Ökosystem zerstört
Dürretragödie an der unteren Gusen
- Aus Tümpeln an den schattigen Stellen wurden noch viele Tiere gerettet.
- Foto: Werner Krieger
- hochgeladen von Eckhart Herbe
Das, woran sich niemand in der Bevölkerung am Unterlauf der Gusen jemals erinnern kann, ist am Wochenende traurige Realität geworden: In der Gemeinde Langenstein ist die Gusen völlig versiegt, ihr Wasser schafft es nicht mehr bis zur Mündung in die Donau nahe Mauthausen. Ein intaktes, artenreiches Ökosystem ist durch die Jahrhundertdürre zerstört worden.
LANGENSTEIN, ST. GEORGEN/GUSEN. Es ist ein bedrückendes Bild, das sich im sonstigen Flussidyll in Gusen Dorf und rund um die Ruine Spilberg bietet: Über knapp zwei Kilometer ist die Gusen versiegt. In morastigen, stinkenden Tümpeln und eingetrockneten Schlammbänken finden sich immer wieder fliegenübersäte Fischkadaver, manchmal auch die eingetrockneten Reste ganzer Jungfischschwärme oder Schalen von Flussperlmuscheln.
Helfer retteten noch viele Fische
"Ich war in den letzten Tagen mehrmals an der Gusen. Das Wasser wurde immer weniger, aber immer ist es noch geflossen. In St. Georgen ist der Pegel zwar auch schon sehr niedrig, aber noch genug für ein Überleben des Ökosystems. Durch Sellner- und Derntlgrabenbach kommt wahrscheinlich etwas Wassernachschub. Ich habe sogar noch einen Biber gesehen. Richtung Wochenende war dann eineinhalb Kilometer flussabwärts, etwa ab Beginn von Gusen-Dorf, plötzlich der Fluss völlig verschwunden", erzählt Hobbyfischer und Naturschützer Werner Krieger.
- Hier profitieren nur mehr Aasfresser vom Öko-Desaster.
- Foto: Werner Krieger
- hochgeladen von Eckhart Herbe
Gemeinsam mit dem Fischereiverantwortlichen und etwa 15 zusammengetrommelten Helfern begann am Freitag und Samstag eine hektische Rettungsaktion. Aus den nun stehenden, sich rasch erwärmenden und austrocknenden Wasserresten wurden todgeweihte Fische und Muscheln mit Keschern gefangen und nahe der Mündung in die Donau ausgesetzt, wo die Gusen dank Rückstaus und des einmündenden Riederbachs wieder etwas Wasser führt.
Notfallpläne dringend nötig
"Ein kleiner Sieg, aber es wären weit mehr Helfer nötig gewesen. Uns allen blutet das Herz. Wenn sich solche Krisen häufen, brauchen wir gemeinsam mit den Gemeinden, Fischereiverband und Vereinen unbedingt einen Plan, um schnell informieren und mobilisieren zu können. Auch Rechtliches ist ungeklärt - die Fischwässer sind ja verpachtet, da kann man nicht einfach reinsteigen, die Fische fangen und wo anders aussetzen, auch wenn es um deren Leben geht", appelliert Krieger.
"Uns allen blutet das Herz. Wenn sich solche Krisen häufen, brauchen wir gemeinsam mit den Gemeinden, Fischereiverband und Vereinen unbedingt einen Plan, um schnell informieren und mobilisieren zu können."
Werner Krieger
Er fürchtet ein weiteres Austrocknen in den kommenden Tagen flussaufwärts. Denn auch oberhalb von St. Georgen plätschert im schattigen Gusental nur mehr ein müdes Rinnsal zwischen den Felsen. Zu wenig auch, um die Turbinen der kleinen Wehranlagen, etwa bei der Knollmühle, zu betreiben.
Wasserentnahmen verschärfen Lage
Neben extremer Hitze und Niederschlagsmangel vermuten die Fischer auch ungeregelte Wasserentnahmen als weitere Ursache des Versiegens. Entlang der Gusen und auch vieler anderer Flüsse würden an vielen Stellen Leitungen zur Gartenbewässerung, für die Landwirtschaft oder Sportplätze bestehen. Bei der generell geringen Wasserführung des Flusses machen auch im Verhältnis kleine Entnahmen weniger hundert Liter in Summe viel aus. Unzählige Hausbrunnen zapfen ergänzend den Grundwasserstrom an, was wiederum die Kreisläufe des Flussökosystems beeinflusst.
Wasserentnahme-Richtlinie in Kritik
Wer wann und wo wie viel entnimmt, ist de facto unbekannt. Eine Wasserentnahme-Richtlinie nach EU-Vorgaben ist derzeit in Österreich zwar in Entwicklung, würde all diese Kleinverbraucher aber nicht einmal erfassen. Der Entwurf steht daher in heftiger Kritik von Experten und Umweltorganisationen. Die Handlungsspielräume der betroffenen Gemeinden und Behörden beschränken sich momentan angesichts dieser Datenlage daher primär auf Appelle, den austrocknenden Flüssen nicht für den privaten grünen Rasen oder gar zum Autowaschen den Todesstoß zu versetzen. Für die sterbende Gusen bleibt aktuell nur der Blick nach oben und das Hoffen auf möglichst raschen Wassernachschub.
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