27.09.2017, 17:32 Uhr

Anna Thaller: Eine starke Frau aus Langenlois lässt in die Vergangenheit blicken

Anna Thaller hat gute Chancen erfolgreichste Frau Niederösterreichs zu werden.

Ob Chefin eines Großkonzernes, Mitarbeiterin einer Sozialeinrichtung oder eine Hilfskraft, die sich den Traum vom eigenen Geschäft verwirklichte. Niederösterreich ist voll von starken Frauen. Anna Thaller ist eine davon. Die Zwettlerin hat es ins Finale zur Wahl der erfolgreichsten Niederösterreicherin geschafft.

"Mir ist es ein Anliegen und eine Freude, mein Wissen um die Zeit der Kindheit in den 50- und 60er Jahren und viele Dinge, die in Zukunft unwiederbringlich verlorengegangen sein werden, an die nächsten Generationen weiterzugeben", verrät die 1951 geborene  Anna Thaller, "Geräte und Spiel, die für uns damals selbstverständlich waren, kennen die Kinder heute nicht mehr."
Das bringt in unserer schnelllebigen Zeit „Jung und Alt“ einander näher und fördert das gegenseitige Verstehen.

Wie alles begann

In Lengenfeld, wo Anna Thaller geboren und aufgewachsen ist, tragen zahlreiche Gassen und Grundstücke sogenannte „Spitznamen“, die mündlich überliefert und nur der einheimischen Bevölkerung geläufig sind. Im Jahr 2006 hat sie dieses Thema in Form einer Power Point Präsentation aufgearbeitet. Da sie auch viele Fotos von einst hatte, stellte sie sie den heutigen Ansichten gegenüber. Diese Aufarbeitung war so umfangreich, sodass 3 Teile mit dem Titel „Lengenfelder Eigenheiten“ zu je ca 1 Std. Vorführzeit entstanden sind.
"Mit jedem einzelnen Teil war ich über 1 Jahr beschäftigt, denn ich wollte alle Wetterverhältnisse, Jahres, und Tageszeiten berücksichtigen", erzählt Anna Thaller, "Fotos von Leuten, die in irgendeinem Zusammenhang zu diesen „Eigenheiten“ stehen, wurden eingearbeitet." Der Ursprung dieser Spitznamen in Erfahrung gebracht, Geschichten um Natur- und Kulturdenkmäler usw. und Sagen. So entstand eine humorvolle Mischung aus Heimatkunde und Seitenblicken.

Der erste Sieg

"Mit diesem Projekt habe ich den Ideenwettbewerb des Landes NÖ gewonnen. Trägt doch diese Arbeit dazu bei, dass die jungen und zugezogenen Leute auch die ortstypischen Bezeichnungen kennen lernen", erinnert sich die engagierte Frau, "den 1. Teil hab ich auf vielfachen Wunsch der Bevölkerung 2015 aktualisiert und erneut gezeigt: wieder großes Interesse aller Bevölkerungsschichten und Staunen über die Veränderungen im Ort in den letzten Jahren."

Der erste Film

Derzeit ist Anna Thaller damit beschäftigt, den 2. Teil zu überarbeiten und zu aktualisieren.
"Durch die Begeisterung des Publikums hatte ich die Idee, auch ländliche Arbeiten einst und heute (speziell Wein und Getreide) gegenüber zustellen. So entstand mein 1. Film mit dem Titel "Körndlbauern und Zegerltrager - Landwirt.schafft" im Jahr 2008 nach ca. 2,5 Jahren Arbeit."
Die DVD dauert 30 min.
Mit Hilfe der Bevölkerung und originalen Utensilien wurden Arbeiten für Wein und Getreide von einst nachgestellt und auch die heutige Arbeitsmethode gezeigt. In der Winzergenossenschaft und im Hagelflieger durfte die Crew ebenfalls Filmaufnahmen machen.
"Diesen Film durfte ich in zahlreichen Gemeinden, Vereinen, Schulen und Seniorenheimen präsentieren", freut sich Anna Thaller, "ein Bericht wurde im Herbst 2009 in "Schöner leben" (ORF) mit Barbara van Melle gebracht."

Teil der Landesausstellung

So erfolgreich, dass er Teil der Landesausstellung „Brot und Wein“ war.

Der Erfolg dieses Zeitdokumentes hat mir Mut gemacht, mich über das Thema "Kindheit" zu wagen. Auch diese Arbeit mit dem Titel „Roafen treiben und Kuchl ausreiben. Kindheit auf dem Land“ ist sehr erfolgreich geworden. Großeltern erzählen, wie sie ihre Kindheit in den 50-er und 60-er Jahren verbracht haben und mit den Kindern und originalen Utensilien wurden diese Erzählungen nachgestellt und gefilmt. Da erfährt man, wie ein Pfitschipfeil entstand, wie die Kinder in der selbst gebauten „Schwö“ schwimmen lernten, welche Arbeiten die Kinder verrichten mussten. Als besonderes „Zuckerl“ habe ich originale Schwarzweiß-Filme aus dieser Zeit aufgetrieben und einige Szenen eingebaut.
Mit diesem Werk habe ich offensichtlich „den Nerv getroffen“, denn zahlreiche Zuschauer sind den Tränen nahe über diese Erinnerungen, die Kinder und Jugendlichen sind zum Teil sprachlos, wenn sie sehen, dass man früher zu Hause sein musste, wenn man telefonieren wollte.

Frau LH Mikl-Leitner wird ihn den Schulen empfehlen. Dauer ca 33 min. Denn Schüler in höheren Schulstufen können daraus ein workshop erarbeiten und Schüler der unteren Klassen können im Rahmen von Projekttagen einmal versuchen einen Tag so wie Oma und Opa zu leben. Die DVD wurde schon des öfteren vorgeführt (in Stratzing und Langenlois fanden gar nicht alle Interessierten einen Platz im Saal) und wurde überall begeistert aufgenommen. 


Thaller: "Das Drehbuch schrieb in beiden Fällen meine liebe Freundin, Frau Dr. Prof. Helga-Maria Wolf (war beschäftigt beim ORF, zuständig für Volkskultur).Film- und Schnittarbeiten durch die Profifilmerin Mag. Andrea Müller."
Beide Projekte wurden von der Volkskultur NÖ gefördert.

Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft (Wilhelm von Humboldt).


Zur Sache:
Die Wahl zur erfolgreichsten Niederösterreicherin läuft noch bis 15. Oktober. Mitstimmen im Internet unter www.wir.niederoesterreicherinnen.at
0
Weitere Beiträge zu den Themen
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.