29.09.2014, 14:03 Uhr

Roma im Burgenland

Die Veranstaltung wurde vom "Offenen Tisch" und dem Kulturverein "Kukuk" organisiert. (Foto: Leban)
Am Donnerstag, den 25. September 2014, fand im Gasthaus Leban in Kittsee im Rahmen des „Offenen Tisches“ ein Vortrag zum Thema „Roma im Burgenland“ statt.

Dr. Mag. Gerhard Baumgartner, der als Referent fungierte, ist Projektleiter des Forschungsprojektes „Holocaustopfer unter den österreichischen Roma und Sinti“ und seit kurzem wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Dr. Baumgartner gab eine Übersicht der Geschichte der Roma und Sinti in Europa, wobei er besonders auf das Burgenland einging, wo zurzeit um die 3 000 Rom leben. Vor 1938 waren es bei 12 000. Er wies Dokumente aus Konzentrationslagern vor, in denen die Namen von vielen Ermordeten aus den Dörfern des gesamten Burgenlandes verzeichnet sind.

Beeindruckend waren auch die vielen Fotos, Karten und Gemälde, in denen das seit der Romantik verbreitete Bild der Roma dargestellt wird: tanzen und singen, frei und glücklich herumreisen, der staatlichen Autorität trotzend. In Wirklichkeit standen sie immer schon verachtet am Rande der Gesellschaft und wurden dann in der nationalsozialistischen Zeit aufgrund der Rassentheorie und der vorbeugenden Verbrechensbekämpfung („der Zigeuner ist ein genetisch veranlagter Verbrecher“) verfolgt und ermordet. Roma und Sinti machten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nie mehr als 1% aus.

Abschließend wies Dr. Baumgartner auf die positive Diskriminierung hin. Es ist dem Abbau von Vorurteilen nicht hilfreich, wenn immer wieder auf die Eigenart und die Notwendigkeit von Hilfsmaßnahmen hingewiesen wird. Hilfreicher wäre die Unterstützung der von den Roma selbst initiierten regionalen Entwicklungskonzepten.

Die Veranstaltung kam aufgrund der Initiative der Volkshochschule der burgenländischen Roma und Sinti zustande. Der „Offene Tisch“ ist eine informelle Diskussionsrunde, die sich jeden letzten Donnerstag im Monat im Gasthaus Leban trifft. Dabei werden die unmittelbaren Problem- und Handlungsfelder, die es in einer Gemeinde an einer Grenze gibt, diskutiert. Zu aktuellen historischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen werden regelmäßig Experten eingeladen.
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