Der "Don Camillo" aus dem Lungau
- hochgeladen von Peter J. W.
Den kulinarischen Köstlichkeiten im Lungau zu entsagen, fällt Pfarrer Bernhard Rohrmoser schwer.
MARIAPFARR. Geistlicher Rat Bernhard Rohrmoser ist für die Gemeinden Mariapfarr, Weißpriach, Göriach und St. Andrä als Pfarrer und Seelsorger zuständig. Der gebürtige Hüttschlager hat durchaus kirchenkritische und fortschrittliche Ansichten.
Bezirksblätter: Herr Pfarrer, Sie sind Bezirks-Feuerwehrkurat- sowie Landes-Bergrettungskurat, Jäger und als lebenslustiger Mensch bekannt, der nicht auf den „Schnabel“ gefallen ist. Sind Sie der Don Camillo des Lungaus?
ROHRMOSER: (lacht) „Ich wurde tatsächlich vor kurzem als solcher bezeichnet, als ich in Göriach gemeinsam mit LHStv. Wilfried Haslauer den Maibaum umsägte – natürlich mit einer alten Zugsäge, wo man übrigens viel Fertigkeit braucht. Grundsätzlich versuche ich, so wie die Figur aus dem Fernsehen, ein Mensch für das Volk und aus dem Volk zu sein, den die Leute verstehen und der versucht, die Menschen zu verstehen. Natürlich unterhalte ich mich auch – sogar sehr oft und lautstark – mit dem Herrgott. Bitte, Dank, Klage – alles ist in diesem Dialog enthalten.“
Bezirksblätter: Wenn Sie der Lungauer Don Camillo sind, ist dann Franz Doppler Pepone?
ROHRMOSER: (lacht) „Diese Schlussfolgerung wäre naheliegend. Zum einen stimmt sie nicht, weil Pepone einer wesentlich anderen Partei angehört als unser Bürgermeister. Zum anderen stimmt sie sehr wohl, da der Pfarrer von Mariapfarr sich sehr gut mit dem Bürgermeister versteht und beide das Wohl der Gemeinde im Auge haben und gemeinsam verfolgen. Figurmäßig müsste es hinkommen, wobei es im Film so ist, dass der Bürgermeister einen Schnauzbart trägt und der Pfarrer nicht. Bei uns in Mariapfarr ist es genau umgekehrt.“ (lacht)
Bezirksblätter: Herr Pfarrer, warum sind Sie Priester geworden?
ROHRMOSER: „Ich stamme aus einer einfachen Holzknechtfamilie, oder wie man früher sagte Häuslerfamilie, und versuche nach dem Rat meiner Eltern zu leben und zu handeln: ‚Vergiss nie, wie du aufgewachsen bist und bleib auch in deiner priesterlichen Arbeit einfach und bescheiden‘. Warum habe ich den Weg Gottes eingeschlagen? Es war Berufung und in dieser die spürbare Freude, für die Menschen da zu sein und sie zum Glauben und zu Christus zu führen. Die Beziehung zwischen Gott und Mensch ist lebenserhaltend und sinnstiftend.“
Bezirksblätter: Priester und Frauen – wie stehen Sie zu diesem Thema?
ROHRMOSER: „Nun, ich hoffe, das ist nichts Konträres – nichts Widersprüchliches. Was die Ehelosigkeit betrifft, habe ich einmal das Versprechen gegeben und stehe für mich persönlich dazu, hinterfrage aber sehr vehement die verpflichtende Ehelosigkeit als Kirchengebot. Ich würde mir eine Veränderung sicher herbeiwünschen. Der Verzicht auf die Familie war nicht leicht. Ich hätte sicher gerne eine Familie gegründet. Für mich ist die Pfarrgemeinde meine Familie, mit der ich meine Sorgen und Freuden teile und umgekehrt.“
Bezirksblätter: Sollte die Kirche weibliche Pfarrer akzeptieren?
ROHRMOSER: „Ich persönlich kann mir das gut vorstellen. Ich denke aber, dass in dieser Frage es noch Zeit braucht und keine vorschnelle Entscheidungen getroffen werden sollen, insbesondere nicht aus den zurzeit gegebenen kircheninternen Spannungsfeldern und Aggressionen gegenüber kirchenpolitischen Haltungen. Dazu ist es wichtig, dass generell die Achtung und Stellung der Frau innerhalb der Glaubensgemeinschaft zu einer gewachsenen und gleichwertigen Größe wird, auch was das Priesteramt betrifft.“
Bezirksblätter: Wie sieht Ihrer Meinung die katholische Kirche der Zukunft aus?
ROHRMOSER: „Sie muss eine befreite und befreiende, weltoffene und auf das Wort der Heiligen Schrift bezogene Kirche sein. So wird ein innerer Reformprozess in Bewegung bleiben.“
Bezirksblätter: Sollten wir uns vor einer Islamisierung fürchten?
ROHRMOSER: „Vor fanatischen, fundamentalistischen Entwicklungen auf jeden Fall, sicher nicht vor dem Islam und den Menschen, die sich in ehrlicher Überzeugung zu dieser Religion bekennen und sie leben, auch in unserem Land. Die Religionsfreiheit sollte ein menschliches Grundrecht auf der ganzen Welt sein.“
Bezirksblätter: Was macht ein Pfarrer eigentlich in seiner Freizeit? Wie halten Sie es mit den weltlichen Genüssen?
ROHRMOSER: „Die Freizeit verbringe ich gerne mit meinem Hund Falko auf meiner Hütte in meiner Heimatgemeinde Hüttschlag. Dort kann ich auch viele meiner Hobbys ausüben – Malen, Schnitzen, Schreiben, Touren- bzw. Berggehen, auf die Jagd gehen und so weiter. Was die kulinarischen Genüsse betrifft, hat man sich natürlich einzuschränken, weil es im Lungau schwer fällt, diesen zu entsagen. Hier sind die Leute sehr gastfreundlich und beschenken uns immer wieder mit köstlichen Gaben. Meine Körperwaage kann das bezeugen.“ (lacht)
Bezirkblätter: Eine abgschließende Frage: Wie trifft man moralisch richtige Entscheidungen?
ROHRMOSER: „Man muss sich selbst gegenüber nur ehrlich die Frage beantworten: Was würde Jesus dazu sagen, wie würde er handeln?“
Aktuelle Nachrichten aus Salzburg auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.