Glaubenskirche, Corona und Ostern:
„Dass es ein großes Fest sein wird…“

Pfarrerin Anna Kampl im Interview zu Oster-Aktivitäten der evangelischen Glaubenskirche und individuelle Seelsorge in Zeiten von Corona, bereits 230 verschickten Zeichnungen und mit welchem Gedanken sie mittlerweile täglich aufwacht.

Ostern im Zeichen von Corona. Wie fühlt sich das an?
Ganz komisch. Ich erlebe diese Passionszeit sehr intensiv. Dieses einander nicht sehen können, ist eine Situation, die niemand vorhersehen konnte. Ich spüre die Ängste und Sorgen der Menschen, mit denen ich täglich als Seelsorgerin Kontakt habe und meine eigenen genauso. Wir haben nicht alles in der Hand. Nicht alles in unserem Leben ist verfügbar und lenkbar.
Zugleich eröffnet uns diese Krise wieder völlig neue Wege der Begegnung. Man spürt ganz stark, dass diese unheimlich starke Beziehung, die wir uns in der Glaubenskirche aufgebaut haben, jetzt weiterwirkt. Was da aufgebaut wurde, das hält auch über die persönliche Distanz. Jede Berührung und Umarmung wirkt jetzt nach. Wir können jetzt weiter die Nähe spüren, weil sie eben schon vor der Krise da war. Deshalb klappt auch die neue Form der Begegnung über unsere digitalen Angebote. Sonst funktioniert das nicht.

Gibt es rund um Ostern ein zusätzliches digitales Programm der Glaubenskirche?
Wir bleiben auf dem Weg mit unseren bisherigen Botschaften – mit kurzen Gebeten, Impulsen, Liedern. Mit „Basteln mit Jojo“, mit dem Puppenspieler Sven Stäcker. Ein gestreamter Gottesdienst würde uns technisch überfordern, und ich bin auch überzeugt, dass ein solches Angebot für die Glaubenskirche nicht nötig ist. Am Karfreitag wird im ORF etwa der Gottesdienst mit unserem Bischof Michael Chalupka aus dem Evangelischen Zentrum übertragen. Das sollten wir nutzen, ich halte das für wichtig.
Bei diesem Gottesdienst wird es auch möglich sein, persönliche Fürbitten per E-Mail einzubringen. Ich darf bei diesem Gottesdienst im Evangelischen Zentrum dabei sein und diese Fürbitten aufnehmen. Auch von der Glaubenskirche wird es eine Fürbitte geben.

„Gerade in der Krise muss Seelsorge ein Schwerpunkt sein - und sehr individuell“

Fernsehen hat mittlerweile fast jede und jeder, mit Social Media ist aber nicht jeder vertraut. Drohen Angebote der Glaubenskirche über Facebook oder Youtube nicht zu verpuffen?
Deshalb ist es so wichtig, die unterschiedlichen persönlichen Zugänge der Gemeindemitglieder bestmöglich abzudecken. Manche wissen gar nicht, was es etwa im Fernsehen alles an Angeboten für Evangelische gibt. Deshalb haben wir das extra zusammengestellt und an die Gemeindemitglieder verschickt. Manche sitzen in der Früh oder am Abend fix mit dem Smartphone in der Hand und warten darauf, dass ich in der Früh Gedanken zur Tageslosung oder den täglichen Abendimpuls poste. Manche haben gar keinen Zugang zu Social Media. Deshalb telefoniere ich derzeit mindestens vier Stunden am Tag mit vielen verschiedenen Menschen aus unserer Glaubenskirche. Gerade in der Krise muss für mich Seelsorge ein absoluter Schwerpunkt sein - und sehr individuell.

„Spüren den Karfreitag mehr denn je“

Kommen wir nochmals zum Karfreitag zurück. Der hat ja für evangelische Christen eine besondere Bedeutung, wie nicht zuletzt der große, nach wie vor andauernde Widerstand gegen die Streichung des Karfreitags als Feiertag gezeigt hat. Bleibt da jetzt durch Corona noch eine zusätzliche, besonders große Lücke?
Die jetzige Krise zeigt mir klar wieder, was für eine zentrale Rolle der Karfreitag für mich als evangelische Christin hat. Ich kann nicht das Leiden der Welt um mich einfach ausblenden. Ich nehme sie konkret wahr in den Geschichten der Menschen aus meiner Gemeinde - viele leben gerade komplett isoliert, andere in einer kleinen Wohnung mit ihren lebendigen Kindern und sind damit an der Grenze der Überforderung, andere haben ihre Arbeit verloren und machen sich Sorgen, wie sie das Notwendigste bezahlen.
Dann gibt es auch diejenigen, die jeden Tag arbeiten gehen und mit der Angst leben müssen, dass sie die Menschen, die sie in ihrem Beruf betreuen, mit dem Virus anstecken könnten. Es gibt keinen öffentlichen Gottesdienst am Karfreitag, aber wir spüren den Karfreitag mehr denn je, direkt in unserem Alltagsleben. So erlebe ich ihn heuer, anders, aber doch ganz intensiv. Gott leidet mit uns, er lässt uns nicht allein und so versuchen wir an diesem ganz „persönlichen Karfreitag“ für die Menschen zu kämpfen, die es gerade sehr schwer haben. Ohne viel zu reden, sondern eher zu schauen, was der konkrete Mensch braucht und wir für ihn tun können.

430 Zeichnungen…

Ein aus meiner Sicht besonders faszinierendes Projekt, das von der Glaubenskirche ins Leben gerufen wurde, ist #kreativenächstenliebe, wo Kinder Zeichnungen anfertigen, die dann an vor allem ältere Pfarrgemeindemitglieder als Zeichen der Verbundenheit weitergeleitet werden. Wie oft schon?
Wir haben mittlerweile die verschiedensten Zeichnungen schon 230 Mal in Postkartenformat umgewandelt und verschickt. Ziel ist es, insgesamt 430 Gemeindemitglieder mit den Zeichnungen der Kinder zu erreichen. Da haben wir alle noch Arbeit vor uns. Aber Gott sei Dank haben uns schon Kinder angekündigt, dass sie zu Ostern noch besonders fleißig zeichnen werden. Außerdem haben wir auch Collagen und Briefe in die Hausgemeinschaften der Diakonie gebracht. Das Feedback auf die Aktion ist wirklich sensationell.

Das heißt?
Es gibt praktisch keinen Tag, wo es nicht mehrere Anrufe gibt, weil sich mit den Zeichnungen Beschenkte dafür bedanken, ihrer Freude Ausdruck verleihen wollen. Viele erzählen, wo die Karte jetzt in ihrer Wohnung steht. Eine blinde Dame aus unserer Gemeinde hat sich von ihrer Nachbarin die Zeichnung bis ins Detail schildern lassen. Und umgekehrt bekommen wir extrem liebevoll gestaltete Briefe oder sogar Basteleien ins Pfarrhaus geschickt.

Die Wohnung der Pfarrerin ist ja direkt auf dem Gelände der Glaubenskirche. Wie fühlt es sich an, täglich neben einer leeren Kirche zu leben?
Es geht, weil es sehr viel zu tun gibt. Aber der Gottesdienst und der persönliche Kontakt mit der Gemeinde fehlen mir wahnsinnig. Es lässt sich an der jetzigen Situation eben nichts ändern. Doch nicht nur den persönlichen Karfreitag gibt es heuer, sondern unser persönliches Osterfest wird auch kommen! Wenn es vorbei ist, werden wir gemeinsam die Auferstehung feiern.
Ich denke jeden Tag in der Früh und am Abend daran, dass es ein großes Fest sein wird, wenn wir uns alle in der Glaubenskirche wiedersehen.

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