02.11.2016, 08:00 Uhr

Der Brauch von der Martinigans

Der genaue Ursprung der Martinigans bzw. des Gansl-Essens kann nicht ganz eindeutig geklärt werden. (Foto: Brigitte Katzensteiner)

Am 11. November wird alljährlich der St. Martinstag als Festtag des Heiligen Martin von Tours gefeiert.

Fester Bestandteil dieses Feiertages ist neben dem Martinsumzug und dem Martinisingen auch das Martini-gansl-Essen. In vielen Dörfern ist der Heilige St. Martin Kirchenpatron - Anlass genug für ein großes Fest, den sogenannten "Kirtag" oder "Kirchtag".

Zweifelhafte Überlieferung
Der Überlieferung nach soll der Heilige Martin befohlen haben, Gänse zu schlachten, weil diese sein Mönchsleben störten. Diese Geschichte ist jedoch nur schwer vorstellbar, da eine solche Handlungsweise nicht zu seinem Heiligenstatus passt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass hier ein heidnischer Brauch übernommen wurde.

Wachhunde der Kelten
Die Kelten hielten sich Gänse als Haus- und Kulttiere. Die wachsamen Tiere dienten den Kelten das ganze Jahr über als "Wachhunde". Im Herbst wurde mit Ausnahme einiger Zuchtpaare die gesamte Schar geschlachtet. Dies geschah aus rituellen Gründen immer an dem Tag, an dem das Sternbild der Plejaden an das nächtliche Firmament zurückkehrte, dem 11. November. Der St. Martinstag war demnach eine Art heidnisches Erntedankfest.

Findige Bauern
Das Martinigansl-Essen steht auch in Verbindung mit dem Hauptzinstag der Bauern: Am St. Martinstag begann das neue Wirtschaftsjahr, weshalb an das Gesinde die Löhne ausbezahlt, Pachtverträge geschlossen und Steuern abgeführt wurden. Zu der Zeit konnten außerdem Knechte sowie Mägde nach Wunsch ihren Dienstherrn wechseln. Aus Kostengründen wurde daher das Vieh - vorzugsweise Gänse - vor dem Winter geschlachtet, um Futter zu sparen. Aus diesem Martinigansl-Schlachten ergab sich der Brauch, am St. Martinstag, vor der langen Fastenzeit im Advent, Gänsebraten bzw. Martinigansl zu essen.
Die Gans war auch eine bevorzugte Zinsbeigabe an den Grundherrn, damit wurden gewisse Tribute in Form von Gänsen bezahlt.
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