13.02.2018, 11:36 Uhr

Kriminalfall um verschollenes Klimt-Gemälde geklärt

Das Klimt-Bild "Zwei Liegende" wurde überraschend wieder aufgefunden. Demnächst ist es im Lentos zu sehen. (Foto: Reinhard Haider)

Alle Nachforschungen der Stadt Linz zu vier verschwundenen Bildern blieben erfolglos. Nun ist eines davon wieder aufgetaucht.

Mehr als 8 Millionen Euro Schadenersatz musste die Stadt Linz zahlen, weil drei Schiele- und ein Klimt-Bild nicht mehr aufzufinden waren. Die Kunstwerke stammten aus einer Leihgabe der Linzer Künstlerin Olga Jäger im Jahr 1951. Alle Nachforschungen der Stadt – auch eine öffentliche Auslobung von 5.000 Euro für Hinweise – blieben erfolglos.

Sekretärin versteckte Bild

Nun ist zumindest eines der Bilder überraschend wieder aufgetaucht. Es handelt sich um die Zeichnung „Zwei Liegende“ von Gustav Klimt. Eine 1977 pensionierte und 2017 verstorbene Sekretärin der Neuen Galerie der Stadt Linz hatte das Bild widerrechtlich an sich genommen. Als die Frau von den Nachforschungen der Stadt erfuhr, versteckte sie das Bild in einem Schrank und verfügte, das Bild nach ihrem Tod der Stadt zurückzugeben. In ihrem Testament gab die Verstorbene an, sie habe seinerzeit bemerkt, dass Leihgaben in der Neuen Galerie nicht entsprechend dokumentiert waren, und Walter Kasten, den damaligen Leiter, darauf angesprochen. Kasten verlangte von ihr, zu schweigen und niemanden zu informieren. Dafür „schenkte“ er ihr das Klimt-Bild „Zwei Liegende“.

Spannender Kriminalfall

Walter Kasten war 1951 Kustos der von Wolfgang Gurlitt gegründeten und geleiteten „Neuen Galerie der Stadt Linz“, die Verstorbene seine Sekretärin. 1953 übernahm die Landeshauptstadt Linz die Neue Galerie sowie Gurlitt und seine Sekretärin in den Personalstand. Kasten folgte Gurlitt 1958 nach und war bis 1973 Leiter der Neuen Galerie.
Die Linzer Künstlerin Olga Jäger hatte Walter Kasten bereits 1951 vier Bilder als Leihgaben übergeben. Walter Kasten bestätigte die Übernahme für die „Neue Galerie der Stadt Linz – Gründer und Leiter Wolfgang Gurlitt“ mit seiner Unterschrift.  Mehrmals verlangten Erben der 1965 verstorbenen Olga Jäger von der Stadt die Herausgabe der Bilder. Diese waren jedoch nicht mehr auffindbar.

Die Erben klagten zunächst vor dem Landesgericht Linz Schadenersatz für ein Schiele-Bild ein, den das Gericht mit 100.000 Euro festsetzte. Dann verlangten die Erben im weiteren Verfahren Schadenersatz für zwei Schiele und ein Klimt-Bild, das Gericht sprach 8.210.000 Euro zu. Die Verfahren dauerten sieben Jahre, sie gingen durch alle Instanzen. Es gab unterschiedliche und widersprüchliche Entscheidungen. Besonders umstritten war der Wert eines als „Tote Stadt“ bezeichneten Schiele-Bildes. Die von der Stadt bemühte international anerkannte New-Yorker Schiele-Expertin Jane Kallir schätzte den Wert auf 200.000 US-Dollar bei Annahme eines Frühwerks bzw. auf 800.000 US-Dollar bei Annahme eines reifen Spätwerks. Das Gericht folgte ihr nicht, sondern der umstrittenen Bewertung des Wiener Kunsthistorikers Herbert Giese, der der Wert auf 7.500.000 Euro bezifferte.

Die gerichtlichen Urteile sind rechtskräftig. Die Stadt hat die gerichtlich festgesetzten Beträge bezahlt. Allerdings: Die Erben klagten 2009 und gaben dabei nicht an, dass bereits 1990 die Herausgabe der Bilder verlangt worden war. Danach könnte der Schadenersatz verjährt sein. Die Stadt fand zufällig Unterlagen und klagte auf Wiederaufnahme der Verfahren. Das Landesgericht Linz und das Oberlandesgericht Linz lehnten die Wiederaufnahme ab, der Oberste Gerichtshof hob diese Ablehnung als rechtswidrig auf. Nun liegt es wieder beim Landesgericht, zu entscheiden. Die Verhandlungen sind ausgeschrieben.

Neue Hoffnung

Das Auftauchen des Bildes gibt der Stadt Hoffnung, dass die anderen drei verschollenen Bilder noch aufgefunden werden könnten. Es handelt sich – gemäß den von Kasten ausgestellten Übernahmebestätigungen – um das Ölgemälde „Tote Stadt“, das Aquarell "Junger Mann" und die Zeichnung "Paar" von Egon Schiele. Die Stadt wird nun noch einmal nachforschen. Die Auslobung der Stadt in der Höhe von 5.000 Euro für Informationen, die zur Wiedererlangung der Bilder oder zur Abwehr des Schadenersatzes führen, ist aufrecht. Die Staatsanwaltschaft Linz wird durch das Landeskriminalamt ihre Erhebungen gegen „unbekannte Täter“ wieder aufnehmen und fortführen.

Das nun aufgefundene Klimt-Bild „Zwei Liegende“ wird im Lentos Kunstmuseum im Rahmen der Ausstellung „1918 – Klimt • Moser • Schiele – Gesammelte Schönheiten" zu sehen sein. Diese findet bis 21. Mai 2018 statt. Die Stadt wird den Jäger-Erben das Bild gegen Rückzahlung des Schadenersatzbetrags zurückstellen.
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