06.10.2016, 11:49 Uhr

Eurothermen-Chef Markus Achleitner: "Wir bauen keine Wasserrutsche, sondern die Krake"

Landeshauptmann Josef Pühringer als Eurothermen-Eigentümervertreter und Generaldirektor Markus Achleitner mit der Auszeichnung für Bad Schallerbach zur "Besten Therme Europas". (Foto: EurothermenResorts)

Auszeichnung als beste Therme Europas für Bad Schallerbach dank Saunadorf AusZeit – Eurothermen-Chef Achleitner setzt nun auf "Mega-Chance" Digitalisierung und will weiter ausbauen.

Was musst man tun, damit man Europas beste Therme wird?
Wir haben mit unserem Sauna-Bergdorf AusZeit in Bad Schallerbach ein Konzept abgeliefert, das es sonst in der Form noch nicht gibt: Ein gesamtes Dorf als Sauna mit echten Attraktionen, etwa das größte Mostfass der Welt als Sauna mit 250.000 Litern Fassungsvermögen. Da passen 60, 70 Leute rein, die beim Saunieren durch eine Multimediashow über den Most lernen, der Saunameister als Most-Bartl kommt und es sogar eine Kostprobe der Landessäure gibt. Das sind Storys, die die Menschen weitererzählen können.

"Wirtschaftlichkeit, die sich gewaschen hat"


Es braucht also Geschichten ...
Ich bin seit vielen Jahren immer wieder mit Disney-Leuten beisammen, und da hat mir einer der Älteren einmal gesagt: "First you have to have the story – zuerst musst du eine Geschichte zu erzählen haben". Das ist der Punkt: Wir gestalten die wertvollste Zeit der Menschen, die Freizeit. Und in der müssen wir sie begeistern, nicht beschäftigen, begeistern. Da brauchst du eine Geschichte. Die ist bei Kindern eine ganz andere – Stichwort Piratenwelt – als bei den Eltern. Ein gesamtes Dorf mit mehr als 40 verschiedenen Attraktionen, so wie jetzt bei uns, das gibt es in der Form europaweit gar nicht. Die Relax-Chalets sind ganz was Neues, dass ich mir im Vorhinein im Internet meine Liege aussuche, 25 Euro zahle, ein Dienstleistungspaket dafür habe, bei jeder Liege ein iPad habe, das ist Luxus pur. Das hat uns eine Zielgruppe wiedergebracht, die wir teils schon verloren hatten, weil sie gesagt haben: Da ist mir zu viel Wirbel. Die Kombination einer Geschichte, einer Einzigartigkeit und auch einer Wirtschaftlichkeit, die sich gewaschen hat, das ist die Summe, warum uns die internationale Jury den Preis verliehen hat.

Welchen Stellenwert hat die Auszeichnung?
Das ist für uns natürlich ein Traum. Solche Preise sind deswegen so wichtig, weil sie erstens Bestätigung bedeuten, zweitens Motivation und drittens ein riesiges Danke ans Eurothermen-Team, weil wir ja unser Geschäft durch Dienstleistung machen. Und dass einmal die beste Therme Europas in Schallerbach steht, in Oberösterreich, das freut sicher alle Landsleute.

Elf Millionen Euro Investition – schnellere Rückzahlung des Kredits


Den Generaldirektor der Eurothermen wird der Preis zwar auch freuen, wichtiger ist aber das Ergebnis.
Wir haben genau ein Jahr AusZeit und in dieser Zeit im Saunabereich um 61 Prozent mehr Leute als davor, was weit über all unseren Planungen und Erwartungen liegt. Wir sind aber deswegen nicht überfüllt, weil wir so groß geworden sind. Wir haben über 4000 Quadratmeter, drei Ebenen und mehr als 40 Sauna- und Relaxattraktionen. Damit hast du selbst an starken Wochenenden deine Privatsphäre. Wir haben elf Millionen investiert, ein Teil aus dem cash flow, ein Teil auf 15 Jahre finanziert, aber wenn es so weitergeht, brauchen wir nicht so lange.

Wie lange?
Kürzer

Verbindung von Computerspiel und Realität


Das Kontrastprogramm zur AusZeit ist für die Eltern die Piratenwelt, wo auf einer neuen Rutsche reales und digitales Erlebnis verschmelzen – braucht es das?
Digitalisierung ist für den Tourismus eine Mega-Chance. So sehen wir das auch. Wir haben vor 20 Jahren schon berührungslose Kästchen gehabt, da waren wir Vorreiter in unserer Branche. Jetzt sind wir das bei der Krake, die als vollthematisierte Rutsche in der Piratenwelt wieder reinpasst – wir bauen keine Wasserrutsche, sondern "die Krake". Das ist eine interaktive Bahn, wo man vom Start weg drei verschiedene "Thrill"-Stufen wählen kann, von kommod bis zu Hardcore, was die ganzen Licht- und Soundeffekte betrifft. Man rutscht das auf einer Doppelbobrutsche durch einen Fangarm der Krake und während des Rutschens kann man Golddukaten sammeln und aus der Kombination von Zeit und Golddukaten entsteht dann unten die Piratenbeute. Und da gibt es dann ein Ranking für Tagessieg und Gesamtrekorde und man sieht genau, wie weit man ist. Es ist die Verbindung von einem Computerspiel mit der Realität.

Was kann sich der oberste Bademeister des Landes in Zukunft noch für seine Gäste vorstellen?
Projekte und Ideen haben wir ohne Ende. In Schallerbach sind wir sehr sehr weit. Das Paradiso als ältester Teil ist im elften Jahr, alles andere ist neuer. Die nächsten Schritte werden an den beiden anderen Standorten folgen. Das Flaggschiff Bad Schallerbach ist in Europa Trendsetter, aber die beiden anderen Standorte wollen wir für deren Stärken weiterentwickeln. Aber auch aus Schallerbach werden wir noch öfter über weitere Entwicklungsschritte berichten können.


"Haben in Schallerbach noch Platz ohne Ende"


Ist in Schallerbach noch genug Platz für Erweiterungen?
Wir haben Platz ohne Ende, mehr als 20 Hektar Park, wir haben Flächen vor ein paar Jahren dazugekauft, es wird in Schallerbach noch weitergehen.

Bleiben die Eurothermen auf die drei Standorte beschränkt?
Wir haben schon einen vierten Standort, den Eurothermen-Shop in der PlusCity, gerade im September eröffnet. Das war eine zukunftsträchtige Entscheidung, weil wir ein Tourismusprojekt mit dem stationären Handel erstmals verbunden haben. Gab es bisher noch nicht. Dort kann man einen Geschenkgutschein mit Foto und mehr personalisieren und emotionalisieren. Und man kann unsere Hotels dort direkt buchen.

Gemeint waren weitere Thermenstandorte ...
Der Markt in Österreich ist ziemlich voll, ausschließen tu ich nix, es liegt jedes zweite Monat irgendein Projekt bei uns am Tisch, das wir akribisch prüfen, aber die volle Kraft geht in die Entwicklung der eigenen Standorte.

Standort außerhalb Oberösterreichs und Österreichs "selbstverständlich" denkbar


Wäre ein Standort außerhalb Oberösterreichs denkbar?
Selbstverständlich

Außerhalb Österreichs?
Selbstverständlich
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