Commerzialbank Mattersburg
401 Gläubiger melden Forderungen von 820 Millionen Euro an

Die Gläubiger der Commerzialbank Mattersburg fordern 820 Millionen. Von den verschwundenen 99 Millionen ist der Verbleib von 47 Millionen inzwischen geklärt. | Foto: Doris Pichlbauer
  • Die Gläubiger der Commerzialbank Mattersburg fordern 820 Millionen. Von den verschwundenen 99 Millionen ist der Verbleib von 47 Millionen inzwischen geklärt.
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In nur zehn Jahren verlor die Commerzialbank Mattersburg 334 Millionen Euro durch mutmaßliche Malversationen. Im Insolvenzverfahren der Bank haben inzwischen 401 Gläubiger Forderungen von knapp 819,7 Millionen Euro angemeldet.

MATTERSBURG. Anerkannt sind bisher 620,5 Millionen. Dazu kommen noch anerkannte Arbeitnehmerforderungen von 3,1 Millionen. Der Stand der Überschuldung hat sich seit Oktober vergangenen Jahres nicht wesentlich geändert und beträgt– nach Bereinigung um Malversationen – rund 700 Millionen Euro.
Alleine in den zehn Jahren vor der Konkurseröffnung hat die Bank 334 Millionen Euro durch mutmaßliche Malversationen „verloren“. Dies berichteten die Masseverwalter, Gerwald Holper und Michael Lentsch (Kosch & Partner Rechtsanwälte) bei der fünften Gläubigerausschusssitzung am Landesgericht Eisenstadt.

157 Millionen "bar aus der Bank getragen"

Laut den Masseverwaltern hat die Commerzialbank Mattersburg in den letzten 10 Jahren vor dem Konkurs 334 Millionen durch mutmaßliche "Malversationen" verloren – davon sollen 215 Millionen betrieblicher Verlust sein.
157 Millionen seien bar aus der Bank getragen worden – im Schnitt rund 300.000 Euro pro Woche. Davon waren 99 Millionen vor einem halben Jahr noch verschwunden. Inzwischen konnten davon 47 Millionen konkreten Empfängern zugeordnet werden. Von den verbleibenden 52 Millionen fehlt weiterhin jede Spur.
Rund 55 der 157 Millionen Euro seien in die Bank zurückgeführt worden, um einen Teil der Verluste aus dem tatsächlichen Geschäft zu verschleiern und den Bankbetrieb aufrecht erhalten zu können. Weitere 50 Millionen Euro wurden Kunden der Bank übergeben, um deren Pleiten zu verhindern, oder flossen verschleiert – zusätzlich zu den offiziellen Sponsorbeträgen – in den Fußballverein SV Mattersburg.

Illegale Millionen gingen an Eigentümer-Genossenschaft

Laut Masseverwalter sollen jährlich 500.000 bis 600.000 Euro an "Provisionszahlungen" an die Eigentümergenossenschafrt der Commerzialbank Mattersburg – ohne rechtliche Grundlage – geflossen sein. Überprüft seien bisher die Jahre 2014 bis 2019. In idesen sechs Jahren seien 3,3 Millionen Euro an die Eigentümergenossenschaft gegangen, um deren Geldbedarf zu decken. Zudem wäre im Jahr 2015 ein Kredit in Höhe von drei Millionen von der Bank gewährt worden.

Gebäude, Möbel, Münzen, usw. brachten 6,9 Millionen Euro

Die Verwertung es noch vorhandenen Vermögens der Commerzialbank durch die Masseverwalter hat bisher rund 6,9 Millionen eingebracht. Der Großteil der Liegenschaften beziehungsweise Bankgebäude konnte veräußert werden und spielte eine Summe von rund 3,87 Millionen Euro ein. Der Verkauf der Büro- und Geschäftsausstattung bracht 148.000 Euro netto ein. Mit zwei Dienstautos der Bank konnten weitere 8.000 Euro erzielt werden. Aus dem Verkauf von Edelmetall (Gold- und Silbermünzen, gravierte Barren) flossen bislang rund eine Million Euro an die Masse. 1,5 Millionen Euro wurden durch den Verkauf von Wertpapieren eingenommen.

Patente erweisen sich bislang als völlig wertlos

Die insgesamt 254 Schutzrechte für Patente von "Erfinder" Franz Josef Philipp, in denen Ex-Bankchef Martin Pucher eine mögliche Lösung sah, um den entstandenen Schaden gutzumachen, hätten sich laut den Masseverwaltern bislang als "völlig wertlos" gezeigt. Diese seien an 103 potentielle Interessenten herangetragen worden. 84 davon hätten eine Absage erteilt. Angebot für die Patente gab es kein einziges.

Klagen gegen Abschlussprüfer, Republik Österreich und Land Burgenland

Eine Schadenersatzklage gegen den Abschlussprüfer der Bank, TPA Wirtschaftsprüfung GmbH, sei laut Masseverwalter bereits eingebracht. Ebenso anhängig sei die Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich. Geprüft werde auch eine Schadenersatzklage gegen das Land Burgenland. Das Land hat 1995 die Funktion des Revisionsverbands für diese Genossenschaft übernommen und hatte daher gesetzliche Pflichten wahrzunehmen.

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