19.10.2014, 09:04 Uhr

Buchpräsentation: Zwischen Donau und Hochwald

Wann? 25.10.2014 20:00 Uhr

Wo? Gasthof zur Post, Linzerstr., 4100 Ottensheim AT
Ottensheim: Gasthof zur Post |

Geschichten von Hubert Pichler mit Federzeichnungen von Christian Thanhäuser (Herausgeber), am Samstag, 25.Oktober, um 20 Uhr im Gashaus zur Post Ottensheim (Postsaal). Veranstalter: ARGE Granit

OTTENSHEIM. Christian Thanhäuser wird zur Entstehung des Buches etwas erzählen. Im Anschluss findet dann die Lesung von Gerhard Pichler, dem Sohn von Hubert Pichler statt und d`Wirtshausmusi singt dazu. Das frisch gedruckte Buch wird vor Ort erhältlich sein.

Ausschnitt aus dem Lebenslauf von Hubert Pichler:
Hubert Pichler war Lehrer in den Volksschulen von Rohrbach, Ulrichsberg, Mollmannsreith, Peilstein, Rannariedl, Neufelden, Niederkappel, Kollerschlag, Altenhof-Kriegwald, wieder Kollerschlag und von 1946 bis 1979 Volksschuldirektor in Ottensheim.
1979 erschien in Wels sein einziges Buch, der Gedichtzyklus „’s Liad von Brot“.
33 Jahre war Hubert Pichler Schulleiter in Ottensheim. Die Volksschule war sein Ein und Alles, die „Kanzlei“ in ihr sein Zuhause. Dort werkte und wirkte er, dort komponierte und dichtete er und dort betrieb er Heimatforschung und schrieb die Textbücher für viele Rundfunksendungen. 1979 ging Hubert Pichler in den Ruhestand, den er leider nicht mehr lange genießen konnte. Er starb im 69. Lebensjahr nach längerem Leiden am 21. Juni 1983 im Altersheim Gramastetten.

Edition Thanhäuser
Hubert Pichler hätte am 23. Oktober 2014 seinen 100. Geburtstag gefeiert (Adalbert Stifter seinen 209.), die Edition Thanhäuser wurde vor 25 Jahren gegründet. 1989 erschienen die Bücher „Ottensheim in der Literatur“ (ein heimatkundliches Lesebuch, herausgegeben von Otto Kampmüller) und von H. C. Artmann „Von einem Husaren, der seine guldine Uhr in einem Teich oder Weiher verloren, sie aber nachhero nicht wiedergefunden hat“. In der Folge sind an die hundert Publikationen mit Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum, aus Osteuropa und China erschienen, zwanzig Dichterinnen und Dichter weilten als Stipendiaten der RanitzDrucke in Ottensheim und schrieben über ihre Erlebnisse an der Donau.

Ausschnitt aus dem angehängten Nachwort
Bei der Herausgabe von Büchern spielt der Zufall keine geringe Rolle, meist sind die Wege weit bis zu deren Erscheinen, selten so kurz wie bei Pichlers Texten. In der Volksschule Ottensheim werden einmal im Jahr die Bestände der Lehrerbibliothek durchgesehen, ein Exemplar wäre fast ausgemustert worden:
ein in rotes Leinen gebundenes Typoskript mit dem Titelschild „H. Pichler / Erzählungen aus dem Bez. Urfahr“, nicht nur mit Texten von Pichler, sondern auch mit zahlreichen Beiträgen anderer Autorinnen und Autoren für ein geplantes „Heimatliches Lesebuch Urfahr-Umgebung“. Dieses ist 1967 in Linz erschienen, allerdings auf Grund der damals gültigen Lehrpläne von 1963 mit stark gekürzten Texten, das Buch sollte als Klassenlesestoff unbedenklich sein.


Mit den Brettln auf der Gis (Auszug aus dem Buch)
Das Donautal liegt voll schwerem Nebel. Auf den Bergen oben ist sicher ein klarer Wintertag. So wandern wir heute mit den Brettln von Ottensheim aus auf die Gis. Gis ist der Name für den Lichtenberg. Dort oben steht jetzt ein hoher Sender und dahinter eine Aussichtswarte. Die Warte ließ die Herzogin Gisela erbauen und heißt deshalb Giselawarte. Die Leute nennen die Warte und den Lichtenberg einfach „Gis“, weil man das kurz aussprechen kann.
Wir brauchen nicht lange zu gehen, leuchtet schon der blaue Himmel durch, und plötzlich stehen wir im Schein der aufgehenden Sonne. Wie ein goldener Ball schwebt sie über dem Kürnbergerwald.
Die Bäume sind tief verschneit. Jeder trägt einen weißen Hermelin wie ein König, und die Sonne hat sie mit Gold verbrämt. Zweieinhalb Stunden müssen wir jetzt noch wandern. Der knirschende Schnee spielt uns die Musik dazu.
Endlich sind wir oben. Welch ein Bild! Die Alpenberge funkeln, als wären sie aus reinem Silber. Silbern leuchtet auch das Nebelmeer im Sonnenschein. Die Mühlviertler Berge liegen mit ihren dunkelblauen Waldflecken breit und still im Sonnenglanz.
Wir sind hungrig geworden. Heißhungrig beinahe. Im Gasthaus sitzen noch wenig Leute. Wir schlürfen eine warme Suppe, schreiben eine Ansichtskarte und schauen immer wieder durch die breiten Fenster in die himmelschöne Heimat.
Jetzt aber auf die Wiese! Sie hat einen seltsamen Namen: „Kuhwampe“ heißt sie. Warum aber? Da muß man im Sommer darüber gehen. Der Boden gibt nach, als ginge man einer Kuh über die Wampe. Unter der dünnen Grasnarbe ist nämlich Moor, das läßt sich drücken wie eine Wärmeflasche oder eine Kuhwampe.
Es ist Ehrensache, daß wir sturzfrei hinunterkommen. Doch nicht allen von uns gelingt es. Maxi, der vorausfährt, reißt gleich einen Stern, daß wir nur mehr Beine, Schi und Stöcke sehen. Ein Brettl läuft sogar munter davon und will sagen: „Alleine geht es besser!“ Rosi bekommt es mit der Angst zu tun. Sie setzt sich im Schusse nieder und ackert dabei eine tiefe Furche in den Schnee. Darüber muß ihr Bruder Ferdl so lachen, daß ihm die Schi durcheinanderkommen. Er schlägt einen Purzelbaum. Sein Gesicht ist ganz mit Schnee verpickt. Nur Ursi und ich kommen gut unten an. Fünfmal gehen wir hinauf und dann sind wir müde. Es gibt keinen Schilift.
Im einzigen Gasthaus ist nun beinahe kein Platz mehr. Wir haben alle hochrote Gesichter, als wir unsere Jause aus dem Rucksack kramen. Wie gut die schmeckt! Nun denken wir an die Abfahrt. Auf diese freuen wir uns am allermeisten. Noch einmal geht es über die Kuhwampen. Diesmal nehmen wir sie alle sturzfrei. Dann wandern wir querfeldein hinüber zur Koglerau. Noch niemand hat die blütenweiße Decke über den Feldern zerschnitten. Wie wir beim Hacklbauer vorbeikommen, steht Fredi vor der Haustür. Er hat ein Bein in Gips. Vor vier Wochen hat er sich es beim Schifahren gebrochen. Da kommt auch seine Mutter und lädt uns auf eine Jause ein. Wie gemütlich ist es um den großen Bauerntisch. Fredis Mutter schneidet eine Schüssel voll Brotschnitten vom großen Laib und jedes von uns bekommt ein Glas Milch dazu. Fredi hätte lieber geweint, als wir es vom Hoftürl wegsausen lassen. Er ist ein guter Schifahrer, besser als wir alle.
Da beginnt wieder der dichte Nebel und wir gleiten auf wohlbekannten Spuren hinunter ins Donautal.

Eine Schiffahrt von Linz bis Aschach (Auszug aus dem Buch)
„Morgen wird ein schöner Tag,“ sagte der Vater „und da wollen wir mit dem Schiff nach Aschach fahren.“
Die Sonne stand schon hoch über dem Pfenningberg, als wir über die breite Donaubrücke der Schiffstation zueilten. Der seltsame Bau hat beinahe nur Fenster und steht auf einigen Säulen, daß ihm das Hochwasser nichts anhaben kann. Unser Schiff, die „Linz“, liegt wie ein Schwan am Ufer. Aus seinem hohen Hals steigt dunkler Qualm und die Schaufelräder plätschern gemächlich im Wasser.
Wir suchen uns einen Platz auf dem Vorderdeck, daß wir viel sehen können. Da ertönt ein schriller Pfiff und die Mutter erschrickt gewaltig. Dann löst sich das Schiff vom Ufer. Der Schornstein wird umgelegt, denn wir fahren durch die Brücke. Leute bleiben stehen und winken zu uns herab. Mitten im Strome geht es aufwärts. Die Schloßkaserne, der Pöstlingberg und der Freinberg mit seinem runden Turm schauen unserer Ausfahrt zu. Auf der Mühlviertler Seite schmiegen sich die kleinen Häuschen der Urfahrwände an die steilen Felsen.
Da schlüpft eine schwarze Schlange aus dem Häusermeer von Urfahr. Sie schlängelt sich noch ein Stücklein das Ufer entlang und bleibt in der Haltestelle Schiffmühle stehen. Viele Leute, die in die schöne Mühlviertler Welt wollen, winken aus den Fenstern der Mühlkreisbahn.
Da gewahren wir an beiden Ufern des Stromes je ein turmartiges, schmuckloses Gebäude und von jedem führt eine Mauer den Talhang hinauf. „Das sind die Anschlußtürme“, erklärte uns der Vater und Erzherzog Maximilian hat sie vor etwa 130 Jahren zum Schutze der Stadt Linz errichten lassen. Um Linz wurden um die selbe Zeit viele Befestigungstürme gebaut, von denen du auf dem Pöstlingberg noch einige sehen kannst. Aber die meisten davon sind bereits Ruinen geworden.
Da liegt schon der Kürnberger Wald vor uns. Dunkle Fichten schauen aus dem hellen Grün der Buchen. Der Vater erzählt uns von einer keltischen Fliehburg, die einst auf dem Kürnberg stand und die mit langen Wällen umschlossen war. Das umliegende Volk der Kelten hat in Kriegsnot dort Zuflucht gesucht. Der Herr von Kürenberg hat dort oben gehaust. Er war ein edler Ritter, der auch schöne Lieder erdachte.
Auf der Mühlviertler Seite ist das Tal etwas breiter geworden. Es hat für ein paar Felder Platz gemacht. Darinnen träumt das Kirchlein von Puchenau und sein Turm spiegelt sich im Strom. Aber gleich rücken die Höhen wieder an das Ufer, und Bahn und Straße haben kaum nebeneinander Platz. Zahlreiche Autos flitzen zu beiden Seiten auf und ab. Da sagt der Vater: „Wie einfach ist jetzt eine Fahrt an der Donau und wie beschwerlich ist sie noch vor hundert Jahren gewesen. Zwischen Ottensheim und Linz verkehrte täglich die Fliehstein“. Diese war eine Plätte, auf der eine Hütte stand, die etwa dreißig Personen aufnehmen konnte. Bei der Talfahrt stand vorne auf der Plätte das „Schöfpferd“, das bei der Bergfahrt das Boot stromaufwärts ziehen mußte. Das Pferd zog dabei an einem langen Seil die Fliehstein ganz nahe am Ufer stromaufwärts. Ein Mann auf der Plätte steuerte, daß das Boot nicht an die Steine am Ufer stieß. Die Bergfahrt erfolgte immer auf der Wilheringer Seite, weil dort der Weg besser und bequemer war. Sie dauerte beinahe drei Stunden. In Wilhering wurde die Fliehstein an die Überfuhr angehängt und überquerte so die Donau nach Ottensheim.
Da öffnete sich das enge Donautal. Freundliche Berge und Hügel grüßen von ferne her und das behäbige Stift Wilhering mit seinem wuchtigen Turm ruht in einem Wald von Obstbäumen. Auf der anderen Stromseite steht Schloß Ottensheim und an den Schloßberg schmiegt sich der freundliche Markt. Da setzt das Schiff zur ersten Landung an, wir sind in Wilhering.
Die Herren von Wilhering besaßen vor etwa achthundert Jahren eine Burg auf der Donauseite des Kürnbergerwaldes. Die Brüder Ulrich und Cholo schenkten viel von ihrem Besitze den Mönchen, die in der Nähe der Burg ein Kloster bauten. Im Jahre 1733 brannte das Stift ab. Ein Knecht stiftete ein dreizehnjähriges schwachsinniges Mädchen an, Feuer an das Kloster zu legen. Der Knecht wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dann wurde aber die Kirche, die dem heiligen Schutzengel geweiht ist, wunderbar aufgebaut. An die tausend Engel kannst du im Innern des Gotteshauses zählen.
Auch das gegenüberliegende Ottensheim fiel im Jahre 1899 einem furchtbaren Brande zum Opfer. Fast der ganze Markt ging in Flammen auf.
Knapp hinter dem Schloßberg von Ottensheim fließt ein dunkles Wasser in die graugrüne Donau. Es ist die Große Rodl, die vom Sternstein herunterkommt. Die Mühlviertler Berge sind nun weit zurückgetreten und der Kürnbergerwald ist zu einer großen Ebene herabgefallen.
Vom Rande dieser großen Schüssel grüßen Walding und St. Gotthard her. Nun säumt der Auwald aus Weiden, Pappeln, Erlen und Eiben die Ufer. Diese sind mit mächtigen Steindämmen verbaut. Ein frischer Wind fährt in die Kronen der Weiden, und die Unterseiten der Blätter glänzen wie Silberfische auf.
„Seht doch da hinauf!“ ruft plötzlich die Mutter. Ein großer Fischreiher rudert mit schwerem Flügelschlag über uns hinweg. Da sprach der Vater: „Die Reiher haben hier in den Auwäldern ihre Horste. Der Strom ist ihr gedeckter Tisch. Die Ritter der umliegenden Burgen haben in alter Zeit gerne die Reiher gejagt. Eine solche Jagd wurde Reiherbeize genannt. Dazu wurden Hühnerhabichte abgerichtet. Die flogen auf die Reiher zu und hackten mit ihren scharfen Schnäbeln von oben her auf den schwerfälligen Vogel ein. Immer weiter drückten sie ihn zu Boden. In seiner Not spie er oft die Fische wieder aus, die er verschlungen hatte, um sein Gewicht im Luftkampf zu erleichtern. Fast immer blieb der Habicht Sieger.
Plötzlich lichtet sich der Auwald und gibt den Blick in die fruchtbare Ebene frei. Wie eine volle Bauernschüssel liegt sie da. Das Schiff setzt zur zweiten Landung an, wir sind in Brandstatt. Viele Leute steigen aus. Die meisten von ihnen wollen zur nahen Schaumburg wandern.
Die Donau wendet sich nach Norden. Zu unserer Rechten schwimmen Röhren wie lange Hefen im unruhigen Wasser. Der Vater kam meiner Frage zuvor: „Das sind wasserdicht verschlossene Kannen, die im Strom verankert sind. Sie sollen den Schiffen anzeigen, wo sie fahren dürfen. Man nennt solche Schwimmer ‚Bojen’. Wie du siehst, ist hier die Donau auf der Mühlviertler Seite gar nicht tief, und das Strombett ist voller Steine. Darum rauscht auch das Wasser so unruhig darüber. Da hinein darf nun kein Schiff fahren, da es sonst auf Grund laufen würde und sicher großen Schaden nähme. Diese Stelle der Donau heißt das Kachlet.“
Weit oben überspannt eine herrliche Brücke den Strom. Wir fahren gegen Aschach. Auf den freundlichen Hügeln ist rundum vor vielen Jahren Wein gebaut worden. Von Ottensheim bis Aschach erstreckten sich viele Weingärten und Aschach war der Mittelpunkt des Weinbaues. Als wir ausgestiegen waren und am Rathaus vorbeigingen, sahen wir im Marktwappen eine Weintraube.
Über die neue Brücke, die im Jahre 1962 gebaut wurde, überquerten wir den Strom, weil wir auf dem Prälatensteig in das Tal des Pesenbaches wandern wollten.
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