MURAUER SAMSON 2013 - GRENADIERMARSCH, GARDE, MUSIK, BIER UND VIEL TRADITION

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Die Stadt Murau, die Bürgergarde und der Samson sind seit 1748 unzertrennlich und heute ein einzigartiger Beweis für gelebtes Brauchtum in der Region. Das Samson-Tragen ist als länderübergreifender Brauch (Lungau-Steiermark) in die österreichische Liste des immateriellen Kulturerbes im Jahr 2010 aufgenommen worden.
Das Bier des idyllischen, obersteirischen Städtchens Murau kennt wohl jeder Gerstensaftliebhaber, die Murauer Bürgergarde kennen alle, die im Frühjahr in Ternitz beim Aufmarsch von Traditionsvereinen dabei waren, aber den Samson kennen wohl nur Einheimische, Insider und die zahlreichen Gäste, die am Maria Himmelfahrtstag den Weg nach Murau fanden.

Die Tradition basiert auf der biblischen Erzählung von einem Richter mit übernatürlichen Kräften, der über 1000 Philister mit einer Eselskinnlade erschlagen haben soll und der seine Kraft aus seinen langen Haaren schöpfte. Als ihm seine Haarpracht nach einem Verrat durch seine Geliebte Delilah im Schlafe nach zu hohem Alkohol (Bier?) Konsum von den Philistern abgeschnitten wurde, konnte er überwältigt und in den Kerker geworfen werden.
Dort wuchsen die Haare wieder nach, seine Kraft kehrte zurück und als man ihn einmal zur Belustigung des Volkes zwischen zwei Tragesäulen des Tempels festband, riss er die Säulen nieder, der Tempel stürzte ein und 3000 Menschen gingen zugrunde.

Wie der biblische Samson den Weg nach Murau fand und warum gerade der Samson die Zentralfigur des Murauer Brauchtums wurde, ist nicht wirklich eindeutig nachvollziehbar, Faktum ist, dass man diesen Brauchtumsakt unbedingt mit erlebt haben muss.

Am Festgelände begann der diesjährige spektakuläre Samson-Umzug mit einer feierlichen, von Gardekurat Mag. Thomas Mörtl zelebrierten Festmesse, bei der auch der Ternitzer Stadtpfarrer Mag. Mario Böhrer konzelebrierte.

Der einzigartige Klangkörper der exzellenten Murauer Stadtkapelle unter der Stabführung von Prof. Philipp Fruhmann – er bekleidet dieses Amt seit 45 Jahren und ist überdies stellvertretender Bundeskapellmeister – umrahmte den Gottesdienst eindrucksvoll.

Murau verfügt über zwei Samson-Statuen, einen „normalen“ und einen zerlegbaren Reise-Samson, welche mächtig links und rechts neben dem Altar aufgestellt thronten. Ein kleiner, des Lesens sichtlich zwar noch unkundiger aber offenbar schon technisch versierter Murauer fragte seine Mutter, vermutlich in Anspielung auf die beiden großen IT und Telefonkonzerne, die er vom Handy-Spielen sichtlich kannte: „Du Mama, wenn der linke der SAMSUNG ist, heißt dann der rechte vielleicht APPLE…?“

Bereits zum 45. Male wird die über 5 Meter hohe SAMSON-Figur mit stolzen 85 Kilogramm Gesamtgewicht und deutlich steirischem optischen Einschlag von einem einzigen Mann – in diesem Jahr war es der seit 30 Jahren in Murau ansässige Bosnier Martin Garvic - durch die Straßen der Kleinstadt Murau getragen.

Die Murauer Bürgergarde, kommandiert von Major Rudolf Steinacher mit ihrem Obmann Rudolf Paschek, die königliche Eisenstädter Schützengesellschaft unter dem Ternitzer Kommandanten Major Erwin Dollinger und die burgenländischen Radetzky Husaren begleiteten die geschichtsträchtige Statue mit allen militärischen Ehren und klingendem Spiel.

Vor den Domizilen honoriger Murauer BürgerInnen oder SponsorInnen hielt jeweils der Zug an und mit ohrenbetäubendem Knall wurden auf diese Art unzählige Ehrensalven, sogenannte „Generaldechargen“ abgefeuert, sodass das verträumte Städtchen bald mächtig in Pulverdampf lag und die Ohrenspezialisten bald einen Boom verzeichnen werden können.

Wie die Murauer zu feiern verstehen, ist bundesweit bekannt und so dampfte wieder der legendäre Grenadiermarsch in der – nun endlich auch von der EU gottseidank genehmigten – Riesenpfanne, Koteletts und Bratwurst gaben sich in der Gardeküche ein Stelldichein und wurden gemeinsam mit Hektolitern des herrlichen, örtlich gebrauten Biers von den Hundertschaften, die gekommen waren regelrecht vertilgt.

Es wurde gesungen und gespielt, SSC Obmann Günther Schneider, eingeladen von der Murauer Bürgergarde und den Eisenstädter Schützen, suchte als Weinliebhaber mit der Gitarre zuerst beim Scharl-Weinstand vor der schier übermächtigen Bierflut Zuflucht, unterhielt die Weinfreunde mit niederösterreichischem Schmäh, traf spontan auf zwei Steirer Musiker mit Klampfe und Quetsch´n und mit einigen Stamperln im Ranzen wanderte man gemeinsam singend und musizierend bis in die Nacht durch die Reihen der Gäste. Erkenntnis: die Steirer sind genauso gemütlich wie wir Niederösterreicher, aber auch Wiener Gäste kamen voll auf ihre Rechnung.

„Ich hätte mir niemals gedacht, dass ich hier mein Lieblings-Wienerlied >Das Silberne Kanderl < zu hören bekomme“ meinte ein Wiener Besucher sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen. Die überaus attraktiven steirischen Marketenderinnen (gendermäßige Frage: gibt es eigentlich auch Marketender?) hatten Hochbetrieb und so mancher Besucher ging danach fröhlich und zufrieden und angefüllt – Motto: Nur kane Wellen - spätnachts nach Hause, manche wurden geführt und wie man hört, manche wurden sogar von den gastfreundlichen Murauern nach Hause getragen. „Wer an Sa.... - wie haaßt der Riese g´schwind nomaol - trog´n kann, hick, dem kummt´s net drauf au, a paar Gehunfähige ham z´bringa, hick…!“ meinte ein nahe am Verlust der Muttersprache befindlicher Betroffener aus dem Raum Grafenbach, Niederösterreich. Andere wiederum trugen ihre Damenspitzerl still und auf eigenen Beinen, aber nicht weniger stolz nach Hause. Samson, schau oba! Ein herrliches Traditionsfest mitten im grünen Herzen der Steiermark wird wohl hoffentlich noch jahrzehntelang ein solches bleiben.

Autor:

Günther Schneider aus Neunkirchen

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