23.01.2012, 14:48 Uhr

Hilfe bei Suizidalfällen

Suizidraten lassen die Wogen hochgehen. „Wir leben in einem Luxus der Sorgen“, so Primar Haring.

In Österreich töten sich jährlich 1300 Menschen selbst. Suizide sind bei Männern unter 40 Jahren die zweithäufigste Todesursache. Die Anzahl der Suizide könnte aber geringer sein. Davon ist der ärztliche Leiter der Psychiatrie B des Landeskrankenhauses Hall, Primar Univ.Prof. Christian Haring, überzeugt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin für Land und Leute“ hielt Haring einen Vortrag zum Thema Suizid in Prutz. Weltweit passiert alle zwei Minuten ein Suizid. „Der Absturz eines vollbesetzten A320-11 alle 40 Tage entspricht der Anzahl der Suizidtoten im Jahr 2010“, verdeutlichte Haring in Flugzeugsprache. Zwei Drittel aller Suizide werden von Männern begangen. Zur Berufsgruppe mit den meisten Suiziden gehören Beschäftigte in den land- und forstwirtschaftlichen Berufen. Grund dafür sind wenig Perspektiven und Mehrfachbelastungen, glaubt der Psychiater.

Suizid ist kein Mord
Mit einem Ausbau der Suizidprävention in Österreich soll das Hilfe-Such-Verhalten von suizidalen Menschen verbessert werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine „Enttabuisierung“ des Themas, so Haring. Suizid wird nicht in großen Massen diskutiert, glaubt der Primar. „Suizid hat nichts mit Mord zu tun, sondern es geht um Menschen, die freiwillig aus dem Leben treten,“ ist sich der ärztliche Leiter des Haller Landeskrankenhauses sicher.

Hilfeschreie hören
Prof. Haring gab Tipps, was im Umfeld getan werden kann. „Fragen, überzeugen, vermitteln“: Nach dieser Formel sollte vorgegangen werden beim Verdacht einer Suizidgefährdung. Der Primar erklärt weiter: „Wir leben in einem Luxus der Sorgen“. Viele Menschen wollen nicht sterben, sie kommen mit ihrem Leben nicht zurecht, glaubt der Arzt. Menschen geben oft vor einer Selbsttötung direkte oder indirekte verbale Hinweise. „Dass angekündigte Suizide nicht passieren, ist ein fataler Irrglaube“, sagt Haring.

Dennoch glaubt Haring, dass es viele „Sicherungen“ in uns gibt, dass Suizide doch nicht eintreten. Mit den Kosten des Brennerbasistunnels, glaubt Haring, könnten 1000 Jahre Suizidprävention in Österreich betrieben werden.
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