Greifenburg wurde Pangratz’ Verhängnis

So sieht der „Greifenburger Galgenbichl“ heute aus. Auf ihm wurde der „Pangratz zu Greifenburg“ hingerichtet	Foto: Fleißner
  • So sieht der „Greifenburger Galgenbichl“ heute aus. Auf ihm wurde der „Pangratz zu Greifenburg“ hingerichtet Foto: Fleißner
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Die Sage vom „Pangratz zu Greifenburg“ stellt Sepp Fleißner unseren Lesern vor.

Eine Sage aus seinem Heimatort kennt der Greifenburger Sepp Fleißner. Er hat sie in der Gemeindechronik gefunden und uns zur Verfügung gestellt. Und darum geht es beim „Pangratz zu Greifenburg“:
Bei einem Bürger in Greifenburg war eine Magd bedienstet. Die hatte einen Buben, der Pangratz hieß. Wenn nun der Junge ein Loch in Hose oder Janker machte, sagte die Mutter: „Geh stiehl eine Nadel mit Faden oder stiehl dir einen Fleck, damit ich das Loch zunähen kann!“ Da stahl der Bub Nadel, Faden, Flicken und alles, was erreichbar war: Die Eier aus dem Nest, die Butter aus dem Kübel, den Speck aus der Dasen, das Brot aus der Rehm. Je größer er wurde, um so ärger trieb er es, bis ihm niemand mehr Arbeit und Unterkunft geben wollte.
Da trieb er sich in den Bergen und Wäldern herum, lebte von Diebstahl und Raub und scheute auch nicht vor Brand und Mord zurück. Dann ging er mit dem „Zweispitz“ (Teufel) einen Bund ein und lernte die Schwarzkunst. Um diese lernen zu können, erschlug er auf dem Gailberg eine schwangere Frau, nahm ihr das Kind aus dem Leib und schnitt ihm die Fingernägel ab. Damit kam er durch alle Mauern und Türen, nur musste er immer ein Stückchen Holz in der Hand haben. So oft man ihn auch fing und einsperrte, er kam immer wieder los. Nur vor Greifenburg hatte ihn der Zweispitz gewarnt, da werde er nicht mehr loskommen und da werde es ihm schlecht ergehen. Aber es zog ihn immer wieder ins Drautal hinüber und eines Tages fingen sie ihn ein, führten ihn nach Greifenburg und sperrten ihn im Pflegeheim in die „Keichen“. Die hatte eine Eisentür, auf dem Boden lag ein Strohbund. So viel er auch suchen mochte, er fand nicht das kleinste Stückchen Holz. „Jetzt geht’s mir an den Kragen“, dachte er verzweifelt.

Kinder „halfen“ bei Flucht
Da hörte er auf dem Platz draußen Kinder spielen und lärmen. Er rief durch das „Giggerle“ hinaus: „Werft mir doch ein kleines Steckerle herein.“ Den Kindern machte es Spaß und sie warfen ihm ein Stück Holz hinein. Nun war der Pangratz wieder gerettet. Er floh auf den Kreuzberg hinüber. Dort begegnete ihm ein Weiblein. Er fragte es, wo es hingehe. „Nach Greifenburg“, sagte sie. „Da, nimm für den Pfleger einen Gruß mit!“ Damit fasste er das Weiblein, legte es übers Knie und schlug ihr das Hinterteil mit Schuhnägel an. „So“, sagte der Pangratz, „wenn der Pfleger das sieht, weiß er schon, wer ihn grüßen lässt.“
Als der Pfleger von dieser neuen Missetat hörte, musste, wer nur konnte, ausziehen und den Kreuzberg nach dem Pangratz absuchen helfen. Wirklich fingen sie ihn ein. Der Pfleger sprach ihn an: „Jetzt wird kurzer Prozess gemacht. Führt ihn auf den Galgenbichl und hängt ihn auf.“ Aber so viel sich die Leute mühten und plagten, sie brachten den Pangratz vom Marktplatz nicht weiter. Da rief eine alte Frau: „Legt rotlärchene Bretter! Solang er auf der Erde steht, hilft ihm der Zweispitz.“
Da legten sie rotlärchene Bretter und nun führten sie ihn hinaus. Auf dem Galgenbichl bat er, noch einmal seine Mutter sehen und ihr einen Abschiedskuss geben zu dürfen. Man holte sie. Weinend fiel sie ihm um den Hals, da biss er ihr die Nasenspitze weg und sagte: „Hättet ihr mich nicht stehlen gelehrt, müsste ich jetzt nicht hängen. Das ist der Dank dafür.“ Pangratz war der Letzte, der auf dem Greifenburger Galgenbichl gehängt wurde.

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