Leises Servus nach einer „lauten“ Karriere

Sie winkt zum Abschied!

Sie hat in ihrer Karriere alles erreicht, was es zu erreichen gab. Fast alles: Nur eine Olympiamedaille fehlt in Manuela Rieglers Sammlung neben den Weltcupkugeln und WM-Medaillen in allen Farben. „Das wäre die Krönung gewesen, aber traurig bin ich deswegen nicht“, erklärt die sympathische Boarderin. Im Interview mit BB-Redaktionsleiter Christoph Enengl spricht die 35-jährige Flachauerin über Erfolge, Misserfolge, ihr Leben als Sportlerin und das „Danach“.

Bei den Spielen in Vancouver hat ein Trainingssturz deine Medaillenhoffnungen zunichte gemacht. Hast du den „Olympiaschock“ schon verdaut?
MANUELA RIEGLER:
„Das Timing des Sturzes war brutal schlecht. Wegen des Schlechtwetters haben wir bei den Spielen nur einen einzigen Trainingstag zur Verfügung gehabt. Ich wollte meine Chance nützen und den Parcours einmal im Renntempo fahren. Von meinem Sturz selber weiß ich gar nichts mehr. Mit einer schweren Gehirnerschütterung war ein Start undenkbar – wenn ich auch bis zur letzten Minute gehofft habe, doch noch an den Start gehen zu können. Ich habe aber eingesehen, dass es keinen Sinn macht. Schließlich geht es bei Olympia nicht um gute Platzierungen sondern um Medaillen. Da muss am Bewerbstag alles zusammenpassen. Es hat nicht sollen sein. Ich bin kein Mensch, der zurückblickt, sicher hat es aber einige Zeit gedauert, bis ich alles realisieren konnte.“

Was hat dich letzten Endes zu der Entscheidung bewogen, deine Karriere zu beenden?
MANUELA RIEGLER:
„Die Entscheidung ist im Prinzip vor zwei Jahren gefallen. Vancouver war mein großes Ziel – und ich habe von Anfang an gewusst, dass ich nach den Spielen meine Karriere beenden werde. 16 Jahre im Snowboardweltcup sind einfach genug, ich habe schon während der gesamten Saison gemerkt, dass mir ein wenig die Motivation fehlt. Eine Überlegung von mir waren noch die Weltmeisterschaften im kommenden Winter. Aber WM-Medaillen habe ich schon in allen Farben. Nur Olympia hat mir eben noch gefehlt.“

Bist du traurig, weil es letzten Endes nie für olympisches Edelmetall gereicht hat?
MANUELA RIEGLER:
„Nein, gar nicht. Ich habe in meiner Karriere viele schöne Erfolge feiern dürfen. Im Endeffekt wäre eine Olympiamedaille die Krönung und ein schöner Abschluss meines Sportlerdaseins gewesen.“

Was waren für dich persönlich deine größten Triumphe?
MANUELA RIEGLER:
„Schwierig zu sagen, weil jeder Erfolg für mich etwas Besonderes war. Sicher gehört die Medaille bei der ersten Snowboard-WM in Lienz dazu. Drei Wochen vorher habe ich mir im Training das Schlüsselbein gebrochen. Mit den fehlenden Trainingseinheiten hat mich keiner auf der Rechnung gehabt. Nach Rang sieben im ersten Durchgang, habe ich im zweiten Lauf alles riskiert. Ich habe mich sehr darüber geärgert, als der ‚2er‘ im Ziel gestanden ist. Im Endeffekt blieb der zweite Platz bis zum Schluss. Zu meinen größten Erfolgen gehört sicher noch der erste Gesamtweltcupsieg in der Saison 1998/99. Vor dem letzten Rennen habe ich mir ausgerechnet, dass ich zum Gewinn der großen Kristallkugel einen Platz unter den ersten zwei brauche. Nachdem ich fast zu Sturz kam, hat es am Ende genau für den zweiten Rang gereicht. Ein Traum war natürlich die Wiederholung des Gesamtweltcup-Sieges im Jahr darauf. Die absolute Krönung kam dann mit dem WM-Titel im Parallel-Riesentorlauf im Jahr 2005. Trotz des Regens bin ich mit einem Lächeln am Start gestanden, ich habe einfach gewusst, dass heute mein Tag ist!“

In deinen 16 Jahren im Profisport hast du 308 Weltcuprennen absolviert – so viele wie kein anderer. An welches erinnerst du dich am liebsten zurück?
MANUELA RIEGLER:
„Nach sechs zweiten Plätzen in der Saison habe ich in Sun Peaks 1996 meinen ersten Weltcupsieg feiern können. Ich hatte es satt, nie ganz oben auf dem Podium zu stehen. Dieser Sieg war sehr befreiend für mich, ich weiß noch ganz genau wie ich im Zielraum ‚Endlich!‘ geschrien habe. Egal waren mir die zweiten Plätze aber bei den beiden Doppelsiegen mit meiner Schwester Claudia. Ich habe mich einfach für sie und unsere Leistung im Doppelpack gefreut.“

Wenn du deine Snowboardkarriere in wenigen Worten zusammenfassen müsstest, wie würde dein Resümee ausfallen?
MANUELA RIEGLER:
„Eine unglaublich coole Zeit, die mich wahnsinnig geprägt hat. Durch meine Erfolge, aber vor allem durch die Niederlagen bin ich sehr gereift. Ich bin sehr glücklich und dankbar dafür, dass ich so viel Plätze auf der Welt sehen durfte.“

Nach Jahren im Spitzensport stellt sich die Frage, wie geht es jetzt beruflich bei dir weiter?
MANUELA RIEGLER:
„Eine Ausbildung zum Freizeit- und Veranstaltungsmanager habe ich schon abgeschlossen, die zweite im Wellness- und Fitnessbereich mache ich gerade am WIFI. Meine Überlegungen gehen jetzt in mehrere Richtungen. Einerseits glaube ich, dass mir die Eventorganisation sehr liegt. Snowboard war und ist nach wie vor meine Leidenschaft, da ist es schwierig einen Job zu finden, der mich ähnlich erfüllt. Die Suche danach wird sicher eine Herausforderung. Ich möchte aber unbedingt noch einige andere Sparten kennen lernen, bevor ich mich entscheide.“

Eine Zukunftsprognose: Wie siehst du dich selbst im Jahr 2030?
MANUELA RIEGLER:
„Mit zwei Kindern und glücklich verheiratet, wobei die Hochzeit für mich kein unbedingtes MUSS ist. Mir ist es wichtig, dass ich mit meiner Familie glücklich bin und ein gleichermaßen idyllisches als auch harmonisches Leben führen kann. So wie sich das eigentlich jeder von uns vorstellt.“

Deine mittlerweile Ex-Teamkollegin Doresia Krings hat es vorgemacht, dass man von einem Rücktritt auch wieder zurücktreten kann. Schließt du das für dich aus?
MANUELA RIEGLER:
„Ja! Bald bin ich 36, bei meiner Entscheidung spielt das Alter eine große Rolle. Für mich selbst muss ich einen Schlussstrich ziehen, auch wenn das nicht einfach wird. In den 16 Jahren habe ich eine sehr intensive Zeit erlebt. Trotz des Druckes habe ich ein lässiges Leben geführt. Das Fahren selbst werde ich nicht so vermissen, sehr wohl aber das ganze Drumherum.“

Und ein Comeback als Vorläuferin beim legendären Heimrennen in Gastein?
MANUELA RIEGLER:
„Wenn Bad Gastein wieder einen Weltcup-Boardercross bekommt, werde ich auf alle Fälle vor Ort sein, nicht jedoch als Vorläuferin.Sehr wohl möchte ich Franz Weiss bei der Organisation helfen, wenn er mich braucht.“

Eine abschließende Frage: Noch steht kein Angebot im Raum, aber kannst du dir in der Zukunft einen Trainerjob beim ÖSV vorstellen?
MANUELA RIEGLER:
„Prinzipiell ist der Reiz da. Mit dem Minimalbudget ist es im ÖSV aber schwierig, Ziele die man sich steckt auch umzusetzen. Für mich müssen die gesamten Rahmenbedingungen stimmen. Es heißt ja ‚Sag niemals nie‘ – ein Trainerjob ist für mich nicht ausgeschlossen. Vielleicht in Österreich, möglich aber auch in einem anderen Land.“

Autor:

Bezirksblätter Pongau aus Pongau

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