Baukultur & Stadtentwicklung
Reichlich Granit & Beton für Rad- & Fußweg

Doppelte Sicherheit?
Bestehende Konglomerat-Gesteinsschicht durch angelieferten Granitstein verdeckt.
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  • Doppelte Sicherheit?
    Bestehende Konglomerat-Gesteinsschicht durch angelieferten Granitstein verdeckt.
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Rad- und Fußwege — ja!
Wände aus Granit und Beton — nein!

Es ist gut und wichtig, dass wir Rad- und Fußwege für den Alltagsverkehr ausbauen. Genau dafür darf öffentliches Geld in die Hand genommen werden. Denn es bringt vielen Menschen etwas. Im Fall der Radwegverbindung beim Scheibbser Stadtpark entlang der B29 hätte aber vieles anders und ökologisch verträglicher laufen können. Besser würde es jedenfalls sein, wenn eine seriöse Entwurfsplanung vorgenommen und dem Gemeindevorstand vorgelegt würde.

Kostenersparnis durch Entwurfsplanung und Analyse

Eine gute Entwurfsplanung bedeutet Kostenersparnis. Weil bereits bei der Grundlagenanalyse erkannt wird, wie der Boden zusammengesetzt ist, zum Beispiel. Dann kann vorab festgestellt werden, dass bei einem stabilen Untergrund aus Konglomeratgestein wie im Fall des Stadtparks keine massive Steinschlichtung aus Granit sein muss. Es kann die grün bewachsene Böschung weiterhin ein Lebensraum für Kleinlebewesen sein, die wir für die Artenvielfalt brauchen. Eine begrünte Böschung oder Schrägwand hat einen kühlenden Effekt für das Mikroklima im Sommer. Eine Wand aus Granit und Beton hingegen führt zur weiteren Überhitzung. Eine gute Entwurfsplanung ist günstiger, wodurch eine lokale Firma die Bauarbeiten umsetzen kann. Damit bleiben auch die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze in der Umgebung.

–––

Umdenken ist noch möglich

Die Projektbetreiber könnten auch noch umdenken, um die Versiegelung und Befestigung der Böschungen weniger intensiv zu betreiben. Schließlich werden die geplanten 220 Meter Fuß- und Radweg im Jahr 2020 nur zur Hälfte fertig. 

Es ist zu hoffen, dass wir in niederösterreichs Gemeindepolitik die Klimaerwärmung ernster nehmen; dass künftig weniger Boden versiegelt wird; dass nicht mehr durch Budget-Verschiebungen (siehe Kostenteilung unten) nur scheinbare Einsparungen erzielt werden; damit die Wertschöpfung in der Umgebung bleibt, gleichzeitig Ressourcen geschont werden und Arbeitsplätze gesichert sind; dass Lebensräume für die Artenvielfalt erhalten und geschaffen werden.
Das sogenannte "Bodenschutzpaket", also die Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes ist vielversprechend. „Mit diesem Bodenschutzpaket schützen wir wertvolle Lebensräume, Wiesen und Ackerflächen. Wir wollen (...) die Zersiedlung unserer Orte bekämpfen (...) und Verkehrsprobleme im städtischen Umfeld frühzeitig vermeiden,“ sagt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf in einer APA-Presseaussendung am 1. September 2020.

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Erläuterungen:
Bruchsteinmauerwerk
Die Steine für das Mauerwerk sind bestimmt kein lokaler Kalkstein. Augenscheinlich handelt es ist um Granit oder Wachauer Marmor. Das bedeutet, dass es lange Wege, viel CO2-Ausstoß und somit auch vieler Kosten bedarf, um diese Steine nach Scheibbs zu transportieren.
Kostenteilung
Wie von der APA am 19.11.2020 berichtet und auch laut NÖN-Berichten (KW47 und KW48 2020) beträgt die Gesamtbausumme 160.000€. Alles öffentliche Mittel! Die Arbeitsleistung werde durch die NÖ Straßenmeisterei gemacht. Die Materialkosten werden von der Stadtgemeinde Scheibbs getragen. Also 80.000€ für Granitsteine, Beton, Schotter, LKW-Transporte,... Gibt es bei der Straßenmeisterei eine Abteilung, die umsichtige, umweltverträgliche Planung betreibt? Für die Projekte, die sie selbst ausführt?
Die lokale Wertschöpfung
Mit einer leichteren Konstruktion – die das notwendige Maß der Böschungssicherung auch abdecken hätte können – hätten mit den 80.000€ auch lokale Betriebe beschäftigt werden können. 
Trennung von Planung und Ausführung sinnvoll
"Damit sollen Interessenkonflikte ausgeschlossen und wechselseitige Kontrolle ermöglicht werden." steht im österreichischen Baukulturreport. Im Gegensatz zu unabhängigen PlanerInnen, die sich einer Gestaltungsgarantie und einem Innovationsgebot verpflichtet sehen, stehen Totalunternehmer primär unter Kosten- und Termingarantie. Im Unterschied zur "Ausführungsplanung" ist mit "Planung" die konzeptionelle Gestaltung unter Einbeziehung aller relevanter Faktoren gemeint. Dazu zählt auch eine Analyse der verkehrstechnischen, sozialen und umwelttechnischen Aspekte.

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