Zuständig von der Skipiste bis zum Industriekletterer

Alpindienst-Leiter Christoph Silberberger und Bezirkspolizeikommandant Walter Meingassner (re.).
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BEZIRK (nos). Seit Anfang Dezember 2017 hat die Polizei im Bezirk Kufstein einen neuen Leiter der Alpinpolizei. Der 36-jährige Wildschönauer Christoph Silberberger, vorher an der PI Kramsach im Einsatz, ist "somit für alles, was im Alpindienst anfällt der Letztverantwortliche", wie Bezirkspolizeikommandant Walter Meingassner erklärt.
Seit 2005 ist Silberberger Polizist, seit 2007 im Alpindienst. Der Polizeibergführer und saatlich geprüfte Skilehrer und Bergführer ist auch ausgebildeter "Flight-Operator" am Hubschrauber des Innenministeriums. Zuletzt war er Stellvertreter von Vorgänger Paul Gruber, nun steht ihm Andreas Steurer als Stellvertreter zur Seite.

Wie vielfältig und anspruchsvoll der Dienst am Berg ist, zeigt sich auch anhand der abgeschlossenen "Alpinstatistik" der Polizei, die jährlich im Zeitraum vom 1. November bis 31. Oktober des Folgejahres erhoben wird: 349 Alpinunfälle wurden in diesem Zeitraum im Bezirk Kufstein 2016/17 verzeichnet, 12 Tote waren zu beklagen, davon ein Todesfall auf der Skipiste. 101 mal kollidierten im organisierten Skiraum Wintersportler, elf mal flüchteten die Verursacher vom Unfallort. Dennoch sei die Disziplin durchaus gut, so Silberberger. "Pistenraudis" gäbe es im Bezirk keine. "Heute ist weitaus mehr Betrieb auf den Pisten, aber Alkohol auf der Piste ist eigentlich fast kein Thema bei uns", so der Alpinpolizist. Drei Lawinenabgänge ereigneten sich im Vergleichszeitraum abseits der präparierten Pisten.

"Wenn man auf der Piste einen Unfall hat, sollte man jedenfalls die Kontaktdaten austauschen, wie man es auch bei einem Parkschaden machen würde."

Christoph Silberberger, Leiter Alpindienst Bezirkspolizeikommando Kufstein.

Im Sommer bei Unfällen "eher vorn in Tirol"

Zu Wander- und Bergsteiger-Unfällen wurde 85 mal die Polizei hinzugezogen, 21 mal bei Mountainbike-Unfällen, wobei nur vier davon E-Biker betrafen. "Das Wegenetz im Bezirk ist sehr groß, aber alle Mountainbike-Unfälle geschahen während der Abfahrten", weiß Silberberger. Aufgrund des anspruchsvollen Geländes ist der Bezirk bei den Unfallzahlen in der Sommersaison "eher vorn dabei in Tirol". Für ihn überraschend: Im Statistikjahr gab es nur vier Kletterunfälle im Bezirk, besonders beim Zu- und Abstieg verletzen sich Bergsportler. "Manche Hallenkletterer glauben, ihr Können direkt in den Fels zu bringen", weiß der Bergführer. Mehr Sorgen bereiten aber die Wanderer: "Viele scheitern bereits an der Tourenplanung, denn Wanderweg ist nicht gleich Wanderweg. Den Routenplan und Wetterbericht muss man vorher kennen, Möglichkeiten zur Vorbereitung gibt es viele. Ein Erste-Hilfe-Päckchen und einen Biwak-Sack sollte man immer mithaben! Es gibt halt auch keinen Anspruch auf einen Hubschrauber."

Beinah doppelt so oft als Einheimische (99) betrafen die Amtshandlungen übrigens Deutsche – 194 Fälle zählt die Statistik. Je ein Betroffener kam aus Pakistan, Australien und Mexiko. Im Jänner und Februar 2017 wurden jeweils 76 Alpinunfälle verzeichnet, im November 2016 hingegen nur drei, davon einer in einer Kletterhalle. Denn auch hier ist die Alpinpolizei zuständig, erklärt Silberberger: "Wir sind bei allem, was alpines Gelände und Seiltechnik betrifft, zuständig, also etwa auch für Industriekletterer."

Im Bezirk Kufstein zählt die Polizei aktuell 16 Alpinpolizisten. Zehn sind voll ausgebildet – zwei auch Bergführer –, drei stehen in Ausbildung und drei sind extra für die Skipisten zuständig. Sie haben sich alle freiwillig für den Alpindienst entschieden. "Wenn man sich auch in der Freizeit mit dem Berg identifiziert, ist man bei uns richtig", weiß Silberberger.

Alpindienst-Leiter Christoph Silberberger und Bezirkspolizeikommandant Walter Meingassner (re.).
"Im Sommer sidn wir bei den Unfallzahlen aufgrund des anspruchsvollen Geländes eher vorne dabei in Tirol", weiß Christoph Silberberger, Leiter des Polizei-Alpindienstes im Bezirk Kufstein.

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