23.09.2016, 13:54 Uhr

Auszeichnung für Senftenberger „Mikrokosmos“

Experten zählen die Hangwiese zu den ökologisch wertvollsten Flächen der Region

SENFTENBERG. Im Rahmen der Kampagne „Natur verbindet“ wurden bundesweit Landwirte für ihre Bemühungen zum Wohle von Fauna und Flora von Naturschutzbund und Bundesministerium ausgezeichnet. Pro Bundesland wurde ein Preisträger gekürt, in Niederösterreich ging der Preis nach Senftenberg.

Der Natur auf der Spur

Seit drei Jahrzehnten fördern Lilly und Reinhard Kikinger aus Senftenberg/Bezirk Krems-Land den Artenreichtum an wärmeliebenden Pflanzen und Tiere auf ihrer Hangwiese, die den ehemaligen Acker in ein kleines Paradies verwandelt hat. Ein Landwirt mäht die Wiese jedes Jahr im Spätsommer mit einem Handbalkenmäher. Reinhard Kikinger erzählt: „Das Mähgut bleibt dann noch etwa eine Woche zum Trocknen und Aussamen liegen, bevor wir es händisch zusammenrechen und abtransportieren. Bei dieser Fläche ist das für zwei Personen eine Woche lang Arbeit!“ Das Mähgut wird mühevoll auf Matten den Hang hinuntergezogen, wo es gesammelt und mit einem Traktor auf einer großen Matte zu einem Grünschnittlager gebracht wird. „Dabei wird darauf geachtet, dass das Heu trocken ist und auf Zwischenlagern mit Astmaterial locker geschichtet wird, damit es gut verrottet. Der Aufwand ist also erheblich, das Resultat dieser Freiland-Fitnessübungen ist aber sehr befriedigend.“


Artenvielfalt macht es aus

Auf die Frage nach seiner Motivation für soviel Aufwand meint Kikinger: „Als Biologe ist mir der Wert der Artenvielfalt bewusst. Als Naturliebhaber genieße ich die Schönheit intakter Lebensräume und als Grundstücksbesitzer bin ich in der glücklichen Lage, die Wiese dementsprechend pflegen und bewirtschaften zu können. Die Wiese gibt uns die Gelegenheit zu phantastischen Streifzügen durch das Gräser-, Blumen- und Kräutermeer. Zur Zeit bekommen Kikingers keine Unterstützung für die Erhaltung der Wiese. Die Pflegemaßnahmen wurden aber jahrelang durch den Naturschutzbund NÖ über einen Pflegevertrag finanziell unterstützt.

Seltener Trockenrasen

Bei dem etwa 1,3 ha großen Trockenrasen handelt es sich um eine südseitig gelegene Hangwiese auf Lössboden. Beim Erwerb 1985 war der ehemalige Acker Löwenzahn vorherrschend; im Laufe der Jahrzehnte hat der Artenreichtum stark zugenommen, wobei die Wiese jedes Jahr anders aussieht. Heuer haben die Schwarze Königskerze, die sehr beliebt bei Bienen und Hummeln ist, Wilde Möhre, Odermennig und Dost das Bild geprägt. Die Tierwelt ist ebenfalls reichhaltig: Ob Neuntöter oder Goldammer, Waldvögelein oder Bibernelle, Äskulap- oder Schlingnatter, Ölkäfer oder Steirischer Fanghaft, Waldportier oder Silbergrüner Bläuling – die Liste der besonderen Arten ist beeindruckend. Besonders erwähnenswert ist der Ölkäfer, vom dem es nur sehr wenige aktuelle Funde in Österreich gibt, sowie der Steirische Fanghaft, den man auch nicht sehr oft zu Gesicht bekommt. Bemerkenswert ist auch das zahlreiche Auftreten des Warzenbeißers.
Lilly und Reinhard Kikinger, Senftenbergeramt 13, A-3541 Senftenberg
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