"Bürgermeister hatten kein offenes Ohr"

UNTERES WIPPTAL (tk). „Heute ist es uns klar, dass das irrsinnige Projekt nur zustande kommen konnte, weil die Bürgermeister aufgrund von enormen Informationsdefiziten beim Vorprüfungsverfahren im April 2006 keine entsprechenden Einwände hatten. Lediglich eine Restwassermenge von einem Kubikmeter pro Sekunde wurde aufgrund einer Fotodokumentation gefordert, genauso wie dass die Arbeiten am Hochwasserschutz in der Sill nicht behindert werden dürfen. Somit war es für die Innsbrucker Kommunalbetriebe ein Leichtes, dieses in Tirol bzw. ganz Österreich einzigartige Kraftwerk im Ortsgebiet mit einer zwei Kilometer langen Ausleitungsstrecke trotz heutigem Wissensstand bauen zu dürfen“, ärgert sich der Kopf der „Interessensgemeinschaft für den Erhalt der Sill und des Naherholungsgebietes“ noch immer darüber, dass das Projekt realisiert wird.

„Wir wurden belächelt und Verhinderer geschimpft“
Max Knapp aus Pfons und seine Mitstreiter hatten seinerzeit bekanntlich 1216 Protestunterschriften gesammelt, aber: „Weder wurde darauf eingegangen noch wurden unsere Bedenken, die jetzt schon Auswirkungen zeigen, von den Ortschefs in irgendeiner Weise unterstützt. Schlimmer noch: Wir wurden belächelt und/oder als Verhinderer hingestellt!“ In der Tat waren bzw. sind Staub, Lärm und Schmutz für die Anrainer des in Bau befindlichen Ökostromkraftwerks Mühlen omnipräsent. Die IKB reagierten mit Gutschein- und Säuberungsaktionen.

Knapp spricht dennoch von einer „Zumutung“ und ergänzt: „Man darf nicht vergessen, dass im Wipptal jetzt schon mehr Strom produziert als verbraucht wird. Nun aber wird zusätzlich zu den schon bestehenden Belastungen in der Region noch ein Kraftwerk in besiedeltem Gebiet gebaut, nachdem man es anfangs gut verkauft hat. Das Krafthaus etwa, sah auf der Visualisierung im Folder von 2007 deutlich kleiner aus, als es nun ist. Ob damals schon die richtigen Ausmaße angeführt wurden? Der Hochwasserschutz musste teils sogar wieder weggerissen werden und die alten Lechner-Ruinen hätte ohnedies der Vorbesitzer beseitigen müssen. Dann hieß es noch ‚ihr kriegts einen Radlweg‘, heute kostet der 700.000 Euro und da muss man noch bitte, danke sagen, dass die Trasse zur Verfügung gestellt wird. Wo bleiben also die vielzitierten Vorteile, ich sehe für die Bürgermeister keinen Grund, sich zu rühmen oder mit Einsparungen zu protzen. Uns wäre mehr geholfen, wenn 70.000 Lkw weniger durch das Tal brausen würden.“

Apropos: Frei nach dem Modell der Entschädigungszahlungen der Asfinag an die Anrainergemeinden der Brennerautobahn wünschen sich Knapp und Co. nun „wenigstens“ eine finanzielle Beteiligung für die umliegenden Kommunen: „Anstatt dem dauernden Schönreden dieser Anlage wäre es die Pflicht der Bürgermeister, für eine entsprechende, nachhaltige Entschädigung zu sorgen. Dieses Geld sollte dann wirklich für die Verbesserung des Lebensraumes eingesetzt werden.“

Interessensgemeinschaft hofft auf Vorbildwirkung
Von Seiten der Interessensgemeinschaft für den Erhalt der Sill und des Naherholungsraumes wurde bei Besprechungen mit der IKB bereits der Vorschlag unterbreitet, den geschädigten Gemeinden mindestens ein Prozent vom jährlichen Bruttoumsatz – laut Knapp wären dies ca. 20.000 Euro per anno für Matrei, Mühlbachl, Pfons und Navis – zu bezahlen. Im Übrigen werden die Aktivisten das Geschehen weiterhin mit Argusaugen beobachten, wenngleich „jetzt eh schon alles ist, wie es ist“: „Hoffentlich hat dieses Projekt zumindest Beispielwirkung für andere. Sowohl eine abschreckende für Gemeinden als auch eine motivierende für die Bevölkerung, sich zu wehren und initiativ zu sein.“

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