Eva Figge
"Menschen sollen streiten"

Eva Figge ist Mediatorin. Die gebürtige Düsseldorferin hat es 2004 in den Lungau verschlagen. Heute lebt sie in Mauterndorf.
  • Eva Figge ist Mediatorin. Die gebürtige Düsseldorferin hat es 2004 in den Lungau verschlagen. Heute lebt sie in Mauterndorf.
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"Die Angst vor Konflikten steckt tief in den Genen", weiß Eva Figge. Seit 2019 ist sie als Mediatorin selbstständig.

MAUTERNDORF. Anfang 2019 hat Eva Figge nach ein paar anderen beruflichen Stationen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: Die 53-Jährige kennt sich mit Konflikten und ihrem Management recht gut aus, sie ist Mediatorin. Wir haben mit der gebürtigen Düsseldorferin, die es 2004 in den Lungau verschlagen hat und die heute in Mauterndorf lebt, über ihren Beruf ein wenig gesprochen.

Konflikte sind negativ, oder? Warum beschäftigen Sie sich also gerade damit?
EVA FIGGE:
"Weil Konflikte grundsätzlich positiv sind, sie bringen Entwicklung. Menschen sollen streiten: in der Demokratie muss ständig gestritten werden. Politik funktioniert genau so. Wenn nicht gestritten worden wäre, dürften Frauen heute noch nicht wählen, gäbe es keine soziale Absicherung für Familien, wären die Maßnahmen, die die Regierung in Zeiten von Corona erlassen hat, nicht hinterfragt und letztendlich geändert und angepasst worden."

Warum empfinden die meisten Menschen – einige streiten augenscheinlich ja recht gern – Konflikte als negativ?
FIGGE:
"Die Angst vor Konflikten steckt tief in den Genen: Wenn man sich, als die Menschen noch durch den Busch gerannt sind, mit der Gruppe überworfen hat, bedeutete das den sicheren Tod. Allein konnte man nicht überleben. Letztendlich ist es die Angst davor, das Ansehen in der Gruppe zu verlieren, weil man etwas tut, das nicht den Erwartungen entspricht; denn Menschen mit niedrigem Status wurde nicht so intensiv geholfen wie Menschen mit hohem Status; und falls man etwa verletzt war, bedeutete das eben, ernsthaft in Lebensgefahr zu sein."

Was ist das Hauptproblem beim Austragen von Konflikten?
FIGGE:
"Viele wissen oft nicht, wie sie Dinge gut ansprechen können, also tun sie es oft überhaupt nicht; oder man brüllt den anderen gleich mal nieder, weil man sich angegriffen fühlt. Beides führt zu keinem positiven Ergebnis. Ein entspannter Austausch auf Augenhöhe wäre wesentlich hilfreicher."

Da springen Sie als Mediatorin ein, nehme ich an: Wo können Sie beim Streiten helfen, was bieten Sie an?
FIGGE:
"In einer Mediation sorgt der Mediator dafür, dass sich die Parteien trotz hochgekochter Gefühle in Ruhe und vollständig aussprechen können. Gerade in Familien kann ein klärendes Gespräch viel Stress aus dem Miteinander nehmen. Ist einer der Konfliktpartner zu einem klärenden Gespräch innerhalb einer Mediation nicht bereit, dann kann ein Konfliktcoaching helfen. Der Klient kann sich in der Auseinandersetzung neu ausrichten und so Ruhe und Klarheit finden. Mobbingsituationen lassen sich im Übrigen genauso durch Techniken, die die Mediation kennt, bearbeiten und auflösen. Hierzu gibt es spezielle Strategien, die sich in der Praxis sowohl im Kontext Schule als auch am Arbeitsplatz bewährt haben. Für Unternehmen und Organisationen im Speziellen biete ich eine Lösung, die über die reine Mediation hinausgeht: lösungsfokussiertes, prozessorientiertes Konfliktmanagement, was bedeutet, dass die Struktur auf Reibungspunkte überprüft wird, also zum Beispiel ob genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um vorgegebene Ziele auch erreichen zu können."

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