Im Gespräch
AMB-Obmann Horst Pürstl stellte sich unseren Fragen

Horst Pürstl, Obmann des Außerferner Musikbundes.
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  • Horst Pürstl, Obmann des Außerferner Musikbundes.
  • Foto: Rolf Marke
  • hochgeladen von Günther Reichel

Der Außerferner Musikbund (AMB) feiert sein 90. Bestandsjubiläum. Wir baten Obm. Horst Pürstl zum Gespräch.

Jubiläumsjahr 2019

Heuer steht ein rundes Jubiläum an. Was darf man sich erwarten?
Horst Pürstl:
Musikalisch ist, wie jedes Jahr, viel los. Die meisten Veranstaltungen werden von den Kapellen in den Gemeinden organisiert. Der AMB selbst ist eine Dachorganisation und tritt eher im Hintergrund in Erscheinung. Ein echtes Highlight, das vom AMB ausgeht, gibt es aber, das Bezirkswertugnsspiel am 18./19. Mai 2019.

Dieses Wertungsspiel findet alle zwei Jahre statt. Ist im Jubiläumsjahr etwas Spezielles geboten?
Es soll größer werden als üblich. Im Rahmen der Preisverteilung werden wir einen Festakt einbauen, zu dem wir viele Ehrengäste einladen werden.

Das klingt fast schon bescheiden, für einen so mitgliederstarken Verein.
Wie gesagt, es tut sich viel in Sachen Blasmusik, das meiste geht aber direkt von den Kapellen aus, etwa die vielen Frühjahrskonzerte und ganz speziell natürlich das Bundesmusikfest. Dieses findet heuer in Weißenbach statt.

Tut sich sonst noch etwas Außergewöhnliches, das in direktem Zusammenhang mit dem Jubiläum steht?
Wir sind dabei, ein Auswahlorchester zusammenzustellen. In diesem sollen Musiker aller Kapellen vertreten sein. Martin Rainer (ehemaliger Bezirkskapellmeister und Mitglied der Wr. Sinfoniker, Anm.) wird für dieses Orchester einen eigenen Choral komponieren. Der soll künftig bei besonderen Anlässen vom Auswahlorchester, aber auch von unseren Mitgliedskapellen gespielt werden.

Fast 2000 Mitglieder

Der Außerferner Musikbund, genauer gesagt die zugehörenden Kapellen, zählen zusammen fast 2000 Mitglieder. Das ist wirklich beachtlich. Wie ist das möglich, dass Jung und Alt Seite an Seite spielen?
Die Faszination, bei einer Kapelle mitzumachen, ist ungebrochen. Ich denke, wer eine Tracht überzieht, ist sofort 'dabei'. Es ist dieses Zugehörigkeitsgefühl, das viele Menschen sonst nicht mehr so haben. Außerdem natürlich die Freude, ein Musikinstrument in einer großen Gemeinschaft zu spielen. Das macht Spaß.

Gibt es Altersgrenzen nach unten, bzw. nach oben, um in einer Kapelle mitspielen zu können?
Die Jüngsten treten im Volksschulalter ein. Manche haben davor schon eine musikalische Früherziehung im Kindergarten mitgemacht. Nach 3 bis 4 Jahren Ausbildung an der Musikschule und Ablegung des Bronzenen Leistungsabzeichens, wird man in der Regel in der Kapelle aufgenommen. Dann heißt es mit Geduld und Ausdauer in der Kapelle „musikalisch Fuß“ zu fassen. Ganz viel wird natürlich daheim geübt. Schaut man in die Kapellen hinein, sind die jüngsten Mitglieder, die mitspielen bzw. mitmarschieren, 12 bis 13 Jahre alt. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Da bestimmen die Freude an der Musik und die Gesundheit, wie lange aktiv bleibt.

Kann jeder ein Instrument erlernen, oder gibt es auch 'hoffnungslose Fälle'?
Mit gewissen Abstrichen, kann eigentlich jeder ein Instrument lernen. Natürlich gibt es talentierte und weniger talentierte Musikanten. Wer gar kein Talent hat, wird vielleicht die Lust bald verlieren und sich ein passendes Hobby suchen und sicher finden..

Ist es für junge Musikanten schwierig, in einer Kapelle Fuß zu fassen?
Das ist individuell verschieden. Aber die Kameradaschaft ist in allen Kapellen sehr ausgeprägt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Jungen schnell ihren Platz finden. Die Mitgliedschaft ist auch eine gute Lebensschule. Man lernt, eine eigenen Meinung zu bilden und auch gegen ältere zu vertreten. Das ist wichtig für das ganze weitere Leben.


Das Wesen der Blasmusik

Wenn Sie in Schlagworten das 'Wesen der Blasmusik' skizzieren sollten, was fällt Ihnen dann spontan ein?
Takt. Respekt. Kameradschaft. Selbstvertrauen. Wertschätzung. Und Kompromissbereitschaft braucht es auch.

Ich möchte gerne noch einmal zum Außerferner Musikbund zurück kommen. Welche Rolle hat er genau?
Der AMB ist die 'Servicestation' für alle Mitgliedskapellen im Bezirk. Wir stehen beratend und unterstützend zur Seite, wenn man uns braucht.

Der Verein feiert seinen 90. Geburtstag. Wenn Sie nach vorne schauen, haben Sie Wünsche für die Zukunft, was den AMB anlangt?
Schön wäre es, wenn unsere Kapellen die 2000er-Marke bei den Mitgliederzahlen knacken würden. Nicht nur einmalig, sondern nachhaltig. Das ist gar nicht so einfach, denn der Mitgliederstand schwankt ständig. Und dann hoffe ich, dass das Ehrenamt ein Ehrenamt bleibt. Wer in den Kapellen mitmacht - egal ob als Musikant oder Funktionär - sollte das unentgeltlich tun. Da und dort braucht es Aufwandsentschädigungen, das ist schon wichtig. Mehr Geld sollte aber nicht fließen. Das Kommerzdenken hat in den Kapellen meiner Meinung nach keinen Platz.

Interview: Günther Reichel

Steckbrief

Horst Pürstl, Jahrgang 1964, wohnt in Höfen, ist verheiratet mit Daniela, hat drei Kinder und vier Enkelkinder. Mit zwölf Jahren trat er als Gründungsmitglied der MK Höfen bei. Er erlernte Schlagzeug und Flügelhorn. Letzteres spielt er noch heute in der MK Höfen. Als Funktionär war Pürstl 6 Jahre Archivar und 14 Jahre Obmann der MK Höfen und 20 Jahre im Vereinsvorstand. Seit 14 Jahren ist er Obmann des Außerferner Musikbundes.
Beruflich ist er gelernter Textilmechaniker, nach der Lehre und dem Bundesheer führte ihn der berufliche Werdegang zur Gendarmerie. Hier war er 20 Jahre tätig, dann wechselte er als Standesbeamter zur Marktgemeinde Reutte. In dieser Funktion hat er bisher rund 500 Trauungen durchgeführt.
Außerdem ist Horst Pürstl der erste und bislang einzige diplomierte Obmann einer Musikkapelle im Außerfern.

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