Ärzte lehnen Elga meistens ab

Dr. Hermann Raunig
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Die meisten Spittaler Ärzte lehnen die vor wenigen Tagen eingeführte Elektronische Gesundheitsakte (Elga) ab. Dies ergab eine WOCHE-Umfrage.

"Ziemlich negativ" eingestellt gegenüber Elga ist Bernhard Pirker. Nach Dafürhalten des Spittaler Frauenarztes ist das System bisher noch "überfrachtet": "Das bedeutet nur Mehrarbeit, die aber nichts bringt." Noch sei das Konzept "völlig unausgegoren", so der Gynäkologe: "Ich finde, das ist nur rausgeschmissenes Geld." Zudem seien die Daten nicht so sicher, wie immer behauptet werde.

Ähnlich äußert sich Albert Schwaiger. Der Radiologe reibt sich vor allem an der Umsetzbarkeit. "Ich muss zurzeit noch viele andere Befunde filtern, bevor ich an die für mich eigentlich interessanten Daten komme", klagt der Spittaler Facharzt. Auch er bemängelt die noch nicht vorhandene Datensicherheit, solange die Informationen noch nicht standarisiert abgespeichert seien. So, wie Elga jetzt angeboten werde, sei es für ihn als Anwender noch nicht umsetzbar.

Es sind zwei wesentliche Gründe, warum Hermann Raunig der Elektronischen Gesundheitsakte kritisch gegenüber steht: die Sicherheit und der Zeitaufwand. "Wenn selbst das US-Verteidigungsministerium ausspioniert wird, ist es für Hacker ein Kinderspiel, auch die Elga-Daten zu knacken", meint der HNO-Arzt. Es sei lächerlich zu glauben, die Daten seien sicher. Zum zweiten kritisiert er den Zeitaufwand. "Wenn ich bei jedem Patienten zehn, 20, 30 Seiten an unübersichtlichen Informationen durchlesen müsste, käme ich zu nichts anderem mehr. Die Wartezeit in der Ordination wird zunehmen."
Seiner Meinung nach könnte man einige Informationen auf der bisherigen E-Card speichern, so der in Spittal praktizierende Seebodener. Schließlich kreidet Raunig den Politikern an, großzügig Millionen an Steuergeldern in eine, wie Fachleute meinen, veraltete Software zu stecken. "Das Geld könnte an anderer Stelle sinnvoller verwendet werden." Gleichwohl befürchtet der Mediziner, per Gesetz zur Anwendung der elektronischen Datenerfassung gezwungen zu werden. Noch könne sich jeder Patient aussuchen, ob er teilweise (z.B. nur für Medikamente, Labor oder Röntgenbefunde), vollständig oder gar nicht daran teilnimmt.

Der einzige von der WOCHE befragte Arzt, der Elga gegenüber "eher positiv" eingestellt ist, ist Gernot Holub. Der Urologe beklagt, bis jetzt kämen viele Patienten ohne Befunde zu ihm. Um die herauszufinden, müsse erst einmal viel herumtelefoniert werden. Der Zugriff auf ein zentrales Register, das Unbefugten allerdings verwehrt bleiben müsse, wäre da hilfreich.

Zur Sache:
Gesundheitsminister Alois Stöger hat die Elektronische Gesundheitsakte (Elga) als einen "Meilenstein in der österreichischen Gesundheitspolitik" bezeichnet.
Vorrangiges Ziel des elektronischen Datenaustausches ist es, den Informationsfluss in der Gesundheitsversorgung zum Nutzen der Patienten zu verbessern.
Ärztekammer-Präsident Arthur Wechselberger meint: "Ich hoffe, die Elga- Betreiber setzen in den kommenden Monaten alles daran, das für Ärzte derzeit noch völlig unbrauchbare System zu verbessern."
Wer sich Sorgen um seine Daten macht, kann sich auch schriftlich abmelden. Telefonische Auskünfte dazu gibt es (österreichweit zum Ortstarif) werktags von 7 bis 19 Uhr unter 050/124 4411.
Ab Herbst 2014 sollen auch Elga-Ombudsstellen zur Verfügung stehen.

Autor:

Michael Thun aus Spittal

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