Menschen im Gespräch
Hein: "Ab und zu wird es auch mir zu bunt"
- Markus Hein ist seit 7. März Vizebürgermeister der Stadt Linz.
- Foto: BRS/Diabl
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Wir haben mit dem Linzer Vizebürgermeister Markus Hein (FPÖ) über Kärnten, Linux, Pendler und die Identitären gesprochen.
LINZ. Vor einem Monat folgte der Linzer FPÖ-Chef Markus Hein Detlef Wimmer auch als Vizebürgermeister nach.
Was hat sich für Sie seit dem Wechsel verändert?
Markus Hein: Nicht wirklich viel. Die Verantwortung ist größer geworden, ich bin jetzt für die Partei verantwortlich. Für mich war es keine Frage, das Ressort zu wechseln. Mir macht Stadtplanung und Verkehr – so unangenehm er manchmal sein kann – Spaß, weil man sieht, was weitergeht.
Ihr Vorgänger war für seine Russland-Affinität bekannt.
Ich bin nicht derjenige, der in der Weltgeschichte herumreist. Als Lokalpolitiker habe ich meine Arbeit in der Stadt Linz zu machen. Aber ich habe mit Russland keine Probleme.
Vor Ihrer Heirat hießen Sie Noveska, woher kommt Ihre Familie?
Aus Kärnten.
Kärntner Slowenen?
Das hat keine Rolle gespielt. Ich selber kann kein Slowenisch, meine Familie auch nicht.
Warum haben Sie sich für den Studienort Linz entschieden?
Ich habe mich in Linz von Anfang an wohlgefühlt, es ist überschaubar, bietet für jeden was. Ich wohne in Urfahr und bin in zwei Minuten im Grünen. Ich habe hier meine Frau kennengelernt. Deshalb hat sich nie die Frage gestellt, nach Kärnten zurückzugehen.
Die Kärntner legen ja großen Wert auf ihre Identität. Sind Sie jetzt Oberösterreicher?
Ich bin Linzer und auch Oberösterreicher. Ich glaube, ich bin ein gelungenes Beispiel für Integration und fühle mich in Linz wirklich zu Hause.
Eines Ihrer Hobbys ist Linux. Was fasziniert Sie an diesem offenen Betriebssystem?
Ich war ja zehn Jahre selbstständig und wir haben Linux-Sever betrieben. Es ist ein tolles Betriebssystem. Ich finde, dass Linux in der Stadt mehr Beachtung finden sollte, weil ich wirklich ein Open Source-Anhänger bin.
Warum sind Sie dann in die Berufspolitik gewechselt?
So eine Chance bekommt man nicht zweimal. Man braucht gewissen Mut. Ich bin ja nicht karenziert. Ich habe die Entscheidung aber nie bereut. Wenn man jetzt durch die Stadt geht, sieht man alles mit anderen Augen, wenn man für Städtebau und Verkehr zuständig ist.
Was zum Beispiel?
Im Großraum Linz ist viel verschlafen worden. Linz war die einzige Landeshauptstadt ohne S-Bahn-System. Auch die S10 ist ein Paradebeispiel für die verkehrte Verkehrspolitik des Landes. Jeder Verkehrsreferent hat darauf geschaut, wie man schnell nach Linz kommt, sich aber nie Gedanken gemacht, wie das in Linz weitergeht. Deswegen haben wir dieses Verkehrsproblem in der Stadt.
Sie wollen gegen Radwege-Blockierer vorgehen – für viele ist das ein Kavaliersdelikt.
Das ist bei allen Verkehrsteilnehmern so. Das subjektive Gefühl geht immer in die Richtung: Das Verkehrsmittel, das ich gerade benütze, da habe ich recht. Es bräuchte im Verkehr ein bisschen mehr Miteinander und nicht Gegeneinander.
Muss man den Autos nicht viel mehr Platz wegnehmen?
Wenn die Westringbrücke fertig ist, werden wir auf der Nibelungenbrücke Kapazitäten für Autos wegnehmen, den autofreien Hauptplatz und verkehrsberuhigte Zonen umsetzen. Viele Radabstellanlagen kommen zulasten von Parkplätzen. Bei Sanierungen und neuen Straßen bauen wir so viel wie möglich grün. Bäume sind gut gegen Emissionen und Überhitzung. Ich bin überzeugt, dass wir langfristig eine grünere Stadt werden.
Ist das alles radikal genug?
Die radikalen Schritte sind schwierig, weil wir mehr Arbeitsplätze als Einwohner haben. Der Wegfall der Parkplätze am Urfahraner Jahrmarktgelände war nicht unmutig. Das war ein heißer Sommer. Die Pendlerallianz hat das aus Wahlkampfgründen sehr aggressiv ausgeschlachtet, aber wir sind hart geblieben. Heute jubeln die Postbusse über einen Fahrgastzuwachs.
Wie ist eigentlich die Rolle der FPÖ in der Aktenaffäre?
Aufklären kann die Korruptionsstaatsanwaltschaft, objektiv und ohne parteipolitisches Geplänkel. Die sogenannte Aufklärer-Allianz beschmutzt den Ruf der Politik. Das ist diese Abwatscherei, die zum Teil sehr unsachlich geführt wird.
Und auch der FPÖ nicht ganz fremd ist.
Natürlich, da nehme ich gar keinen aus. Ich bemühe mich wirklich, sachlich zu bleiben. Meistens reagiere ich. Aktiv irgendwen anzugehen, habe ich in den letzten Jahren eigentlich nicht gemacht. Ab und zu wird es aber auch zu bunt, da muss ich halt zurückschießen.
Welche Berührungspunkte gibt es mit den Identitären?
Gar keine. Ich kenne keinen Identitären persönlich, zumindest nicht, dass ich wüsste. Es laufen Klagen gegen einige Medien, weil es in der Villa Hagen kein Mietverhältnis mit denen gegeben hat.
Aber die betreiben dort das Khevenhüller-Zentrum.
Ich habe den Namen vorher noch nie gehört. Das Haus wird als Hort des Rechtsextremismus dargestellt. Das ist eine ganz miese Vorgehensweise, weil es ans Existenzielle von Menschen geht, bis auf Mitarbeiterebene. Deswegen werden wir sehr scharf vorgehen. Redakteure werden weinen, weil sie persönlich geklagt werden.
Die von Bürgermeister Klaus Luger geforderte Distanzierung wird es nicht geben?
Ich distanziere mich von Sachen, wo es ein Naheverhältnis gab und ich nach einer Neubewertung draufkomme, dass das falsch war. Dieses Naheverhältnis hat es aber nie gegeben.
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