17.10.2017, 09:19 Uhr

Fünf Heiratsanträge in nur zwölf Tagen

Oktoberfest 2018: Meggi hat sich wieder beworben. (Foto: Hochreuther)

Mechthild Hochreuther arbeitete heuer zum ersten Mal als Bedienung am Oktoberfest in München.

HOHENZELL, MÜNCHEN (kw). "O'zapft is" hieß es am 16. September in Bayern. Mit zwei Schlägen zapfte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter im Schottenhamelzelt das erste Fass Bier an. Jetzt kann er losgehen, der 18-tägige Oktoberfest-Wahnsinn.
Während die einen feiern, erledigen andere einen Knochenjob: die Wiesnbedienungen. Sie arbeiten zwei Wochen lang rund 14 Stunden pro Tag – wuchten Bierkrüge durch schunkelnde Massen, wehren Flirtattacken ab und verdienen in kurzer Zeit eine Menge Geld. Mittendrin: Mechthild (Meggi) Hochreuther aus Hohenzell. Die 31-Jährige war zum ersten Mal als Kellnerin auf der Wiesn. "Ich bin hauptberuflich in der Gastronomie tätig. Das Oktoberfest ist für mich persönlich die Kellner-Olympiade. Ich denke viele, die in dieser Branche arbeiten, wollen einmal dabei sein – so war das zumindest bei mir", erinnert sich die gebürtige Nürnbergerin und ergänzt: "Vor gut einem Jahr habe ich mich beworben. Das Auswahlverfahren ist streng. Man wird genauestens unter die Lupe genommen."


Zwölf Tage Bierzelt

Vor dem ersten Wochenende war die Anspannung groß. "Ich war sehr aufgeregt, weil ich nicht wusste, was mich erwartet und wie es mir mit dem Laufen und dem Tragen ergeht." Extra trainiert hat sie dafür aber nicht: "Als Triathletin bin ich körperlich relativ gut in Form. Ich dachte mir, dass wird schon zu schaffen sein. Und so war's dann auch."
Insgesamt wurde Hochreuther für zwölf ganze Tage im Armbrustschützenzelt eingeteilt. Dort war sie nicht nur als Kellnerin im Dienst. Als sogenanntes "Schatzi" verkaufte sie an fünf Tagen Herzerlanstecker an die Gäste. "Der Herzerlverkauf war richtig anstrengend. Da bin ich mir vorgekommen wie Freiwild. Ohne meine Kollegen hätte ich das nicht durchgehalten – der Zusammenhalt unter den Bediensteten ist echt gigantisch", betont Hochreuther. Viel mehr Spaß mache ihr hingegen das Kellnern. Egal ob Bier oder Anstecker, in beiden Fällen gilt: Je freundlicher die Bedienung, desto mehr wird verkauft und je größer der Ausschnitt, desto besser das Trinkgeld – das hat auch die junge Kellnerin miterlebt. "Insgesamt hab ich in den zwölf Tagen fünf Heiratsanträge bekommen", lacht Hochreuther. "Natürlich wollen viele Gäste flirten, aber ich habe zu Hause einen Freund und den würde ich gegen niemanden eintauschen wollen."
Und so fließt beim Oktoberfest nicht nur das Bier in Strömen. Nirgendwo sonst verdienen Kellner so gut. Auch Hochreuther ist mehr als zufrieden mit ihrem Verdienst: "Dem neuen Kinderzimmer für meine Tochter Marie steht nichts mehr im Weg."


Ein Fest mit Tradition

Das Münchner Oktoberfest findet seit mehr als 200 Jahren auf der Theresienwiese statt und ist das größte Volksfest der Welt. Rund 6,2 Millionen Besucher zählte das diesjährige Oktoberfest, das zum 184. Mal stattfand und von 16. September bis 3. Oktober über die Bühne ging.
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