Namlosbach-Projekt
EW Reutte äußern sich zu den Namlosbach-Plänen
- In dieser Karte ist der Stollen, der Wasser des Namlosbachs in den Rotlechstausee überleiten soll, eingezeichnet.
- Foto: Archiv/EW Reutte
- hochgeladen von Günther Reichel
NAMLOS/STANZACH. Für die Elektrizitätswerke Reutte ist das derzeit in Begutachtung befindliche Vorhaben zur Ableitung von Wasser aus dem Namlosbach in Richtung Rotlechstausee und in der Folge die Nutzung des Wasser für die Stromgewinnung von großer Bedeutung.
In einer Stellungnahme hält man fest, dass man als regionaler Energieversorger Verantwortung für eine langfristig sichere und nachhaltige Energieversorgung trage. Dazu gehöre auch die Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energie vor Ort: "Aufgrund der Sensibilität des Naturraums wurden neben den technischen und energiewirtschaftlichen Fragen auch die ökologischen Auswirkungen in dem Teilprojekt zum Namlosbach umfassend betrachtet. Fünf ökologische Fachgutachten mit mehr als 800 Seiten, einer Natura-2000- Verträglichkeitserklärung sowie weiteren technischen Fachberichten bilden die Grundlage für das laufende behördliche Verfahren."
Kein Verständnis zeigt man für das "Schüren von Emotionen mit einfachen Bildern, die der Realität nicht entsprechen."
Stellungnahme der EW Reutte
Nachfolgend die Stellungnahme der Elektrizitätswerke Reutte in vollem Umfang:
"Mit der Optimierung der Kraftwerkskette Plansee verfolgen die Elektrizitätswerke Reutte (EWR) ein langfristiges Vorhaben, das zwei Ziele verbindet: die energetische Aufwertung der bestehenden Anlagen und die ökologische Verbesserung von Gewässern.
Mit diesem Projekt sollen jährlich rund 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie erzeugt werden. Genau diese Speicherungs- und Steuerfähigkeit ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende und die Versorgungssicherheit in der Region.
Mit diesem Projekt, unterteilt in fünf Teilprojekte, sorgen wir für die Energieversorgungssicherheit von über 40.000 Haushalten in der Region im Außerfern und im Allgäu.
Dies geschieht ohne neue große Kraftwerksstandorte. Wir bauen kein neues Großkraftwerk, sondern verbessern die Nutzung dessen, was bereits besteht. Zugleich sind Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur, der ökologischen Durchgängigkeit und der Hochwassersicherheit vorgesehen.
Schutz des Naturraums Tiroler Lech
Der Naturraum Tiroler Lech hat für die Region und für die EWR eine besondere Bedeutung. Zu seinem Schutz und seinem Status als Naturpark und Natura-2000-Gebiet bekennen wir uns ausdrücklich und er steht für die EWR außer Frage, d. h. wir werden kein neues Kraftwerk im Lech planen und bauen.
Energieversorgung und regionale Verantwortung
Als regionaler Energieversorger tragen wir zugleich Verantwortung für eine langfristig sichere und nachhaltige Energieversorgung. Dazu gehört, die Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energie vor Ort bestmöglich zu nutzen, die Abhängigkeit von Stromimporten zu reduzieren, einen Beitrag zum Ziel 'Tirol 2050 energieautonom' zu leisten und einen wettbewerbsfähigen Strompreis auch in Zukunft zu sichern.
Gerade die Notwendigkeit von Speichern, um den Überschuss an Photovoltaik-Energie zu speichern und den Energiebedarf an bedeckten Tagen sicherzustellen, stellt unsere Generation vor neue Herausforderungen. Genau deshalb müssen und dürfen wir offen darüber diskutieren, wo regionale, erneuerbare Energieproduktion mit Blick auf Energiesicherheit, regionale Wertschöpfung, Arbeitsplatzsicherung, Strompreis und Ökologie sinnvoll ist und wo sie erlaubt sein darf oder sein muss.
Die Ereignisse in den letzten sechs Jahren, beginnend bei der Corona-Krise, die Lieferkrise, dem Ukraine-Krieg und zuletzt die Eskalation im Nahen Osten, zeigen uns, wie abhängig wir sind und welche Auswirkungen diese Abhängigkeiten auf unser Energiesystem haben.
Fachliche Prüfung und behördliches Verfahren
Aufgrund der Sensibilität des Naturraums wurden neben den technischen und energiewirtschaftlichen Fragen auch die ökologischen Auswirkungen in dem Teilprojekt zum Namlosbach umfassend betrachtet. Fünf ökologische Fachgutachten mit mehr als 800 Seiten, einer Natura-2000-Verträglichkeitserklärung sowie weiteren technischen Fachberichten bilden die Grundlage für das laufende behördliche Verfahren.
Auf dieser Basis lassen sich auch die seitens der Bürgerinitiative aufgeworfenen Fragen von den unabhängigen, staatlichen Organen fachlich einordnen und beantworten.
Wogegen wir uns wehren, ist das Schüren von Emotionen mit einfachen Bildern, die der Realität nicht entsprechen. Die auf der Petitionsseite aufgegriffenen Begriffe wie „Wasser abgraben“ oder in den Raum gestellte Behauptungen über negative Auswirkungen des Projektes auf das Trinkwasser oder Löschwasser dienen nicht der Sache, sondern der Stimmungsmache und sie sind durch die vorliegenden Gutachten widerlegt.
Wir bitten die Bürgerinitiative und ihre Vertreter ausdrücklich um einen transparenten und seriösen Umgang mit dem Thema.
Schlussbemerkung
Am Ende geht es um eine objektive Gesamtbewertung des Projekts: seiner energiewirtschaftlichen und regionalen Bedeutung ebenso wie seiner Auswirkungen auf Natur und Umwelt.
Die fachliche und rechtliche Beurteilung liegt jetzt bei den zuständigen Behörden. Diesem Verfahren wollen und werden wir nicht vorgreifen. Wo sich auf Basis der vorliegenden Fakten Themen beantworten lassen, sind wir jederzeit bereit dazu und sind offen für den direkten Austausch mit der Bürgerinitiative."
Besser informiert
Weitere Informationen aus dem Bezirk Reutte finden Sie unter www.meinbezirk.at
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