Kooperation zwischen Österreich und Slowenien für praxisnahe Berufsausbildung in Großpetersdorf

Eine grenzüberschreitendende Lösung für die Ausbildung im Metallbereich und den Fachkräftemangel wird gesucht.
  • Eine grenzüberschreitendende Lösung für die Ausbildung im Metallbereich und den Fachkräftemangel wird gesucht.
  • Foto: BFI
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GROßPETERSDORF. Fachkräftemangel, mäßiges Image der Lehrberufe und die oft genannte Modernisierung der Dualen Berufsausbildung ist nicht nur in Österreich ein aktuelles Thema. Auch in Slowenien werden Maßnahmen gesucht, um mehr junge Menschen für defizitäre Berufsbilder zu begeistern.

Große Ziele

Das Interreg-Projekt „INNOVET“ fördert durch die Kooperation von Partnern aus Bildung, Wirtschaft und Politik die Entwicklung innovativer Lösungsansätze.
„Die Lehrausbildung für Schweißer innovativ, attraktiver und praxisnäher gestalten, das Image der Lehrausbildung im Metallbereich verbessern und damit den Facharbeitermangel in der Österreichisch-Slowenischen Grenzregion nachhaltig bekämpfen – wir haben uns mit dem Projekt große Ziele gesteckt“, so der Geschäftsführer des Berufsförderungsinstituts Burgenland, Jürgen Grandits.

BFI-Metallausbildungszentrum Großpetersdorf

Das BFI stellte das Projekt gemeinsam mit Projektpartnern und Unterstützern am 25.09.2018 im BFI-Metallausbildungszentrum in Großpetersdorf vor. „Im Rahmen des Projektes wird insbesondere auf die Steigerung der praxisnahen Ausbildung in Pilotklassen, aber auch auf Informationskampagnen, pädagogische und fachpraktische Ausbildungen für zukünftige Lehrlingsausbilder sowie die Einbettung innovativer Ansätze wie e-learnings gesetzt“, so Grandits.

E-Learning

Gemeinsam mit dem steirischen e-learning-Spezialisten bit media e-solutions GmbH, der
slowenischen regionalen Wirtschaftskammer Štajerska, dem Schulzentrum Ptuj und der slowenischen Niederlassung des Kranbauers Palfinger entwickelt und implementiert das Berufsförderungsinstitut Burgenland über die nächsten drei Jahre Maßnahmen zur modernen, praxisbezogenen und attraktiven Gestaltung der Schweißtechnik.
„Wir wollen Jugendliche dazu motivieren, sich für Lehrlingsberufe zu interessieren. Spezifische Betonung wird dabei auf Schweißer als regional defizitäre Gruppe gelegt. Wir wollen durch das Projekt auch zur Verbesserung des Systems der dualen Ausbildung beitragen und somit entscheidend auf die langfristige Lösung des grenzüberschreitenden Problems des Fachkräftemangels in der lokalen Wirtschaft einwirken“, erklärt Aleksandra Podgornik, Direktorin der slowenischen regionalen Wirtschaftskammer Štajerska.

Interreg V-A Slowenien-Österreich

Dieses Projekt wird im Rahmen des Kooperationsprogramms Interreg V‐A Slowenien‐Österreich vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Initiiert wurde das Projekt durch das österreichische AußenwirtschaftsCenter der WKO in Ljubljana.
„Die Zahl der Unternehmen, die vor der großen Herausforderung stehen qualifizierten Nachwuchs für Facharbeiterpositionen zu finden, steigt auf beiden Seiten der Grenze. Ein Grund mehr, Lösungsansätze auch grenzüberschreitend und interdisziplinär zu erarbeiten. Dabei setzen wir mit dem Projekt ganz klar auf die Steigerung der Attraktivität einer Berufsbildung für potentielle Lehrlinge in der Region als Alternative zur Arbeitsmigration“, betont Paul Olynec, Projektmanager am AußenwirtschaftsCenter und Projektkoordinator in INNOVET.

Absolutes Neuland

Für Slowenien, wo die theoretische und praktische Berufsausbildung aktuell fast ausschließlich in Schulen stattfindet, stößt das Projekt auch auf viel Neuland.
Oton Mlakar, Direktor des Schulzentrums Ptuj: „Gemeinsam mit den Partnern entwickeln wir im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ein Curriculum, dass an die Bedürfnisse von Unternehmen angepasst ist und den Schülern damit einen reibungslosen Transfer von der Ausbildungs- in die Arbeitswelt ermöglicht. Mentoren in Unternehmen und Lehrer in der Berufsschule teilen sich in dem Projekt die Verantwortung für den Lernfortschritt der Schüler, die sowohl im Unternehmen als auch in der Schule ausgebildet werden.“

Praktische Erfahrung fehlt

Eine Verbesserung der Qualifikation slowenischer Berufsschüler erwartet man sich durch das Projekt bei der 700 Mitarbeiter zählenden slowenischen Niederlassung von Palfinger. „Den Schülern hier fehlt es meist an praktischer Erfahrung, sie sind daher auf dem Arbeitsmarkt weniger wettbewerbsfähig als Lehrlinge in Österreich, die ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben“, erklärt der technische Leiter des Werkes in Maribor, Danilo Slana. „In unseren slowenischen Betrieben beginnen junge Facharbeiter zwischen dem 27. und 30. Lebensjahr, völlig unabhängig zu arbeiten. In Österreich
passiert das bereits mit 20 bis 22 Jahren", so Slana.

Umfassende Modernisierung

Essentiell für die Attraktivität der Ausbildung ist eine umfassende Modernisierung auch abseits der Curricula: „Hier bringen wir mit völlig neu entwickelten e-learning-Inhalten im Zuge von blended learning sowie interaktiven online-Plattformen erhebliche Neuerungen für angehende Schweißer ein. Die Ausbildung wird dadurch zeitgerecht und um vieles flexibler und ansprechender gestaltet“ so Wolfgang Schaffer, Prokurist und Senior Project Manager bei bit media.

Autor:

Karin Vorauer aus Oberwart

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