Coronavirus
Jungholz steht vor besonderen Herausforderungen

Bgm. Karina Konrad vor dem Gemeindeamt von Jungholz.
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JUNGHOLZ (rei). Die EU, Schengen - eigentlich sollte es zwischen Österreich und Deutschland keine Grenzen mehr geben. Durch das Cornavirus ist jetzt aber wieder alles anders. Jungholz ist besonders betroffen.

Die Grenzen zu anderen Ländern zu passieren ist derzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich. Weil derzeit ohnehin im Grunde ein Ausgehverbot besteht, ist das kein so großes Problem. Und Lebensmittel und andere dringende Ware kann man ja beim nächsten Händler "ums Eck" kaufen, das ist erlaubt.

In Jungholz ist es etwas komplizierter

Ganz anders sieht die Situation aber aus, wenn man sein zu Hause in Jungholz hat. Dann führt ganz automatisch jede Besorgung, die man machen muss, ins Ausland, also nach Deutschland. Die Tiroler Exklave befindet sich derzeit also in einer ganz besonderen Situation.


Grenzübertritt muss sein

"Man lässt uns raus, für dringende Erledigungen", sagt Bürgermeisterin Karina Konrad. Und fügt gleich hinzu, "wir müssen ja auch raus!" Denn in Jungholz gibt es keine Geschäfte.
Tirol ist für die Bayern aber ein Riskiogebiet. Somit wird auch Jungholz so eingestuft. Grenzübertritte sind nicht gerne gesehen.
Das traditionell gute Verhältnis zwischen Jungholz und dem Landkreis macht es aber ein bißchen einfacher.  Das ist wichtig, es geht darum, den Arbeitsplatz, soweit notwendig und noch erlaubt, zu erreichen, viel mehr aber noch, um Lebensmittel oder Medikamente zu besorgen.
Die Jungholzer Bevölkerung führt es dafür zumeist ins nahe Wertach, nach Nesselwang oder nach Kempten.
Im Moment komme es aber schon vor, dass Autos mit Reuttener Kennzeichen angehalten und kontrolliert werden. "Mit Landrat Anton Klotz aus Sonthofen konnten wir aber vereinbaren, dass wir unsere Erledigungen weiterhin machen können", berichtet Karina Konrad.

Hürdenreicher Weg ins Außerfern

Endgültig kompliziert wird es, wenn Jungholzer Gemeindebürger ins Außerfern müssen. Dann muss die Grenze mehrfach passiert werden. Bislang funktioniere das aber. Die Frau Bürgermeisterin hofft, dass das auch so bleibt. Allerdings führt der Weg jetzt immer über Füssen. Alle anderen Grenzübetritte sind nämlich gesperrt.

Umgekehrt ist es für Allgäuer Unternehmen, bzw. deren Mitarbeiter derzeit nicht so einfach, die Tiroler Exklarve zu erreichen.  "Ich hab schon ein paar Bestätigungen ausstellen müssen, dass wir deren Leistungen brauchen", weiß Karina Konrad. zu erzählen.
Und noch komplizierter gestaltet sich die Sache bei jenen Freiwilligen aus Deutschland, die im Rahmen des Pflegedienstes in Jungholz gebraucht werden: "Da gibt es welche, die aus Sorge nicht mehr zu uns wollen." Das "Krisengebiet" Jungholz wird teilweise gemieden, dabei gibt es aktuell in der Gemeinde keinen einzigen Fall einer Coronaerkrankung.

Im Ort hilft man sich gegenseitig

Im Ort versucht man sich bestmöglich selbst zu helfen. Karina Konrad hat einen Gemeindebrief verschickt, in dem sie persönlich Hilfe anbietet und Einkäufe oder Apothekenbesorgungen für ihre Bürger macht. Ihrem Aufruf, auch andere mögen dies bitte tun, sind dann auch spontan weitere Jungholzer gefolgt. Für sie ein schönes Zeichen, dass der Zusammenhalt im Ort funktioniert.
Nun hofft sie, so wie im Grunde die ganze Welt, dass sich die Situation schnellstmöglich wieder normalisiert. "Die Verunsicherung ist halt schon sehr groß", stellt sie fest.

Jungholz muss derzeit mit sehr außergewöhnlichen Verhältnissen bestmöglich umgehen. Früher war das "normal". Durch die EU haben sich die Grenzen aufgelöst. Jetzt sind sie wieder da. Und sie sind in Jungholz wohl stärker spürbar, als im restlichen Tirol.

Bgm. Karina Konrad vor dem Gemeindeamt von Jungholz.
Karina Konrad unterstützt ihre Bürger persönlich.
Autor:

Günther Reichel aus Reutte

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