Solidarische Landwirtschaft
"Die Geschichte von zweien die auszogen um Mensch, Tier, Natur und sich selber Gutes zu tun“

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SOLAWI! Was sich für manche vielleicht in erster Sekunde wie ein Wort aus der afrikanischen Sprache anhört, stellt sich als Abkürzung für eine spannende Wirtschaftsalternative heraus: 35 Solidarische Landwirtschaften gibt es in Österreich.
Das Nordburgenland, bzw. der Bezirk Mattersburg hat jetzt auch eine. Sie wurde kürzlich vom Betriebswirt Florian Weishaar und Gärtner und Gemüsebauern Franz Rigler gegründet und auf dem Neudlhof in Pöttelsdorf einer großen Schar Interessenten vorgestellt. Es war ein professioneller, herzlicher und mitreißender Infotag, an dem bei hauseigenen Köstlichkeiten nicht zuletzt erklärt wurde, wie man Zugang zu diesen von Hand angebauten und geernteten Köstlichkeiten kommen kann.
Hier endet der Kurzartikel über die innovative Lebensmittelkooperative –

Und hier startet der ganze, lange Artikel für alle die das WER, WARUM, WAS, WIE und WO genauer wissen wollen

Die Idee der SOLAWI und die Pläne der beiden Jungbauern sind nicht mit ein paar Sätzen erklärbar. Lest selber…
...Von zweien die auszogen um Mensch, Tier, Natur und sich selber Gutes zu tun

Was sich wie ein Märchen anhört, ist am Neudlhof, im burgenländischen Pöttelsdorf Realität:
Es trägt den Titel: Solidarische Landwirtschaft; kurz „SOLAWI“.
Die beiden Hauptprotagonisten sind Franz und Florian und beide sind sich sozusagen zu- gefallen. „Schon wieder einer, der in meinen Glashäusern Hanf anbauen will,“ vermutete  Franz Rigler, als sich Florian Weishaar damals erkundigte, ob die Glashäuser zu pachten wären. Dass die beiden die Leidenschaft für solidarische Landwirtschaft teilen und diese schon kurze Zeit später in die Tat umsetzen würden, ahnte im April 2019 noch niemand.

Ihre unterschiedlichen Hintergründe und Bildungswege sind dafür sicher von Vorteil.
Florian, der den Neudlhof, dessen Namen von Johann Neudl aus dem Jahr 1875 stammt vor einigen Jahren wieder zum Leben erweckte, bringt u.a. ein abgeschlossenes BWL-Studium, einige Jahre Berufserfahrung in einem Baustoffgroßhandel und eine Ausbildung für biodynamische Landwirtschaft mit.
Franz beginnt im Jahr 2011, nach der Ausbildung in der HBLFA für Gartenbau in Schönbrunn und einer Zeit des Studiums des Umwelt- und Bioressourcen-Managements an der Boku Wien, die still gelegten Glashäuser, der in den 30-er Jahren gegründeten Gärtnerei seiner Familie in Mattersburg zu revitalisieren. Seit Jahren reifen unter seiner Pflege nicht nur Gemüseraritäten sondern auch Menschen aus sozialen Randgruppen. 3 Monate im Jahr bietet Franz jenen Menschen die Möglichkeit der Mitarbeit und des Lernens. „Durch das körperliche Arbeiten mit den Händen in der Erde, gelingt es auch labilen Persönlichkeiten sich wieder zu erden und später wieder in den Berufsalltag einzusteigen,“ erzählt Franz.

Kürzlich luden die beiden solidarischen Landwirtschaftspioniere zu einem Infotag, dem zahlreiche Interessierte in den sehenswert renovierten Streckhof nach Pöttelsdorf und zu den Rigler-Glashäusern nach Mattersburg folgten.
Es ist sicher nicht nur dem dampfenden Gemüseeintopf und den anderen Köstlichkeiten aus eigener Produktion geschuldet, dass die Gäste den Ausführungen der beiden gefesselt lauschten.
Fundiert und überzeugend wurden zunächst die wichtigsten Fragen beantwortet: Was ist eine SOLAWI, wie funktioniert sie und warum sind viele Menschen nötig um sie gelingen zu lassen? Franz und Florian geben jedem gerne persönlich Auskunft.

Kurz zusammen gefasst: SOLAWI ist mehr als eine alternative Form der Landwirtschaft. Möglicherweise könnte man sie (auch) als Lebenseinstellung bezeichnen. Zumindest ist eine solche nicht von Nachteil. 
Die offizielle Definition lautet: Solidarisch geführte Lebensmittelkooperativen (FoodCoops) sind nicht gewinnorientierte, selbstverwaltete Gemeinschaften, die eine Infrastruktur zur Besorgung und Verteilung von fairen und nachhaltigen Produkten bieten. Alle Mitglieder müssen das Recht zur Mitbestimmung haben. Florian hält dazu ausdrücklich fest: "Wir als Landwirte eines solidarisch geführten Hofes sind keine FoodCoop. FoodCoops verteilen Lebensmittel, die sie von verschiedenen Lieferanten beziehen an Ihre Mitglieder. Wir als Bauern verteilen die Produkte, die wir auf unserem Hof produzieren an unsere Mitglieder."

SOLAWI soll vielfältige Landwirtschaft fördern, regionale Lebensmittel zur Verfügung stellen und Menschen sowohl Arbeitsmöglichkeiten als auch einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum geben.
SOLAWI ist ein durch und durch transparenter Wirtschaftskreislauf der von den VerbraucherInnen mit organisiert und finanziert wird.
Florian, der sich auf dem Hof hauptsächlich um die Tiere, das Obst und das von ihm zubereitete Sauerteigbrot, um die biodynamischen Präparate und organisatorischen Aufgaben kümmert, erklärt: „Wir bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft mit den KonsumentInnen aus privaten Haushalten. Dabei wird die gesamte Landwirtschaft und nicht die einzelne Karotte finanziert. Durch die Möglichkeit der freiwilligen Mitarbeit am Feld oder im Glashaus, wird natürlich auch der Bezug zu unseren Nahrungsmitteln und die Verbindung zwischen ProduzentIn und VerbraucherIn wieder hergestellt; im besten Fall die Grenze, durch gemeinsames Arbeiten sogar aufgebhoben“. 

Wie soll die SOLAWI am Neudlhof funktionieren?
Franz und Florian benötigen im Idealfall 100 private PartnerInnen, die sich bis Anfang des kommenden Jahres 2020, auf Grundlage der errechneten Jahreskosten für die landwirtschaftliche Erzeugung verpflichten, einen festgesetzten monatlichen Betrag an den Solawi-Betrieb zu zahlen. Das ermöglicht den beiden Bauern, vom Markt unabhängig, den Boden  fruchtbar zu halten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften.
Die PartnerInnen erhalten im Gegenzug die gesamte Gemüseernte sowie auf Wunsch Eier von glücklichen Freilandhühnern und selbst gebackenes Sauerteigbrot.
Ein Blick in die Zukunft des Neudlhofs verrät, dass Franz und Florian den Plan hegen, zunehmend die Haushaltssouveränität mit am Hof erzeugtem Fleisch, Honig und Milchprodukten abdecken und damit gleichzeitig auch mehr Arbeitsplätze schaffen zu können.
Im kommenden Jahr möchte man mit einer zusätzlichen 40-Stundenkraft und einigen geringfügig Angestellten starten.
Wesentlich ist, dass die Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte. Nichts wird verschwendet.
In einer SOLAWI können alle Beteiligten von dieser Beziehung profitieren:
Alle haben frische, saisonale und regionale Nahrungsmittel, alle wissen wie, wo, von wem und zu welchen Kosten sie angebaut und geerntet werden und alle fördern damit die ökonomischen Strukturen.

Franz und Florian werden 1 ha Freiland und 2,500 m2 Glashausfläche teilweise biodynamisch bewirtschaften. Von März bis Dezember werden Gemüsespezialitäten in über 150 verschiedenen Sorten geerntet. Die Produkte werden, saisonal zusammen gestellt, in Kartons ( 30x 40 x 20 cm)
10 x pro Jahr, 1 x wöchentlich zu Abholstationen in Regionen in Eisenstadt, Mattersburg und Wien gebracht. Für einen Abholstand braucht es mindestens 10 KonsumentInnen. Nach Bedarf werden die Stationen erweitert.

Das WER, WARUM, WAS, WIE und WO kann man im Rahmen eines 2. Infotages im Jänner und bis dahin auf der ansprechend gestalteten Homepage des Neudlhofes: www.neudlhof.at ausführlich und eindrücklich nachlesen; nebenbei über die schönen Bilder vom Leben am Hof staunen und sich Gusto holen – zum Beispiel auf die 35 verschiedenen Fleischtomaten von Franz, das knusprige Sauerteigbrot von Florian …und auch darauf, Teil eines nachhaltigen Konzepts für die Zukunft zu werden.

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Autor:

uschi zezelitsch aus Mattersburg

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