Bezirk der "weißen Flecken"
Kinderbetreuung im Bezirk Ried laut Arbeiterkammer kaum verbessert

Viele weiße Flecken im Bezirk Ried.
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  • Viele weiße Flecken im Bezirk Ried.
  • Foto: Kinderbetreuungsatlas AK OÖ
  • hochgeladen von Bernadette Wiesbauer

BEZIRK RIED. Die Arbeiterkammer OÖ hat den neuen Kinderbetreuungsatlas veröffentlicht. Alle Voraussetzungen des Vereinbarkeitsindikators für Beruf und Familie (VIF) sowie eine Betreuung für Unter-Dreijährige und Volksschüler bieten im Bezirk Ried – wie im Vorjahr – nur die Stadt Ried und St. Martin an. Besonders für St. Martin mit etwas über 2000 Einwohnern eine bemerkenswerte Leistung: "Unser gutes Angebot ergibt sich aus der Größe unseres Kindergartens. Wir haben vier Regelgruppen sowie die Krabbler und planen aufgrund des enormen Zuzugs – 2017 ist St. Martin um 170 Bürger gewachsen – bereits eine fünfte Gruppe", so Ortschef Hans Peter Hochhold. Nachsatz: "Es ist für uns natürlich wesentlich einfacher, die geforderten Kriterien zu erfüllen, als für kleinere Gemeinden. Wir haben mehr Personal und dadurch auch mehr Möglichkeiten. Daher kann ich es verstehen, dass sich viele kleine Gemeinden weigern, ihre Daten bekannt zu geben", spricht Hochhold die Tatsache an, dass 16 von 36 Gemeinden der Arbeiterkammer heuer keine Daten übermittelt haben. 2017 waren es 12. In keinem anderen Bezirk ist die Situation ähnlich. In Grieskirchen fehlen Daten von fünf Gemeinden, in allen anderen Bezirken höchstens von zwei. Auffällig ist auch, dass außer Pattigham alle Gemeinden mit unter 1000 Einwohnern und einem ÖVP-Bürgermeister "streiken". Anders in den ebenso kleinen Gemeinden Wippenham, Mühlheim und Geiersberg: Hier ist der Bürgermeistersessel rot, die Daten fließen. 

"Es ist, wie es ist"

"Geiersberg wurde als "weiß" klassifiziert und ist damit die einzige Gemeinde im Bezirk, die zu ihrem geringen Angebot in Sachen Kinderbetreuung steht. "Die Situation lässt sich nicht beschönigen. Es ist, wie es ist. Leider mussten wir aufgrund der eingeführten Gebühren unsere Nachmittagsbetreuung aufgeben. Dabei lag das Problem nicht an den eingeführten Beiträgen, sondern an den ungerechten Tarifen. Wir konnten nur einmal in der Woche für drei Stunden eine Nachmittagsbetreuung anbieten, die Eltern hätten aber laut Regelung für zwei Tage bezahlen müssen. Aufgrund dieser Ungerechtigkeit wurden sechs der acht Kinder abgemeldet. In der Folge mussten wir leider auch Stunden beim Personal kürzen", berichtet Bürgermeister Friedrich Hosner (SPÖ).

Drei Gemeinden haben sich verbessert

Schon länger gut aufgestellt ist Obernberg. "Im Rahmen unserer Möglichkeiten tun wir alles, um eine gute Kinderbetreuung bieten zu können", so Bürgermeister Martin Bruckbauer (BOMB). In Relation zur Einwohnerzahl ebenfalls sehr gut abgeschnitten, hat Ort. Neben Hohenzell und Mühlheim hat sich die Gemeinde rund um Bürgermeister Walter Reinthaler (FPÖ) im Vergleich zu 2017 verbessert. Reinthaler kennt den Grund. "Der Wunsch nach einer Betreuung für Unter-Dreijährige war groß. Daher haben wir heuer ein Kindernest eingerichtet. Für beste Betreuung sorgt der Verein Tagesmütter Innviertel."

Schlechter als im Vorjahr

Schlechter als im Vorjahr abgeschlossen, haben die drei Gemeinden Antiesenhofen, Schildorn und Waldzell. "Wenn wir das Angebot erhöhen, kommen wir bei den Kosten in Teufelsküche. Das Geld vom Land reicht nicht aus, wir müssen jetzt schon 100.000 Euro im Jahr beisteuern. Die finanzielle Situation ist einfach erdrückend", berichtet Antiesenhofens Bürgermeisterin Ingeborg Huber (MUT). Da ein eigenes Angebot für Unter-Dreijährige nicht finanzierbar ist, werden die "Krabbler" im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten in die Regel- und in die Integrationsgruppe eingegliedert. "Derzeit sind das nur zwei Kinder, weil sich die erlaubte Anzahl nach der Gruppengröße richtet. Und da unsere Gruppen übervoll sind, dürfen wir leider nicht mehr Krabbler aufnehmen, obwohl der Bedarf da wäre. Die Situation ist ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr", so Huber.

Trotz mehr Geld vom Land herrscht finanzielle Not

Die Situation ist also kontrovers: Einerseits klagen Gemeinden und Arbeiterkammer über zu wenig Mittel für die Kinderbetreuung durch das Land. Andererseits investiert aber das Land hier mehr Geld denn je. „2004 wies der Rechnungsabschluss 86,3 Millionen Euro für Kinderbetreuung aus. Für 2019 haben wir 229 Millionen Euro budgetiert. Das sind acht Millionen mehr als für 2018", so Landesrätin Christine Haberlander. Vor allem bei den unter Dreijährigen steigen Bedarf und Investitionen. "Dies spiegelt die Umsetzung des Bekenntnisses auf Landesebene wider, vermehrt außerfamiliäre Kinderbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bereitzustellen."
Um das Kinderbetreuungsangebot auszubauen, nimmt Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer nicht nur das Land, sondern auch die Gemeinden in die Pflicht. Die Lösung: Gemeindekooperationen. "Es gibt durchaus gute Beispiele, wie das funktioniert. Im Bezirk Braunau kooperiert die 600-Seelen-Gemeinde Auerbach mit Jeging und konnte dadurch zur A-Gemeinde aufsteigen."

Kriterien der Arbeiterkammer zur Beurteilung des Kinderbetreuungsangebotes:
• Öffnungszeiten: mind. acht Stunden an vier Tagen/Woche
• Angebot eines Mittagessens
• Betreuung für Unter-Dreijährige
• Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder

Kategorisierung: von weiß bis rot
• "weiße" Gemeinden erfüllen keines dieser vier Kriterien
• "graue" Gemeinden erfüllen eines der vier Kriterien
• "grüne" Gemeinden erfüllen zwei dieser vier Kriterien
• "gelbe" Gemeinden erfüllen drei der vier Kriterien
• "rosa" Gemeinden erfüllen alle vier Kriterien
• "rote" 1A-Gemeinden haben:  Mo bis Fr mind. 45 Stunden geöffnet, an vier Tagen/Woche mind. 9,5 Stunden; maximal fünf Wochen/Jahr geschlossen

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