Kriminalroman
Wiener Autor führt in die Abgründe des Stuwerviertels der Nachkriegszeit
- Der in Wien geborene Autor Michael Ritter beleuchtet in seinem vierten Roman der Reihe den Umbruch Wiens nach dem Ersten Weltkrieg.
- Foto: zVg
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Mit „Wiener Begierde“ setzt Michael Ritter seine historische Krimireihe rund um Dr. Otto W. Fried und dessen Weggefährten Novak fort. Der vierte Band führt die beiden ins Stuwerviertel des Jahres 1919. Ein Viertel zwischen dem Glanz der Monarchie und den sozialen Abgründen der Nachkriegszeit.
WIEN/LEOPOLDSTADT. Wir schreiben das Jahr 1919: Der Erste Weltkrieg ist vorüber, die Monarchie zerfallen und die junge Republik noch längst nicht gefestigt. In der von Unsicherheit und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägten Stadt spielt „Wiener Begierde“ – der neue historische Kriminalroman des Autors Michael Ritter.
Es ist bereits der vierte Band seiner Reihe rund um den ehemaligen Kriminaloberinspektor Dr. Otto W. Fried und dessen Freund Novak. Nach ihrem Abschied von der Polizei haben die beiden eine eigene Detektei gegründet.
Ihr erster Auftrag führt sie direkt in die Abgründe der Nachkriegszeit. Ein ehemaliger Offizier bittet die Ermittler, nach einer verschwundenen Prostituierten zu suchen. Wenig später wird er tot im Stuwerviertel in der Leopoldstadt aufgefunden.
Zwischen Spannung und Zeitgeschichte
Dass Ritter später einmal historische Kriminalromane schreiben würde, war lange nicht absehbar. Zunächst widmete sich der 1967 in Wien geborene Verleger der Literaturwissenschaft. Erst Jahre später entdeckte er das kreative Schreiben wieder für sich. Am historischen Kriminalroman reizt Ritter die Verbindung aus einem Spannungsbogen und Zeitgeschichte.
- Der 1967 in Wien geborene Autor arbeitet bereits an seinem nächsten Buch. Die Handlung wird sich rund um den Wiener Zentralfriedhof abspielen.
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"Wesentlich ist für mich aber, die Welt von damals möglichst stimmungsnah zu schildern", betont Ritter. Der Kriminalfall verlangt natürlich einen schlüssigen Handlungsbogen und eine überzeugende Auflösung. Im Mittelpunkt stehe für ihn aber auch die Welt, in der seine Figuren leben.
Spuren der Vergangenheit
Für „Wiener Begierde“ rückte Ritter das Leopoldstädter Stuwerviertel in den Fokus. Die Nähe zum Prater und die historische Bedeutung des Viertels boten den perfekten Schauplatz für den aktuellen Fall des Detektivduos.
- Auch heute findet man in der Leopoldstadt Spuren aus der Vergangenheit.
- Foto: Stadt Wien/ Christian Fürthner
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Schaut man genau hin, ist die Atmosphäre des damaligen Stuwerviertels auch heute noch spürbar. Ritter nennt die Venediger Au, die Ausstellungsstraße und die Übergänge zum Prater. "Wenn man sich darauf einlässt, kann man sich durchaus in eine frühere Zeit hineingezogen fühlen", sagt Ritter.
Ein Ende ist nicht in Sicht
Seine wichtigsten Quellen findet Ritter in historischen Aufzeichnungen. „Ich muss überhaupt sagen, dass es keinen größeren Schatz für die Recherche zur Alltagsgeschichte gibt als die zeitgenössischen Zeitschriften und Zeitungen“, erklärt er. Wien ist für Ritter nicht bloß Kulisse, sondern ein wesentlicher Teil seiner Geschichten.
Auch der Protagonist als ehemaliger Beamter des kaiserlichen und königlichen Apparates ist eine bewusst österreichische Figur. Die Freundschaft zu seinem Weggefährten trägt zusätzlich zum besonderen Ton der Reihe bei. „In meinen historischen Krimis geht es – wenngleich weniger auf der sprachlichen Ebene – schon sehr wienerisch zu“, sagt Ritter.
Ein Ende ihrer gemeinsamen Ermittlungen ist nicht in Sicht: Der nächste Fall führt das Detektivduo auf den Wiener Zentralfriedhof. Das Buch "Wiener Begierde" ist online unter gmeiner-verlag.de und um 14,50 Euro erhältlich.
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