inTalk mit Barbara Streiff im Schloss Sargans CH
Zeitgeist2020, Mythen und Alpensagen

Mythen&Alpensagen Barbara Streiff Werke
Schloss Sargans CH
5Bilder
  • Mythen&Alpensagen Barbara Streiff Werke
    Schloss Sargans CH
  • Foto: Tatjana Christelbauer
  • hochgeladen von Tatjana Christelbauer

Alpenlandschaft im Zeitgeist2020
Frauen, Mythen, Kulturlandschaften

In Sargans, eine historische Stadt im Schweizer Kanton St.Gallen. bin ich oft zu Gast.
Das Städtchen, das am Schnittpunkt des Alpenrheintals liegt, umgibt eine malerische Landschaft. Die wichtigste Sarganser Sehenswürdigkeit ist das Schloss Sargans, das ich gerne bei meinen Spaziergängen besuche.
So entdeckte ich im Hof des Schlosses die künstlerische Installation aus skulpturalen Werken über "Mythen & Alpensagen" aus der Südostschweiz von Barbara Streiff
Auf der Spurensuche nach den Ursprüngen der alpenländischen Erzählungen in den Sagen und deren Bedeutung in der Gegenwart, zeigt die Glarner Künstlerin mit ihrer Installation, ihre Erkenntnisse. 
Hierzu verwendeten Stahl, eingebrannt die Urzeichen der Natur, formte sie zu Bildgestaltungen, welche die eigentümlichen Erzählungen beinhalten. Die Werke stehen im Dialog mit der Geschichte, dem alltäglichen Geschehen und den Besuchenden des Ortes.

Mein Interesse für Alpenmythen habe ich auch im Austausch mit eine Künstlerinnengruppe aus Wien, Österreich bei einem Projekt verwirklicht. Die Saligen Frauen „Zalike2020“ aus Alpen wurden dabei thematisiert. 
Interessante thematische Brücke zu Saligen Frauen aus Österreich und Slowenien- stammenden Alpenmythen, fand ich bei den Werken von Babara Streiff und habe daraufhin die Künstlerin betreffend eines Austauschgesprächs kontaktiert. Mit freundlicher Rückmeldung und Interesse auf unsere Begegnung, wurde ein Gesprächstermin beim Schloss Sargans vereinbart.
 
Es regnete. Die Baumwurzeln lagen überall am Weg, zwischen dem frischen Moos und Efeu.
Über dem Berg Gonzen bewegten sich die Wolken im Wind, ein Schleier aus Nebel umgab die hügelige Landschaft beim Schloss. Eine träumerische Naturkulisse umramte die Begegnung.
Näheres über ihrem persönlichen Zugang zur Thematik der Mythen und Alpensagen, deren Bedeutung in der Gegenwart und in ihren Werken enthaltenen Symbolen, erzählt die Künstlerin in unserem Gespräch, beim Tee&Kaffe im warmen Schloss-Restaurant im Schloss Sargans.
In gemütlicher Atmosphäre, beim Knistern des Kaminfeuers, näherten wir uns der Thematik und unseren Welten des künstlerischen Schaffens, der Mythen und Menschen. Auf Dis-Tanz sitzend, wie es aktuell auf Grund der Sicherheitsbestimmungen betreffend der Corona-Pandemie erforderlich ist, doch ganz nah beim Erzählen und der Zeitreise, die hierzu auch standörtlich gegeben ist, mit der 900 jährigen Geschichte des Schlosses Sargans CH.

Barbara,
wie bist du den Alpenmythen begegnet, bzw. welchen persönlichen Zugang
hast du zu dieser Gattung?

Ich verbrachte meine Kindheit im Tal der Linth, einem Alpental der Schweiz. Oft verweilte ich in der Natur. Den wilden Bergbächen lauschend, in die steilen Felsen und den Himmel schauend, den Wachstum der Flora beobachtend und der Fauna annähernd, erlebte ich den Mythos und die Urgeschichten, die der archaischen Landschaft entspringen. Die Sagen vernahm ich in ursprünglicher mündlicher Art und Weise von den alten Leuten, die das Kulturgut der Bevölkerung pflegten und weitergaben. Dies meist, wie ich am Ort des Geschehens verweilte. Um das neue Wissen zu verarbeiten, vertiefen und der Umwelt mitzuteilen, gestaltete ich die eigentümlichen Erzählungen bereits in jungen Jahren, in Bildern.

Welche Alpenmythen und Sagen wurden in deinen ausgestellten Werken im Schloss Sargans thematisiert?

Ich sammle ursprüngliche Sagen in mündlicher und schriftlicher Überlieferung. Dies um danach die eigentümlichen, dem Glauben und der Erkenntnis des Volkes entsprechenden, zu verwenden. Die Urgestalten wie Drachen, Kröten, Zwerge und Riesen verbinden die Sagen der Alpenwelt. Der Umgang der Bevölkerung mit den Naturgewalten und unerklärlichen Ereignissen werden oft in der archaischen Symbolik mit den Fabelwesen dargestellt. Anderseits zeigen Sagen den Glauben und die ethisch moralische Grundhaltung der Bevölkerung auf. Von keltischen Ritualen, traditionellen Bräuchen über Hexen bis zur Christianisierung. Oft kann die Geschichte und deren epochale Bedeutung herausgelesen werden. Da ich seit geraumer Zeit die Sagenwelt der Südostschweiz bildlich darstelle, verband ich die aus dem Glarnerland mit denen rund um das Schloss Sargans und Graubünden in der Ausstellung in Sargans, genannt das Doppeltor zu den Alpen.

Für die Kreation von deinen Werken zu Alpenmythen verwendest du Stahl. Welche Verbindung hat dieser Werkstoff mit deinen Erzählungen?


Die Idee ist die Kunst und das Medium dient der Darstellung. Ich arbeite mit verschiedenen Medien. New Media wie Video Art, Performance und Installationen entsprechen meinem aktuellen Schaffen in der Kunst. Die Werke in Stahl verwende ich meist für interaktive Installationen.
Ich verwende dieses Material für bildliche Gestaltungen, da ich einerseits einer 270- jährigen Familientradition, in der 7 Generation einer Schmiedefamilie entstamme. Daher ist wohl der Mythos Alpenwelt, die ursprünglichen Erzählungen sowie das Arbeiten mit Metall in meinem Geist und Seele.
Anderseits wird das Metall in der asiatischen Kultur als 5tes Element benannt. Da die archaische Symbolik, die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde beinhalten, wählte ich erst intuitiv und später bewusst das Metall. Ich brenne mit Feuer die völkerverbindenden Symbole in Kupfer oder Stahl und lasse diese verschmelzen.

Welche Zeichensymbole wurden auf deinen Werken eingebrannt? Wie verläuft dieser Entstehungsprozess?


Die skulpturalen Werke entstehen in einem alchemistischen Prozess. Dieser beginnt mit der Idee, über die Skizze bis zum Einbrennen der Urzeichen mit Feuer in das Metall. Ich habe eine Zeichenschrift entwickelt, Urzeichen gefunden in der Natur, welche die völkerverbindenden Symbole beinhaltet.
Die archaischen Symbole sind wie eine Schrift, mit denen ich die Geschichten malend schreibe. Mein erstes Werk in Metall 1998, war eine spiralförmige Laterne, inspiriert von der Sage des heiligen Fridolins, der das Christentum in‘s Alpental brachte. Seitdem sind viele Gestaltungen zu den Sagen der Alpenwelt entstanden.
Ich werde anderseits, anhand der Thematik der völkerververbinden Symbole weltweit zu Ausstellungen eingeladen und stehe in meinem Schaffen ebenso im Dialog mit der universellen Mythologie, wobei ich nach verbindenden Elementen mit den Alpensagen suche.
Die völkerverbindenden Zeichen rufen zu Achtung und Respekt vor den unterschiedlichsten Kulturen auf.

Meine persönliche Verbindung zu deinen Werken Barbara, fand ich durch die thematische Ortung in die Alpenmythologie: „Salige Frauen“. Diese, Saligen wurden als scheue, aber hilfsbereite und weise Frauen, die unerwarteten Besuchern mit Rat und Tat geholfen haben, in den Alpenmythen aus Österreich und Slowenien beschrieben.

Wenn wir in die Gegenwart hineindenken und uns in die Rolle von Saligen Frauen hineinversetzen, was würdest du als Salige Frau, deinen AusstellungsbesucherInnen raten?

Im Wandel der Zeit neue Wege zu finden, ist angesagt. Die Natur gibt die Kraft, heilt den Körper und Geist um zu bestehen. Ich nehme das Geschehen an und suche eine Antwort in der Weisheit des Volkes mit den Urgewalten und unerklärlichen Ereignissen umzugehen.

Ich finde das Projekt von Tatjana Christelbauer, den Dialog zu fördern, sich in Offenheit und Verständlichkeit zu begegnen, sinnvoll. Dies, um sich auszutauschen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

Vielen Dank Barbara!
Der Zeitgeist ist gegenwärtig mit der Corona-Krise gekennzeichnet. Menschen Weltweit sind dabei betroffen. Soziale Beziehungen sind unter Beschränkung möglich: auf Dis-Tanz.
Die Kunst ermöglicht uns dennoch die Begegnungen, über kulturellen, geographischen und anderen Grenzen hinaus, zusammenzukommen, Verbindungen zu finden. Uns ist es gelungen, beim Schloss Sargans, eine gemeinsame Zeitreise zu unternehmen.

Ich freue mich, wenn es uns gelingt, auch gemeinsam mit meinem Team aus Wien, die Alpenmythen, insbesondere über Saligen Frauen, weiter gemeinsam zu forschen.
Bis dahin, Servus und Grüezi!

Tatjana Christelbauer

*inTalk Session- Austauschgesprächsformat von Tatjana Christelbauer

Kontakt: t.christelbauer@gmail.com
https://www.acdvienna.org/acd-presidents-words/acd-president-intalk-with/

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