08.10.2014, 10:51 Uhr

St. Leopold Friedenspreis 2014 für "Funny Games"

Peter Müller und Abtprimas Propst Bernhard Backovsky bei der Preisübergabe (Foto: Stift Klosterneuburg)
KLOSTERNEUBURG (red). Der internationale Kunstpreis des Stiftes Klosterneuburg zeichnet Kunstwerke aus, die sich kritisch mit humanen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. Abtprimas Propst Bernhard Backovsky verlieh am 25. September den St. Leopold Friedenspreis 2014 an den Künstler Peter Müller und je einen Förderpreis an die Fotografen Willy Puchner und Dominik Fleischmann. Über 480 Einreichungen bewarben sich um die mit EUR 12.000,- dotierte Auszeichnung.

Bin ich der Hüter meines Bruders?

Der nach dem Stiftsgründer benannte „St. Leopold Friedenspreis“ zeichnet Kunstwerke aus, die sich kritisch mit humanen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. Es gibt keinerlei Vorgaben, was die Ausführung der Werke betrifft. Nur inhaltlich gibt es ein - meist der Bibel entnommenes - Motto, das zum Nachdenken auffordern soll. Das Thema 2014 wurde durch Abtprimas Propst Bernhard Backovsky gewählt und lautet: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ aus dem Buch Genesis, Kapitel 4, Vers 8.

Bereits zum sechsten Mal wurde der mit EUR 12.000,- dotierte internationale Kunstpreis im Rahmen eines Festaktes im Marmorsaal des Stiftes Klosterneuburg verliehen. Höchst beeindruckende Werke, vom großformatigen Bild über vielfältige skulpturale Objekte bis hin zur zarten Graphitzeichnung oder zur sozialkritischen Fotografie, wurden eingereicht. Eine fachkundige Jury wählte in mehreren Sitzungen aus über 480 Einsendungen die Sieger.

Funny Games

Der Hauptpreis (EUR 10.000,-) ging an den deutschen Peter Müller für sein Werk „Funny Games“, das nach einem Video der Überwachungskamera der Berliner U-Bahn entstanden ist. Es zeigte, wie zwei Jugendliche grundlos einen Mann zusammen schlugen. Die umstehenden Mitmenschen kamen nicht zu Hilfe. Die Angst war größer als die Zivilcourage. Dieses Standbild hat er abstrahiert und so die Aggression und Angst verbildlicht. Das verwendete Material Holz zeigt, dass dieses Verhalten in der Natur des Menschen verankert ist.
Je ein Förderpreis (á EUR 1.000,-) wurden an die beiden Fotografen Willy Puchner und Dominik Fleischmann vergeben. Das Alter in all seinen Facetten beschäftigt Willy Puchner seit vielen Jahren. Mit seinem Werk „Dialog mit dem Alter“ zeigt er in einer berührenden Serie, wie sich alte Menschen umarmen und lieben. Das zweite Werk, „Lakew II“, stammt von Dominik Fleischmann aus der Serie „Leaves of Grass - Söhne und Töchter Äthiopiens“. Sein Fokus liegt auf dem Leben der Menschen und deren sozialen Verhältnissen in allen Teilen der Welt. Es zeigt einen schlafenden Wächter im Nebel der Simien-Mountains im Hochland Äthiopiens.

Die Ausstellung der nominierten und ausgezeichneten Werke des St. Leopold Friedenspreis 2014 ist vom 26. September bis 30. November im Stift Klosterneuburg zu besichtigen. Das preisgekrönte Werk wird nach der Ausstellung in den Bestand des Stiftsmuseums, genauer, der „Galerie der Moderne“, aufgenommen.
Das Motto für den St. Leopold Friedenspreis 2016 leitet sich aus dem Evangelium nach Lukas 12,20-21 ab: Da sprach Gott zu ihm: „Du Narr! Noch diese Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du aufgehäuft hast?“ So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist. Daraus ergibt sich das Motto „Die Macht der Gier“.

Zu den Künstlern

Gewinner des Hauptpreises 2014
Peter Müller, Werk „Funny Games“. 
Peter Müller, geb. 1981, lebt und arbeitet in Neuss/Rhein. Er studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei dem berühmten Bildhauer Tony Cragg. Die Arbeit „Funny Games“ ist nach einem Video der Überwachungskamera der Berliner U-Bahn entstanden. Sie zeigte, wie zwei Jugendliche grundlos einen hilflosen Mann zusammen geschlagen haben. Die umstehenden Mitmenschen kamen dem Mann allerdings nicht zur Hilfe. Die Angst war größer als die Zivilcourage. Dieses Standbild hat er benutzt und stark abstrahiert, durch die Formgebung wurde sowohl die Aggression als auch die Angst verbildlicht. Das Material Holz zeigt, dass dieses Verhalten zwar verabscheuungswürdig, jedoch in der Natur des Menschen verankert ist. Also, wer ist der Hüter meines Bruders?

Gewinner der FörderpreiSe 2014
Willy Puchner, Werk „Dialog mit dem Alter“
Willy Puchner, geb. 1952, ist seit 1978 freischaffender Fotograf und Autor, stammt aus Mistelbach, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte neben seiner künstlerischen Tätigkeit Soziologie und Philosophie.
Das Alter in allen seinen Facetten beschäftigt ihn schon seit vielen Jahren. Daneben sind Tiere für ihn ein wichtiges Thema („Willy Puchners Tierleben“). Bekannt ist auch sein Projekt „Die Sehnsucht der Pinguine“ für das er die zwei Kunststoffpinguine Joe und Sally in der ganzen Welt vor großen Sehenswürdigkeiten fotografiert hat. Joe und Sally wurden auch für die Österreichwerbung eingesetzt. Außerdem schuf er Bilderbücher für Kinder („Willy Puchners Welt der Farben“, „ABC der fabelhaften Prinzessinnen“).
In dieser Serie „Dialog mit dem Alter“ möchte er zeigen, wie sich Menschen umarmen und lieben.

Dominik Fleischmann, Werk „ Lakew II“
Dominik Fleischmann geb. 1989, ist ein junger Fotograf aus Würzburg. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Für seine Fotoserien reist er durch die ganze Welt und fotografierte u.a. in Vietnam, Rumänien, Äthiopien, Puerto Rico. Sein Fokus liegt auf dem Leben der Menschen und deren sozialen Verhältnissen. Das Thema seiner Diplomarbeit auf der Hochschule in Berlin war: Wahrheit und Ästhetik in der Fotografie mit praktischem Schwerpunkt auf das Leben in Äthiopien.
Das Siegerfoto „Lakew II“ stammt aus der Serie „Leaves of Grass - Söhne und Töchter Äthiopiens“, die 2013 entstanden ist und auch als Buch vorliegt. Es zeigt einen schlafenden Wächter im Nebel der Simien-Mountains im Hochland Äthiopiens.
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