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Sechs Wochen vor Beginn der kommenden Spielzeit wird intensiv diskutiert. Wer hält die diesjährige Festrede am 04. Juli? Welche Stars lesen bei der traditionellen Marathonlesung am 19. Juli? Die Antworten gab es bei einer Pressekonferenz im Büro der Tiroler Volksschauspiele in Telfs.
TELFS. Bereits sechs Wochen vor Beginn der Spielzeit sorgen die Tiroler Volksschauspiele 2026 für Gesprächsstoff. Nun steht fest, wer die diesjährige Festrede beim Eröffnungsfestakt hält und welche prominenten Schauspielerinnen und Schauspieler bei der traditionellen Marathonlesung in Telfs zu erleben sein werden.
Hauptproduktion "Feuernacht"
Die kommende Saison steht ganz im Zeichen der Grenzüberschreitung – sowohl inhaltlich als auch programmatisch. Im Mittelpunkt steht die Hauptproduktion „Feuernacht“, die sich mit den Geschichten und Schicksalen der Menschen in Südtirol zwischen den späten 1930er- und den 1960er-Jahren auseinandersetzt. Erzählt werden persönliche und politische Schicksale rund um Themen wie Heimat, Flucht, Identität, Verantwortung und Freiheit.
Südtiroler Journalist Franceschini hält Festrede
Eröffnet werden die Tiroler Volksschauspiele traditionell im Rahmen des Telfer Dorffests am 4. Juli ab 16 Uhr. Die Festrede hält heuer der vielfach ausgezeichnete Südtiroler Investigativjournalist und Dokumentarfilmer Christoph Franceschini.
Neben seiner Tätigkeit als Polit-Redakteur realisierte Franceschini mehrere Dokumentarfilme und wurde gemeinsam mit Helmut Lechthaler für die sechsteilige Reihe „Bombenjahre – Geschichte der Südtirol-Attentate“ mit dem renommierten Prof.-Claus-Gatterer-Preis ausgezeichnet.
Grenzüberschreitende Marathonlesung
Auch die traditionelle Marathonlesung wird 2026 neu gedacht: Erstmals entsteht sie als Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Bozen. Unter dem Titel „Flucht ohne Ende“ widmet sich die Veranstaltung den Texten des Schriftstellers Joseph Roth, dessen Werk von Heimatlosigkeit, Flucht und Grenzerfahrungen geprägt ist.
Die Lesung findet am 19. Juli im Großen Rathaussaal in Telfs statt und wird am 28. November in Bozen fortgesetzt. Von 11 bis 18 Uhr lesen Schauspielerinnen und Schauspieler jeweils rund 30 Minuten aus ausgewählten Texten.
Mit dabei sind zahlreiche bekannte Namen dies- und jenseits des Brenners: Tobias Moretti, Gerti Drassl, Anna Unterberger, Michael Klammer, Josephine Bloéb, Klaus Rohrmoser, Lisa Hörtnagel, Lukas Spisser und Brigitte Jaufenthaler.
Erstmals mit dabei ist auch Burgtheater-Legende Branko Samarovski. Den Auftakt übernimmt Max Simonischek, den Abschluss gestaltet Christoph Luser, der direkt nach seiner Jedermann-Premiere in Salzburg nach Telfs reist.
„Es wird mit Sicherheit ein großes Spektakel“
Große Erwartungen gibt es auch an die Hauptproduktion „Feuernacht“. Künstlerischer Leiter Gregor Bloéb beschreibt das Projekt als außergewöhnlich ambitioniert:
„Es wird mit Sicherheit ein großes Spektakel. Wir haben über 35 Darsteller auf der Bühne, dazu Musiker und Leute aus den Laienspielgruppen. Auch wenn die eigentliche Kraft des Stücks in den kammerspielartigen Beziehungen und Szenen liegt, denken wir fast in Richtung Oper. Das Konzept von Regisseur Thomas Gassner ist großartig. Und das Bühnenbild spektakulär. Ich bin wirklich begeistert.“
Auch wirtschaftlich und organisatorisch sei die Entwicklung der Volksschauspiele bemerkenswert, so Bloéb weiter:
„Der Zuspruch der Menschen ist gewaltig. Wir haben mittlerweile über 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und waren mit Verkaufsstart quasi ausgebucht. Die Leute haben Vertrauen in unsere Arbeit. Gleichzeitig sind die Herstellungskosten pro Produktion unglaublich hoch. Jedes Jahr eine Bühne auf die grüne Wiese zu bauen, verschlingt ordentlich Geld. Der Wunsch nach einem dauerhaften Zuhause ist jedenfalls groß.“
Regisseur Thomas Gassner kündigt Überraschungen an
Regisseur Thomas Gassner betont die Dimension der Produktion:
„Eine Produktion dieser Größe erfordert eine sehr durchdachte Herangehensweise. Wir haben über 30 Darsteller:innen auf der Bühne und über 30 Szenen. Wir zeigen große und sehr intime Momente.“
Gleichzeitig kündigt er an, dass das Publikum einige Überraschungen erwarten dürfe:
„Vielleicht erwarten die Menschen, dass wir irgendwelche Strommasten sprengen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es warten einige Überraschungen.“
Ziel sei es, die Besucherinnen und Besucher immer tiefer in die Geschichte hineinzuziehen:
„Die persönlichen und politischen Schicksale zeigen. Aber natürlich liegt es mir am Herzen zu zeigen, dass am Ende dieser ja auch gewalttätigen und schrecklichen Geschichte, am Ende des Tunnels auch Licht wartet. Wir haben ein großartiges Ensemble, das tief in die Herzen der Besucher:innen gehen wird. Darum geht es im Theater.“
Die Marathonlesungen haben sich in den vergangenen Jahren zu einem Fixpunkt der Volksschauspiele entwickelt. Im zum Lounge-Bereich umgestalteten Rathaussaal können Besucherinnen und Besucher die Lesungen flexibel besuchen und verlassen.
Dramaturg Florian Hirsch erklärt die besondere Anziehungskraft des Formats:
„Die Marathonlesung ist zu einem Fixpunkt der Volksschauspiele geworden. Ein echter Publikumsliebling. Wahrscheinlich ist genau das die Sehnsucht von heute — einmal nur dasitzen und große Geschichten hören.“
Und weiter:
„Die auf meisterhafte Weise von Flucht, Heimatlosigkeit und Grenzgängern erzählenden Texte des jüdischen k.u.k.-Weltbürgers Joseph Roth drängen sich dafür förmlich auf — ein Marathon von Sibirien nach Paris, von Telfs nach Bozen.“
Termine im Überblick:
• Eröffnungsfestakt mit Festrede von Christoph Franceschini: 4. Juli 2026, ab 16 Uhr, Telfer Dorffest
• Marathonlesung „Flucht ohne Ende“: 19. Juli 2026, 11 bis 18 Uhr, Großer Rathaussaal Telfs
• Premiere „Feuernacht“: 30. Juli 2026, 19.30 Uhr, Südtiroler Siedlung Telfs.
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