Dauerbrenner Frauenfrage
Info-Veranstaltung zum Weltfrauentag 2020 in Raiding

Am 6. März 2020 hielt der Historiker Mag.Dr. Ernst Mihalkovits einen Vortrag über "Die Geschichte der Frauen in Europa vom Frühchristentum bis zur Gegenwart". Eingeladen dazu hatte die in Raiding ansässige Elizabeth Kiedler von der Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden (ÖFFW). Zur Lösung der Frauenfrage bedarf es auch einer grundehrlichen Auseinandersetzung mit der Situation der Frauen in der Geschichte. Ignoranz, Unehrlichkeit und Uneinsichtigkeit führen dabei nicht weiter.

Bürgermeister Markus Landauer begrüßte die Gäste und wies auf die Bedeutung der Frauen in der Gesellschaft hin.

Die Präsidentin der ÖFFW, Renate Amesbauer, stellte kurz die 1992 gegründete Bewegung vor. Zur friedlichen, dauerhaften Lösung von tiefmenschlichen Problemen und Missständen ist die Logik der Macht ungeeignet. Die ÖFFW bietet eine alternative Herangehensweise durch die Logik der Liebe an.

Mag.Dr. Mihalkovits zeigte in seinem Vortrag die historischen Gründe auf, warum das Leben der Frauen im christlichen Europa so schwierig geworden ist. Gemäß dem Vorbild Jesu - der Männer und Frauen gleichberechtigt behandelte - und dem christlichen Geist der Nächstenliebe gab es gute Voraussetzungen, frauenfeindliche Haltungen und Praktiken in der Antike zu überwinden. Das änderte sich mit den Kirchenvätern. Ohne ihre Gelehrsamkeit und Autorität in Frage stellen zu wollen, muss bei objektiver Betrachtung festgestellt werden, dass sie, beeinflusst durch das Alte Testament (Sündenfall-Geschichte) und die griechische Philosophie, die ideologische Basis für die Fortsetzung der Frauenfeindlichkeit geschaffen haben.

Die Frau wurde als dem Mann unterlegen angesehen. Frauen wurden für unwürdig befunden, das Wort Gottes zu verkünden und weder einfache, geschweige denn höchste geistliche Ämter zu bekleiden.

Im Mittelalter ermöglichte das Ordensleben den Frauen, kirchlichen und politischen Einfluss zu gewinnen. Ein herausragendes Beispiel ist die heilige Hildegard von Bingen. Sie war Äbtissin des Benediktinerklosters in Bingen, Universalgelehrte, Dichterin, Komponistin und Naturheil-Medizinerin.

Die vielgerühmte Französische Revolution 1789 wurde maßgeblich von Frauen getragen. Die „Erklärung der Menschenrechte“ hatte ursprünglich jedoch nur für Männer Geltung. Erst nach und nach setzten sich die Frauen durch und bildeten Frauenbewegungen im Kampf um Gleichberechtigung und faire Bedingungen. Heute findet man in allen Bereichen des Lebens Frauen in führenden Positionen. Obwohl vieles erreicht wurde, gibt es nach wie vor ein Ungleichgewicht zu Ungunsten der Frauen.

Mag.Dr. Mihalkovits endete mit einem Appell: In Bezug auf die Gleichberechtigung von Frauen gibt es noch einiges zu tun!

Hinweis: Der gesamte Vortrag von Mag.Dr. Ernst Mihalkovits ist in der Zeitschrift „Kultur und Bildung“ des Burgenländischen Volksbildungswerkes nachlesbar.

Autor:

Martin Kiedler aus Oberpullendorf

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