Suchtklinik in Liesing
Anton-Proksch-Institut geht an "Heuschrecke"

Erst im September dieses Jahres wurde der Neubau des Anton-Proksch-Instituts eröffnet. Jetzt ist die langfristige Zukunft der Suchtklinik ungewiss. | Foto: Florian Albert
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  • Erst im September dieses Jahres wurde der Neubau des Anton-Proksch-Instituts eröffnet. Jetzt ist die langfristige Zukunft der Suchtklinik ungewiss.
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Die letzte Chance für das Anton-Proksch-Institut, doch nicht an das französische Unternehmen PAI Partners überzugehen, ist heute wohl verstrichen. Die Stiftung, in der auch die Stadt Wien vertreten ist, wird die Mehrheit an der Einrichtung nicht übernehmen. Jetzt gibt es nur noch eine mögliche Hürde: Der Kauf muss noch von der Landesregierung abgesegnet werden. 

WIEN/LIESING. Der Deal ist offenbar nicht mehr abwendbar: Das Anton-Proksch-Institut, die renommierte Suchtklinik in Liesing, wird nicht von der öffentlichen Hand übernommen und bleibt somit beim Gesundheitseinrichtungs-Unternehmen Vamed. Da diese aber wiederum den überwiegenden Großteil ihrer Rehabilitationskliniken an das französische Unternehmen PAI Partners verkauft, wird wohl auch die Suchtklinik dieses Schicksal ereilen und an den umstrittenen Käufer übergehen.

Bis Dienstag, 26. November, hatten die Gegner des Verkaufs noch ein Fünkchen Hoffnung. Denn die Stiftung Anton-Proksch-Institut Wien, in der auch die Stadt Wien, der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer vertreten sind, besaß ein sogenanntes Aufgriffsrecht. Das heißt, die Stiftung hätte den Verkauf verhindern und selbst die Mehrheit am Anton-Proksch-Institut übernehmen können. Laut einem "Standard"-Bericht war die finale Stiftungssitzung dazu am 25. November – wenige Tage, bevor die Frist zum Aufgriffsrecht endete. Einen Tag später gab die Stiftung bekannt, dieses Recht nun nicht wahrzunehmen.

Finanzielle Sicherheit als Priorität

"Die Stiftung Anton-Proksch-Institut Wien wird ihre seit 2013 bestehende Partnerschaft mit der HFO/VAMED care unter veränderter Eigentümer*innenstruktur fortsetzen", heißt es in der Mitteilung. Damit bleibe "die Fortsetzung der langen Tradition in klinischer Forschung, Prävention und der umfassenden Behandlung suchterkrankter Menschen bestehen." Die Entscheidung sei nach "eingehender juristischer Prüfung unter Einbeziehung von externen Rechts- und Wirtschaftsberater*innen" getroffen worden, so die Stiftung weiter.

Die Vamed AG verkauft die Mehrheit ihrer Reha-Kliniken in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Tschechischen Republik.  | Foto:  Jeff Mangione / KURIER / picturedesk.com
  • Die Vamed AG verkauft die Mehrheit ihrer Reha-Kliniken in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Tschechischen Republik.
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Für die Stiftung habe laut eigenen Angaben neben der professionellen Behandlung der Patientinnen und Patienten auch die langfristige finanzielle Sicherheit höchste Priorität. Im Anton-Proksch-Institut würde "weiterhin fachspezifisch geschultes Personal" zum Einsatz kommen. Die Einrichtung werde seine Arbeit fortsetzen. Der Forderung nach einem Bekenntnis zu "Gemeinnützigkeit, fairen und sicheren Arbeitsbedingungen, Forschung und der weiterhin erstklassigen Versorgung der Suchtkranken" sei man schriftlich nachgekommen. Ebenso soll weiterhin das Betreuungsangebot ausgebaut werden. 

Umstrittener Deal 

Der Deal der Vamed mit PAI Partners ist umstritten. Letzteres ist eine sogenannte Private-Equity-Gesellschaft. Diese stehen oft in der Kritik, in eine übernommene Institution nicht langfristig zu investieren, sondern diese so zu führen, dass diese nach einer gewissen Zeitspanne wieder gewinnbringend verkauft werden könne. Unternehmen dieser Art haben den Spitznamen "Heuschrecke" erhalten.

Bei der Eröffnung des Neubaus war auch Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ,l.) zugegen. | Foto: Marlene Fröhlich
  • Bei der Eröffnung des Neubaus war auch Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ,l.) zugegen.
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Kritik an der Zurückhaltung der Stadt Wien ließ deshalb auch nicht lange auf sich warten. "Es ist hochgradig unverantwortlich, dass die Wiener SPÖ den Kopf in den Sand steckt, wenn mit dem Anton-Proksch-Institut ein so wichtiger Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsversorgung am Spiel steht", so Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen Wien. Die Stadt Wien hätte es rechtlich und finanziell in der Hand gehabt, die Anteile zu übernehmen. Diese hätte sich in der gestrigen Stiftungssitzung erneut nicht dazu durchringen können, die zum Verkauf stehenden Anteile am API "zu guten Konditionen" aufzugreifen.

„Rote Genossinnen und Genossen reden in ihren Festreden gerne über Werte wie Solidarität und Gemeinwohl, umso verwerflicher ist es dann, wenn sie im eigenen Handlungsbereich nichts gegen Privatisierungen von öffentlichen Gesundheitseinrichtungen unternehmen“, so Pühringer. "Der Wiener Bürgermeister hätte es in der Hand gehabt."

Finanzielle Risiken nach Millionen-Investition

Von den Grünen sei weiterhin Widerstand zu erwarten. Der Verkauf einer Wiener Gesundheitseinrichtung bedürfe rechtlich der Bewilligung durch die Landesregierung. „Für den Ausverkauf von Gesundheitseinrichtungen an private Spekulanten wird es niemals eine Grüne Stimme geben“, kündigt Pühringer an, die Mitglied des Landesregierungskollegiums ist.

Rund 46 Millionen Euro wurden in den Neubau der Einrichtung investiert. | Foto: Florian Albert
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Ob die Stiftung Anton-Proksch-Institut Wien die Übernahme der Mehrheit am Institut jedoch finanziell hätte stemmen können, gilt nicht als gesichert. Laut "Standard"-Bericht seien auch unwägbare Risiken der Grund für den Beschluss gewesen. Die Stiftung hätte demnach mit der Übernahme pleitegehen können.

In die Suchtklinik in der Gräfin-Zichy-Straße 6 wurde in den vergangenen Jahren auch einiges investiert: Gerade im September wurde nach fünf Jahren Bauzeit der Neubau der Einrichtung offiziell eröffnet. Kostenpunkt: rund 46 Millionen Euro.

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