigentlich sind. Sie besitzen Qualitäten, wie alle anderen“. Und nachdenklich: „Wir Kärntner Slowenen sind ebenfalls zu einer Randgruppe gemacht worden. Das ist ein Gefühl, das ganz stark in mir drinnen war und das mich bewog, mich mit solchen Menschen zu beschäftigen. Wir Slowenen sind nicht besser, als alle anderen. Aber auch nicht schlechter.“

Mit Maja Haderlap verwandt

Bischof Marketz ist in St. Philippen ob Sonnegg/Št. Lipš geboren und in Kristendorf/Kršna vas wohnhaft. Mit seinem Episkopat endete die Ära des Zögerns und Wartens mit einem Aufatmen. Zufrieden sind vor allen die Slowenen, die erstmals einen aus ihrer Volksgruppe stammenden Oberhirten besitzen. Marketz: „Der Zuspruch ist sehr groß. Ich habe es unterschätzt, wie sehr sie sich auf diese Weise selber wertgeschätzt fühlen.“ Noch dazu ist Marketz mit Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap verwandt: „Maja ist meine Großcousine. Schon meine Großmutter war eine begabte Autorin, schrieb Erzählungen und Theaterstücke für den Kulturverein. Sie war es auch, die mich zum Theologiestudium bewog.“
Der neue Bischof bekennt sich ebenso zur bildenden Kunst, erfreut sich an den wertvollen Bildern im Bischofshaus, die Bischof Egon Kapellari seinerzeit angekauft hatte: „Für mich ist Kunst ganz wichtig, daheim fehlt mir schon der Platz an den Wänden“.

Schicksal der Straßburg

Im kirchlichen Bereich bewegt den neuen Bischof speziell das Schicksal der Straßburg, deren bauliche und kulturelle Nutzung besonders von Bischof Egon Kapellari forciert und von Alois Schwarz vernachlässigt wurde. „Ich habe mich vor kurzem vor Ort umgesehen“, berichtet Marketz, „die Ausstellungsräume sind noch vorhanden. Sie müssten dringend wieder adaptiert werden. Denn im Jahr 2022 steht das Jubiläum 950 Jahre Bistum Gurk an.“

Die Straßburg wieder bespielen

Nach erfolgter Restaurierung Ende der Achtzigerjahre unter Kapellari für das Hemma-Jubiläum und die damit zusammenhängenden kulturellen Höhepunkte schwand später unter Schwarz merklich das Interesse für dieses romanische Baudenkmal. „Die Straßburg gehört wieder bespielt“, fordert Marketz, „vor allem jene Räume, die Kapellari für Ausstellungen genutzt hatte“. Und mit einem Seufzer: „Ich tät so gern was machen!“

Religion neu positionieren

Weil der ehemalige Caritas-Direktor Spendenaufrufe gewohnt ist, sucht er schon jetzt freigiebige Spender. Doch die größte Herausforderung für sein Wirken sei „die Religion in dieser Zeit neu zu positionieren, damit die Menschen heute für ihre Bedürfnisse und Emotionen in der Religion die passenden Antworten finden. Vor allem geht es um wertschätzendes, liebevolles Verhalten.“

Josef Marketz auf seinem Arbeitsplatz im Bischofshaus in Klagenfurt | Foto: Diözesan-Pressestelle Daniel Gollner
Februar wurde Josef Marketz zum Bischof geweiht. | Foto: Diözesan-Pressestelle Daniel Gollner
Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt: Josef Marketz | Foto: Diözesan-Pressestelle Daniel Gollner
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