Petition gegen Wasserableitung
Bürgerinitiative kämpft für den Namlosbach
- Toni Knittel und WWF-Flussbotschafter Toni Innauer (v.l.) beim der Mündung des Namlosbachs in den Lech.
- Foto: MeinBezirk/Günther Reichel
- hochgeladen von Günther Reichel
"Finger weg vom Namlosbach", sagt eine neu formierte Bürgerinitiative. Sie lehnt Pläne, einen Teil des Wassers für die Stromgewinnung abzuleiten, kategorisch ab.
STANZACH. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da stellten die Elektrizitätswerke Reutte das Projekt "Optimierung Kraftwerkskette Plansee", kurz OKP, vor. 70 Millionen Euro "schwer" umfasst es unterschiedliche Maßnahmen, um bestehende Kraftwerke vom Rotlech über Heiterwang und Plansee bis zum Archbach energietechnisch zu verbessern. Teil des Projektes ist die Einbindung des Namlosbachs. Über einen neuen Stollen soll dessen Wasser teilweise in Richtung Rotlechstausee abgeleitet und in der Folge mehrfach für die Stromerzeugung genutzt werden.
Kritik wird immer lauter
Nach der Projektvorstellung blieb es zunächst überraschend ruhig, kritische Stimmen waren nur wenige zu hören. Dann meldete sich zunächst die Naturschutzorganisation „WET Wildwasser erhalten Tirol“ kritisch zu Wort, später auch der WWF.
Jetzt werden die Mahnrufe lauter und die Kritiker formieren sich. Eine neu gegründete Bürgerinitiative fordert den sofortigen Stopp des Ableitungsprojektes. Unterstützung erhofft man sich von der Bevölkerung - eine Unterschriftenaktion wurde gestartet.
Prominente Mitstreiter
Am Montag trat man erstmals öffentlich auf: Die Bürgerinitiative, deren Sprecher "Bluatschink" Toni Knittel ist, hatte zum Lokalaugenschein nach Stanzach eingeladen. An seiner Seite prominente Mitstreiter: Toni Innauer, Olympiasieger, Buchautor und Flussbotschafter des WWF, sowie Reinhard Uhrig, Klima- und Energieexperte des WWF und Vorstandsmitglied des Naturparks Tiroler Lech.
Sie hatten viel zu erzählen und zu zeigen. Für sie steht außer Frage: Die von den Elektrizitätswerken Reutte geplante Wasserableitung geht gar nicht, sie stelle einen massiven Eingriff in den bestehenden Wasserhaushalt des Namlosbachs und somit auch des Lechs dar.
Massive Auswirkungen befürchtet
Die Auswirkungen der Wasserableitung wären massiv, davon sind die Mitglieder der Bürgerinitiative überzeugt: Entzieht man dem Namlosbach Wasser, fehlt dieses flussabwärts auch im Lech. Dadurch würden die natürliche Flussdynamik und der Geschiebehaushalt beeinträchtigt.
Auswirkungen könnte die geplante Wasserableitung ebenso auf den Grundwasserspiegel in Stanzach und die über einen Tiefbrunnen gespeiste Trinkwasserversorgung in Weißenbach haben, warnen die Vertreter der Bürgerinitiative. Außerdem werden Beeinträchtigungen für den Naherholungsraum und damit auch für die Bedeutung des Tourismus im Tal in die Waagschale geworfen.
Nein zur Wasserableitung
Andererseits werden Optimierungen an bestehenden Kraftwerksanlagen ausdrücklich begrüßt, mit einer großen Einschränkung: "Die Ableitung des Namlosbaches lehnen wir ab.“ Der Argumentation der EW Reutte, dass das Wasser des Namlosbachs durch die Ableitung mehrfach für die Stromerzeugung genutzt werden könnte, hält man entgegen, dass genau dieses Wasser dann den Kraftwerksanlagen in Höfen und Reutte fehlt.
Reinhard Uhrig vom WWF sieht im Projekt "OKP" daher eine Mogelpackung. Wenn man zusätzlichen Strom erzeugen wolle, könne man Alternativen nutzen, etwa Photovoltaikanlagen.
Fragenkatalog für die EW Reutte
Sie hatten viel zu sagen an diesem Vormittag, die Vertreter der Bürgerinitiative. Den Elektrizitätswerken Reutte schickte man im Anschluss an den Pressetermin einen umfassenden Fragenkatalog, zeitgleich wurde eine neue Homepage online geschaltet und eine Petition gestartet.
Zur Sache
Die Bürgerinitiative Namlosbach, gegründet Anfang August 2026 in Stanzach, setzt sich für den Stopp des Projektes zur Ableitung des Namlosbaches ein.
Aktuell engagieren sich über ein Dutzend aktive Mitglieder in der Initiative. Sie erhalten Unterstützung vom WWF, Toni Innauer und Toni Knittel alias Bluatschink.
Als Sprecher vertritt Toni Knittel die Gruppe.
- Homepage: www.namlosbach.at
- Online-Petition: openpetition.org/namlosbach
Besser informiert
Weitere Informationen aus dem Bezirk Reutte finden Sie unter www.meinbezirk.at
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