02.02.2012, 00:00 Uhr

Kälte bedroht die Ärmsten.

(Foto: Fotolia/Michel)

Luger: „Kapazitätsgrenze bei Unterkünften für Obdachlose erreicht“

Für Linz erwarten die Meterologen in den nächsten Tage rekordverdächtige Minusgrade. Besonders betroffen sind die Obdachlosen der Stadt.
LINZ (ah). Ein eisiger Wind durchstreift die Parkanlagen der Stadt. Spaziergänger sieht man kaum. Auch eine andere Gruppe, die man sonst häufig in den Parks sieht, fehlt: Menschen ohne festen Wohnsitz. Kein Wunder, denn wer möchte sich bei minus 20 Grad schon gerne im Freien aufhalten. Bedürftige finden in Linz verschiedenste Einrichtungen, in denen sie sich aufwärmen oder kalte Nächte überstehen können. Michaela Haunold, Leiterin der Caritas Wärmestube: „Normal betreuen wir etwa 100 Menschen täglich. Sinken die Temperaturen in den nächsten Tagen, werden die Zahlen sicher um die Hälfte steigen.“ Schlafen können die Obdachlosen in der Wärmestube nicht. Dort gibt es „nur“ warmes Essen und die Gelegenheit, sich zu duschen. Die Ärmsten der Gesellschaft finden etwa in der Notschlafstelle des Sozialverein B 37 eine geeignete Schlafmöglichkeit. Doch dort wird der Platz schon langsam eng. Vizebürgermeister und Sozialstadtrat Klaus Luger: „In Linz haben wir nur noch wenig Platz, unsere Kapazitätsgrenze bei Obdachlosenunterkünften ist erreicht.“ Dafür ist nicht nur das kalte Wetter verantwortlich, sondern auch die Tatsache, dass viele Obdachlose aus den Umlandgemeinden nach Linz kommen. „In der Anonymität der Großstadt fallen Armut und Obdachlosigkeit nicht so auf“, erklärt Luger. Ein anderes Phänomen scheint man seitens der Stadt, trotz Einsatz von Sozialarbeitern und Streetworkern, nicht in den Griff zu bekommen. Luger: „Wir schätzen, dass 20 bis 30 Menschen in Linz permanent im Freien oder in Abbruchhäusern schlafen.“ Diese Obdachlosen halten es, etwa aus psychischen Gründen, nicht aus, in einer Notschlafstellen zu nächtigen. „Diesen Menschen stellen wir etwa Schlafsäcke zur Verfügung“, erklärt Luger. Der Idee, öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen, kann Luger wenig abgewinnen. „Viele Räumlichkeiten, etwa das Bahnhofsgebäude, befinden sich in Privatbesitz.“ Dass sich viele Obdachlose gerade im Winter dort aufhalten versteht der Vizebürgermeister, gibt aber zu bedenken: „Wenn sich Menschen nur aufwärmen, spricht nichts dagegen. Doch dabei bleibt es leider nicht immer.“
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