28.10.2016, 16:36 Uhr

Tiroler Ärztin in Kenia erhält Romero-Preis 2016

Hakon Hirzenberger, Maria Schiestl, Bernadette Abendstein und Heini Staudinger (v.l.) (Foto: Steudltenn)

64-jährige Maria Schiestl hat ihr Leben den Maasai in Kenia gewidmet - Am 25. November erhält sie in Innsbruck den mit 10.000 Euro dotierten Oscar-Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung Österreichs

INNSBRUCK (KAP). Der mit 10.000 Euro dotierte Romero-Preis von "Sei so frei", der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung Österreichs, geht heuer an die Tirolerin Ärztin Maria Schiestl. Die gebürtige Zillertalerin wird für ihren jahrelangen und unermüdlichen Einsatz für die Maasai in Kenia ausgezeichnet. In Entasekera, einem abgelegenen Ort im knapp 300 Kilometer von Nairobi entfernten Loita-Hochland, leitet die 64-Jährige seit elf Jahren ein ab den 1990er-Jahren von "Sei so frei" mit aufgebautes Krankenhaus und Bildungszentrum. Der Oscar-Romero-Preis 2016, der an den 2015 von Papst Franziskus seliggesprochenen salvadorianischen Märtyrerbischof Oscar Romero (1917-1980) erinnert, wird Schiestl am 25. November bei einem Festakt im ORF-Landesstudio Tirol in Innsbruck überreicht.

1952 in Zell am Ziller geboren, war Maria Schiestl zunächst einige Jahre lang Hauptschullehrerin in Tirol. 1979 ging sie nach Kenia, wo sie in einer Mädchenschule im Maasailand tätig war, bevor sie Leitung einer Mädchenschule in Westkenia übernahm. Konfrontiert mit der schwierigen Lebenssituation vieler Maasai und der schlechten Gesundheitsversorgung, entschloss sie sich im Alter von 37 Jahren, ein Medizinstudium zu beginnen.

Nach Abschluss von Studium und Turnuszeit in Schwaz und an der Innsbrucker Uniklinik ging Schiestl 2005 zurück nach Kenia. In Entasekera hatten österreichische Ärzte dort unter schwierigsten Bedingungen mit dem Aufbau eines Gesundheits- und Bildungszentrums begonnen. "Daktari Maria", wie sie von ihren Patienten genannt wird, kümmert sich seither federführend um das mittlerweile fertiggestellte Health Care Center, das die einzige funktionierende Gesundheitseinrichtung für bis zu 27.000 Loita-Maasai in einem Umkreis von 60 Kilometern ist.

Neben dem Gesundheitszentrum leitet Schiestl - seit ihrem Pensionsantritt Ende 2012 ehrenamtlich - mehrere mobile Gesundheitsteams, die Kinder, Frauen und Männer aus dem Massai-Volk in besonders entlegenen Gebieten erreichen können. Das Zentrum hat auch Spezialkliniken für Augen- und Zahnerkrankungen sowie für Tuberkulose- und HIV/Aids-Patienten.

Bei ihrer Tätigkeit erkannte Schiestl schnell, dass in der stark traditionell geprägten Gesellschaft des Loita-Maasai-Volks mehr Bewusstsein besonders für die Rechte von Frauen und Kindern und eine Gesundheitsvorsorge nur mit umfangreichen Bewusstseins-Bildungsmaßnahmen erreichbar sind. Zusätzlich zum Health Care Center wird daher in Entasekera auch ein Bildungszentrum betrieben, in dem laufend Kurse und Treffen zu Themen wie Frauenrechte, Menschenrechte, Bürgerrechte, Gesundheitsvorsorge, Hygiene, Ernährung, Familienplanung, Mutter-Kind-Themen, HIV/Aids angeboten werden.

Der an den seligen Märtyrerbischof Oscar Romero (1917-1980) erinnernde Romero-Preis wird seit 1980 an Personen vergeben, die sich in herausragender Weise für Entwicklungszusammenarbeit und eine gerechte Welt einsetzen. Der Romero-Preis ist Österreichs wichtigste Auszeichnung für herausragende Leistungen für Gerechtigkeit und Entwicklung in Afrika und Lateinamerika. Bisherige Preisträger waren u.a. Bischof Erwin Kräutler, die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie oder der oberösterreichische Brasilien-Missionar Pater Josef Hehenberger.

Projekte in 25 Ländern

"Sei so frei" ist 1995 auf Initiative der Katholischen Männerbewegung aus der 1961 gegründeten Aktion "Bruder in Not" entstanden. Die entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation führt gemeinsam mit österreichischen Pfarren Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in Lateinamerika, Afrika und Asien durch. Unterstützt werden regierungsunabhängie Selbsthilfegruppen, Genossenschaften, Bauernvereinigungen, Gewerkschaften sowie dörfliche und kirchliche Basisgruppen und Sozialeinrichtungen.

Allein im Vorjahr wurden von "Sei so frei" 160 Projekte in 25 Ländern abgewickelt und gefördert, wie aus dem kürzlich erschienen Jahresbericht der Organisation hervorgeht. Schwerpunkte waren neben Bildungsprojekten, Projekte in den Bereichen "Zivilgesellschaft, Menschenrechte", "Land- und Forstwirtschaft" sowie "ländliche und urbane Entwicklung". "Sei so frei" verfügt jährlich über Mittel von rund sechs Millionen Euro, die über Spenden sowie öffentliche Subventionen aufgebracht werden (Info: www.seisofrei.at).
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