22.03.2017, 08:30 Uhr

Klosterneuburg ist "Kurort" für Flöten

Zuerst zerlegt Ekhard Lechner jede Flöte in ihre Einzelteile. (Foto: Talkner)

Musiker aus dem In- und Ausland bringen ihre Flöten zur Generalüberholung zu Ekhard Lechner.

KLOSTERNEUBURG (bt). Klassik ertönt in der Werkstätte des Klosterneuburgers Ekhard Lechner. Inmitten seiner hunderten Werkzeuge hantiert der 64-Jährige mit Feilen, Pinzetten, Nadeln und Schraubenziehern. Auf dem Kopf trägt er eine Lupe, zittern darf er nicht.
Flöten sind es, die Lechner so viel Feingefühl abverlangen. Seit 1994 betreibt er in der Medekstraße sein Flautino Atelier, eine Flötenwerksätte. Musiker aus ganz Österreich und den Nachbarländern bringen oder schicken ihre Flöten zur Reparatur, Generalüberholung oder zum Service nach Klosterneuburg. "Das ist sehr intim. Ein Instrument hat man sein Leben lang, das lässt man nicht irgendwo reparieren", so Ekhard Lechner, der sich einen Namen gemacht hat. "Man sitzt schon bis zu 14 Stunden an einer Flöte."

Holz bei Musikern in Mode

Zwei bis drei Exemplare warten stets in Lechners Werkstätte. Zurzeit etwa eine 150-jährige Holzflöte oder ein noch exklusiveres Exemplar im 5-stelligen Euro-Bereich. "Holz ist eher selten, aber es kommt wieder in Mode", erklärt der Feinmechaniker. Immer mehr Musiker wenden sich von Blechblasinstrumenten ab. "Um wieder auf das Originalklangbild der Klassik zurückzukommen." Das beliebteste Holz ist dabei Grenadill (Zur Sache). "Da ist die Schallentwicklung besser, als bei Kirsch oder einem anderen Holz."

Neues Leben fließt in Flöten

Jede Flöte wird im Flautino Atelier zuerst zerlegt. "Ich will gar nicht wissen wie sie vorher klingt." Dann steht die Reinigung an. "Holz wird in Leinöl getränkt bis es gesättigt ist, dann getrocknet und poliert", erklärt Lechner. Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit. Lechner erneuert etwa Klappentechnik und Korken und klebt Risse. "Dann muss ich herausfinden, ob alle Töne so klingen wie sie sollen", beschreibt er, während er zur wieder ganzen Holzflöte greift und zu spielen beginnt. "Ich wusste gar nicht, dass die so toll klingt", ist Lechner fasziniert und stolz. Immerhin hat er diesen Klang hervorgekitzelt.


Kontrolliert und zitterfrei

Bei der Arbeit des Klosterneuburgers, ist Körperkontrolle alles. "Man rutscht so schnell ab, da kann viel passieren." Doch genau diese ständige Herausforderung hält Ekhard Lechner fit. So fit, dass er an Ruhestand gar nicht denken will. "Ich kenne Flötenbauer, die haben bis zum letzten Tag gearbeitet." Anderes scheint auch der 64-Jährige, der seine Leidenschaft schon mit 20 entdeckt hat, nicht zu beabsichtigen.

Zur Sache:

Grenadill-Holz stammt aus Afrika und ist als dichtestes und wasserabweisendstes Holz ideal für den Bau von Holzblasinstrumenten geeignet. Aufgrund langsamen Wachstums und Beliebtheit, ist es jedoch gefährdet.
Flötenwerkstätte: Voranmeldung unter 02243/26603.

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