Frauenhaus Innviertel
"Viele Frauen schlafen hier zum ersten Mal wieder"

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BEZIRK SCHÄRDING (juk). Ein Auto fährt vor. Darin eine Frau, zwei kleine Kinder, wenig Hab und Gut. Isoliert von Freunden und Familie, seelisch und körperlich misshandelt von ihrem Mann. So sieht es oft aus, wenn Frauen Zuflucht im Frauenhaus Innviertel suchen.

 Fliehen oft nach jahrelanger Gewalt

"Leider finden die Frauen erst sehr spät zu uns. Unser Wunsch wäre, dass sie früher kommen", berichtet Ursula Walli. Sie ist Leiterin der Unterkunft, die Platz für sechs Frauen und 14 Kinder bietet. Wenn Frauen den Weg ins Frauenhaus wagen, waren sie zuvor oft jahrelang der Gewalt und Kontrolle des Partners ausgesetzt. "Hier haben sie die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Viele Frauen können hier seit Langem einmal richtig schlafen." Das Frauenhaus ist für die betroffenen Frauen eine Möglichkeit, ihr Leben neu zu ordnen. Das bedeutet für sie oft von Null anzufangen. "Viele müssen erst wieder lernen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Manche wollen, dass wir ihnen Entscheidungen abnehmen, aber das können wir nicht", so Walli. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses führen kostenlose Beratungsgespräche mit Betroffenen und Außenstehenden. 2018 waren es 157 ambulante, telefonische oder Internet-Beratungen.

Leben neu ordnen

Sie unterstützen die im Haus lebenden Frauen und Kinder im Alltag, begleiten zu Ämtern und leisten Hilfestellung bei der Suche nach einer neuen Wohnung oder Arbeit. Therapien finden im Haus nicht statt. Im Durchschnitt bleiben die Klientinnen zwei bis drei Monate. Gewalt, so Walli, zieht sich durch alle Schichten: "Der einzige Unterschied: Besser gestellte Frauen haben mehr Ressourcen, auf die sie zugreifen können." Die Zahl der Hochrisikofälle – Fälle, in denen Leib und Leben der Frau bedroht sind – steigt: "Wir hatten kürzlich eine Klientin, die schon zwei Mordversuche hinter sich hatte." Und auch die Digitalisierung wird missbraucht, um Kontrolle über den Partner auszuüben. Smartphones oder Überwachungskameras im Smart Home werden zunehmend genutzt. "Unsere Gesellschaft neigt dazu, sich mit moderner Technologie sicherer zu fühlen – wir im Frauenhaus sehen immer mehr das Gegenteil bei Betroffenen von häuslicher Gewalt", berichtet Ursula Walli und verweist zum Beispiel auf Ortungs-Apps, die Täter nutzen.

28 Betretungsverbote durch Polizei

Auch das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich ist eine wichtige Anlaufstelle. 56 Klientinnen aus dem Bezirk Schärding suchten 2018 hier Hilfe. Die Schärdinger Polizei sprach in 28 Fällen ein Betretungsverbot aus: "Das geschieht immer dann, wenn die Polizei gerufen wurde und die Befürchtung besteht, dass etwas passiert, sobald die Polizisten gehen", erklärt Eva Schuh vom Gewaltschutzzentrum. Hilfe bietet auch das Frauennetzwerk3, das eine Beratungsstelle in Schärding hat: "Wir bieten kostenlose und vertrauliche Frauenberatung in vielen Lebenslagen", so Beraterin Gerlinde Zdralek. Trennung, Gewalt aber auch Arbeit, Gesundheit, Erziehung oder Migration sind nur einige.

Warnzeichen für Gewalt in Beziehung

Es gibt Warnzeichen, wie man Gewalt in Beziehungen erkennt. Ihr/e Partner/in:

  • wird eifersüchtig oder wütend, wenn Sie Zeit mit Freunden oder Familie verbringen
  • versucht, Sie zu kontrollieren: wo Sie sind, wie Sie sich anziehen, ...
  • möchte Ihnen eine eigene Arbeit, den Deutschkurs oder ein eigenes Bankkonto verbieten
  • demütigt Sie oder gibt Ihnen das Gefühl, wertlos zu sein
  • droht, Sie oder sich selbst zu verletzen, wenn Sie die Beziehung beenden
  • hat in einer früheren Beziehung zugeschlagen und sagt, der/die Ex sei schuld
  • stößt, tritt, schubst, würgt, ohrfeigt oder schlägt Sie

Notrufnummer Frauenhaus Innviertel (24 Stunden):
+ 7752 - 717 33
Gewaltschutzzentrum OÖ:
+ 732 - 607760

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