30.12.2017, 09:52 Uhr

Das etwas andere Fest

Walter Kreische gemeinsam mit Mitarbeitern der Vizenzstube und deren Leiterin Schwester Tarcisia.
Weniger um Geschenke, als ums Zusammensein geht es zu Weihnachten in der Vizenzstube.

BEZIRK/LINZ (red). Wenn am 24. Dezember wieder allerorts die Kinderaugen leuchten und Geschenke ausgepackt werden, wird auch in der Herrenstraße 39 in Linz gefeiert, jedoch ein wenig anders. In der Vizenzstube kommen die Ärmsten der Gesellschaft, jene ohne einem Dach über den Kopf, zusammen, um gemeinsam ein paar besinnliche Stunden zu verbringen, zusammen zu essen und inne zu halten. "Wir treffen uns in der Vizenzstube, gehen dann gemeinsam zum Gottesdienst in der hauseigenen Pfarre und zum Abschluß gibt es auch ein kleines Geschenk", erklärt Schwester Tarcisia Valtingoier, Leiterin der Vinzenzstube, vom Orden der Barmherzigen Schwestern.

Besondere Stimmung

"Meine Lebensgefährtin und ich waren auch im Vorjahr schon mit dabei. Es herrscht hier eine ganz besondere Stimmung, die einen auch selbst zur Ruhe kommen lässt", erzählt Walter Kreische von der Obdachlosenhilfsaktion. Er und seine Organisation beliefern die Vizenzstube mit allerlei Artikel des täglichen Lebens, die er in seiner Spendensammelstelle in Hörsching lagert. "Wir kommen etwa zweimal im Monat in die Vizenzstube, um gespendete Artikel abzuliefern. Zudem stehen wir in sehr engem Kontakt mit Schwester Tarcisia, damit wir genau wissen, an was es momentan fehlt", erklärt Kreische. In den kalten Wintermonaten sind diese Fahrten besonders gefragt, denn da wird die Einrichtung, welche kommendes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, besonders in Anspruch genommen. "Jetzt, wo es draussen kalt ist, haben wir täglich zwischen 120 bis 150 Personen bei uns", erklärt Schwester Tarcisia, die seit fünf Jahren die Vizenzstube leitet. Obdachlose Menschen können sich hier täglich von 13 bis 17 Uhr aufhalten, sich aufwärmen, sich austauschen oder im Ruheraum ein wenig ausruhen. Weiters bietet die Vizenzstube einmal wöchentlich eine ärztliche Versorgung und es wird die Wäsche gewaschen. "Pro Jahr waschen wir rund 3.000 Ladungen", erklärt Schwester Tarcisia. Und natürlich bekommen Bedürftige zu essen und zu trinken.


Eine große Hilfe

Gemeinsam mit ihren vier Mitarbeitern hat Schwester Tarcisia jeden Tag ein Auge darauf, dass genügend Mahlzeiten für die Besucher da sind. "Wir beziehen einen Teil des Essens direkt vom Krankenhaus. Das ist mal mehr, mal weniger, je nachdem wie viel übrig geblieben ist. Zusätzlich gehen wir noch einkaufen, auch wenn das Budget nicht allzu groß ist. Deshalb sind wir auch sehr dankbar, dass uns Walter und seine Organisation unterstützen. Er ist eine große Hilfe", so die Leiterin.
Für Kreische ist es eine Selbstverständlichkeit, weiß er doch genau, wie es sich anfühlt, auf der Straße leben zu müssen und wie schnell es gehen kann, in so eine Situation zu schlittern. "Es braucht nur einen Schicksalsschlag, um aus der Bahn zu geraten. Wenn man dann in dieser Abwärtsspirale drinnen ist, ist es schwer, wieder rauszukommen. Viele schaffen es leider nicht", betont Kreische. So vielfältig die Gründe für den Absturz, so unterschiedlich ist auch das Klientel der Vizenzstube. "Wir haben Jugendliche, die meist mit Drogenproblemen zu kämpfen haben, genauso wie alte alleinstehende Männer, aber auch ehemalige Spitzenverdiener, die auf der Straße gelandet sind. Über die Jahre haben wir viele traurige Schicksale erlebt", so Schwester Tarcisia.
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