Scheibbser Jäger
Dem Phänomen Treibjagd im Bezirk Scheibbs auf der Spur

"Die Treibjagd ist notwendig": Jäger wie Kevin Gruber aus Neustift befürworten die Treibjagd als schonende und effiziente Jagdmethode.
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  • "Die Treibjagd ist notwendig": Jäger wie Kevin Gruber aus Neustift befürworten die Treibjagd als schonende und effiziente Jagdmethode.
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Kurz vor dem Wintereinbruch haben die Treibjagden im Bezirk Hochsaison und polarisieren die Gemüter.

BEZIRK SCHEIBBS. Für die einen sind sie Inbegriff der Schießwut, für die anderen sind sie Tradition und natürliche Bewirtschaftung des Wildbestandes. Im Bezirk Scheibbs ist momentan die Zeit der Treibjagden angebrochen – und das Thema polarisiert die Bevölkerung. Die Bezirksblätter versuchen das Phänomen nüchtern zu analysieren.

Eine schonende Jagdmethode

"Auch wenn das auf den ersten Blick aufgrund der großen Anzahl der Teilnehmer und auch der erlegten Tiere vielleicht nicht so wirkt, handelt es sich bei der Treibjagd um eine besonders schonende Methode um Wildtiere zu erlegen. Treibjagden sind vor dem Abschluss der Saison notwendig, um erforderliche Abschussquoten zu erfüllen und Kulturschäden durch Wildtiere in Grenzen zu halten", erklärt der Bezirksjägermeister und Veterinärmediziner Ferdinand Schuster aus Scheibbs seine Sicht der Dinge.

Meinungen unserer Leser

Die Leser der Bezirksblätter Scheibbs scheinen bei diesem polarisierenden Thema sehr unterschiedliche Meinungen zu haben.
"Bei Treibjagden wird das Wild in Panik versetzt und flüchtet. Ich schätze, die Lust kommt eher aus einer übertriebenen Schießwut. Jäger sehen gerne Problemrehe, Problemhasen, Problemschweine, Problemfüchse, Problemfasane und so weiter, doch dabei sind sie selbst oft das Problem. Für die Jägerschaft gehört es zum Brauchtum, daher auch das Zelebrieren und die Zurschaustellung der erschossenen Tiere in Form der sogenannten Strecke, die angeblich eine Ehrenbezeugung gegenüber den Tieren sein soll – für mich ist das Ganze eine grausige Angelegenheit", meint etwa Sepp Ginner aus Steinakirchen.

Menschen sind Allesfresser

"Der Mensch ist ein Allesfresser und isst deshalb auch Fleisch! Das war viele Tausend Jahre ganz normal! Gerade aus der Jagd gewonnenes Wildfleisch kann höchste Qualität bieten, obwohl ich glaube, dass die Fleischqualität leidet, wenn die Wildtiere bei Treibjagden gehetzt werden", findet Franz Reiterlechner aus Scheibbs.

Mensch muss zurücktreten

"Ich bin der Meinung, wir brauchen unsere Jäger, aber es wird auch Zeit für die Jäger umzudenken. Es sind wieder mehr natürliche Jäger vorhanden, das heißt, dass der Mensch muss etwas zurücktreten muss, damit es funktionieren kann", meint Barbara Rixinger aus Gaming.

Erfüllung der Abschusszahlen

"Treibjagden werden meist am Ende der Jagdsaison veranstaltet. Sie dienen oftmals zur Erfüllung der behördlich festgesetzten Abschusszahlen. Diese sollen, müssen von den Jägern erfüllt werden", meint hingegen Alexander Putz aus Göstling an der Ybbs.
"Ich finde Treibjagd einfach nur grauenhaft! Wenn man vorstellt, von bewaffneten Jägern und Hunden gehetzt zu werden, da bekommt man doch die Krise", versetzt sich sich Heidemarie Rottermanner in die Lage eines Wildtieres.

Sicher unterwegs bei der Treibjagd

• Planung und Vorbereitung:
Die Planung und Vorbereitung einer Treibjagd ist oft aufwendig und dauert mehrere Wochen. Die örtliche Exekutive und Anrainer sollten über die bejagten Revierteile in Kenntnis gesetzt werden.
• Sicherheit statt Tarnung:
Während bei der Pirsch- und Ansitzjagd eine gute Tarnung wichtig ist, müssen die Teilnehmer einer Treibjagd Signalbänder, -jacken und -westen in grellen Farben tragen, um für die anderen Jagdteilnehmer gut erkennbar zu sein.
• Information ist wichtig:
Vor Beginn muss der Jagdleiter die Teilnehmer über den Ablauf der Triebe und die freigegebenen Wildarten informieren. Organisatorische Details und die Bedeutung der verschiedenen Signale werden vor der Jagd besprochen.• 
Sicherheit für Waldbesucher:
Das Aufstellen von Warntafeln ist notwendig, um Wanderer, Freizeitsportler oder Anrainer aufzuklären. Das Betreten des Bereichs, in dem eine Treibjagd stattfindet, darf keinesfalls erfolgen.

Bezirksjägermeister erteilt Auskunft über Treibjagden

BEZIRKSBLÄTTER: Wie läuft eine Treibjagd eigentlich ab?
FERDINAND SCHUSTER: Von einer Treibjagd wird dann gesprochen, wenn sich mindestens zehn Personen gemeinsam auf die Pirsch begeben. Diese Gruppe besteht allerdings nicht nur aus Jägern, sondern auch aus Treibern, denen die Aufgabe zukommt, den Jägern das Wild zuzutreiben.

Welche Wildarten werden auf diese Weise bejagt und warum?
Im Bezirk Scheibbs handelt es sich dabei in erster Linie um Wildschweine, die sich untertags hauptsächlich in dichten Wäldern oder Maisfeldern aufhalten. Aber auch Rotwild und teilweise auch Rehwild wird auf diese Weise bejagt. Es gibt genau vorgeschriebene Abschussquoten, da der Bestand in der Kulturlandschaft geregelt werden muss. Die Treibjagd bietet die einmalige Möglichkeit, die scheuen Tiere tagsüber aufzuspüren und schnell in ausreichender Zahl zu erlegen. Vor allem im Norden des Bezirks, wo das Niederwild eine bedeutende Rolle einnimmt, muss natürlich primär der Bestand der Hasen auf diese effiziente und schonende Weise in Grenzen gehalten werden.

Was macht eine Treibjagd aus?
Treibjagden haben auf alle Fälle auch eine gesellschaftliche Bedeutung! Man hat die Möglichkeit einmal seine Jagdfreunde zu treffen und sich am Abend beim "Schüsseltrieb" bei einem gemeinsamen Mahl auszutauschen.

Interview: Roland Mayr

"Die Treibjagd ist notwendig": Jäger wie Kevin Gruber aus Neustift befürworten die Treibjagd als schonende und effiziente Jagdmethode.
Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster aus Scheibbs setzt bei derTreibjagd auf Sicherheit anstatt sich zu tarnen.

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