Fokus Frau
Zwei die "Mutmachen" zu ihrem Beruf gemacht haben

Sonja Wappel aus Werfen und Burgi Writzel aus Großarl sind im gesamten Innergebirge unterwegs um Familien von schwererkrankten Kindern zu helfen.
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  • Sonja Wappel aus Werfen und Burgi Writzel aus Großarl sind im gesamten Innergebirge unterwegs um Familien von schwererkrankten Kindern zu helfen.
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Die Werfenerin Sonja Wappel und die Großarlerin Burgi Writzel sind Mitarbeiterinnen des mobilen Kinderhospiz Papageno Innergebirg, das seinen Standort im Kardinal Schwarzenberg Klinikum Schwarzach hat. Die beiden Kinderkrankenschwestern haben sich dazu entschlossen, bei ihrem Beruf einen Schritt weiter zu gehen, und helfen Familien mit schwerkranken Kindern. Als Mutmacherinnen von Beruf gaben uns Wappel und Writzel ein Interview. Sie betreuen und begleiten Kinder mit schweren Erkrankungen und begrenzter Lebenserwartung in deren vier Wänden.

BEZIRKSBLÄTTER: Wie kommt es, dass Sie sich für die Hospizarbeit entschieden haben?
SONJA WAPPEL: Der Bereich Palliativpflege im Kinderbereich hat mich immer schon bewegt. Erst die Krankheit und der Tod meiner Oma haben mich darin bestärkt, Kinder und ihre Angehörigen in dieser belastenden Situation zu Hause bestmöglich zu begleiten und zu betreuen.
BURGI WRITZEL: Kinder mit besonderen Bedürfnissen liegen mir seit Beginn meiner Pflegetätigkeit am Herzen. Zudem empfinde ich eine gewisse Dringlichkeit, Eltern mit ihrem schweren Schicksal zu unterstützen.

Wo gab es Stolpersteine auf Ihrem Weg?
SONJA WAPPEL: Wir wurden seit unserer Ausbildung 2017 von vielen Seiten sehr unterstützt. Das Papageno „Stadt-Team“ hat uns bestens auf unsere Selbstständigkeit „Innergebirg“ vorbereitet. Die Koordination mit unserer Arbeit im Klinikum Schwarzach war eine Herausforderung, hat sich jedoch mittlerweile sehr gut eingespielt.
BURGI WRITZEL: Wir wurden von vielen Seiten großzügig unterstützt. Doch die Flexibilität zu erlangen, um für zwei Arbeitgeber optimal zu arbeiten, war eine Herausforderung.

Was hat besonders viel Mut erfordert?

SONJA WAPPEL: Sich für einen Beruf zu entscheiden, über den in der Gesellschaft kaum gesprochen wird. Keiner kann und will sich vorstellen, sich zu früh von seinem Kind verabschieden zu müssen. Familien in so einer Situation nicht alleine zu lassen, sie multiprofessionell zu betreuen, sich schwierigen und traurigen Situationen zu stellen, erfordert einerseits viel Mut, gibt jedoch auch viel Kraft und lässt einen wieder deutlich spüren, worauf es im Leben ankommt.
BURGI WRITZEL: Auseinandersetzung, Konfrontation mit großem Leid und Ängste in den Familien – sich dem zu stellen erfordert Mut. Manchmal fürchtet man sich vor Ohnmachtsgefühlen, einmal nicht helfen zu können.

Wo oder wie holen Sie sich neue Kraft oder Ausgleich von der Arbeit?

SONJA WAPPEL: Kraft gibt uns wertschätzender Rückhalt und Austausch im Team. Du bist eben einfach nicht alleine! In wöchentlichen Besprechungen wird jede Meinung gehört und gemeinsam, im besten Sinne der Kinder und Familien, das weitere Vorgehen geplant. Am Ende sind es jedoch immer die Kinder und Eltern, die entscheiden, was für sie am besten ist. Auch die enorm dankbaren Familien, die uns immer wieder das Gefühl geben, eine große Stütze für sie zu sein, bestärken uns darin, die richtige Berufswahl getroffen zu haben.
BURGI WRITZEL: Kraft gibt mir der gute Zusammenhalt im Team sowie die Anerkennung und Dankbarkeit der betreuten Familie uns gegenüber. Meinen Ausgleich finde ich bei meiner Familie, ich gehe gerne und sehr viel in die Berge und auch der Chorgesang hilft.
SONJA WAPPEL: Der Palliativbereich erfordert viel Mitgefühl. Wichtig ist, nicht mitzuleiden oder gar quälende Sorgen zu haben. Unseren Ausgleich finden wir bei unseren Familien, beim Sport, dem Musizieren und Singen.

Was macht Ihren Beruf für Sie besonders?
SONJA WAPPEL: Die ehrliche Arbeit mit Kindern und ihren Angehörigen in einer Krisensituation erfordert fachliche und menschliche Kompetenz. Neben der Behandlung von Symptomen ist es die psychosoziale Komponente, die uns herausfordert. Lebensbedrohliche Situationen, ein Auf und Ab der Gefühle, verschiedenste Familienkonstellationen, Kulturen und Religionen setzen ein großes Einfühlungsvermögen voraus. Letzten Endes ist es für uns einfach ein sehr erdender Beruf. Viel zu oft ärgert man sich über Nichtigkeiten, ist neidisch und unzufrieden, obwohl man alles hat. Mit Sicherheit möchte niemand in der Haut jener Eltern stecken, die um das Leben ihrer Kinder bangen, oft über mehrere Jahre alles andere unterordnen und den Kampf am Ende doch meist verlieren. Ihnen gilt der größte Respekt!
BURGI WRITZEL: Es ist die Gewissheit, Menschen in großem Leid unterstützen zu können und um die Sinnhaftigkeit unserer Tätigkeit zu wissen.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

SONJA WAPPEL: Unser großer Wunsch wäre eine landesweite Regelfinanzierung. Es darf nicht spendenabhängig sein, ob Kinder und deren Familien, in der wohl schwierigsten Zeit ihres Lebens, multiprofessionelle Betreuung zu Hause erhalten können oder nicht. Weiters ist uns der Ausbau unseres Papageno-Teams ein großes Anliegen. Derzeit fahren neben uns zwei Krankenschwestern noch ein Arzt und eine Ärztin, und seit Kurzem auch ein Physiotherapeut und eine Physiotherapeutin zu den Familien nach Hause. In unserem Palliativ-Team fehlen unter anderem noch: Logopädie, Psychologie, Sozialarbeit, usw. Hierbei können wir zwar stationär auf Ressourcen des Klinikums (Anmerkung der Redaktion: Kardinal Schwarzenberg Klinikum Schwarzach) zurückgreifen, jedoch ist es essentiell, dass die Familien ihre gewohnte und vertraute Umgebung so wenig wie möglich verlassen müssen und durch Hausbesuche versorgt sind.
BURGI WRITZEL: Ich will den Mut und die Kraft zu dieser Arbeit nicht verlieren. Für die betroffenen Familien wünschen wir uns eine breite, über unsere Tätigkeit hinaus gehende regelfinanzierte Unterstützung.

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Autor:

Anita Marchgraber aus Pongau

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